Lebensdaten
um 1365 bis 1426
Geburtsort
vermutlich Dorpat (Estland)
Sterbeort
vermutlich zwischen Brügge und Lübeck
Beruf/Funktion
Kaufmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118626329 | OGND | VIAF: 202543202
Namensvarianten
  • Veckinghusen, Hildebrand
  • Verkinchuse, Hildebrand
  • Vickinchusen, Hildebrand
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Zitierweise

Veckinchusen, Hildebrand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118626329.html [31.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus hans. Kaufmannsfam.;
    V vermutl. Series, Ratsherr in D.;
    M vermutl. Rixe N. N.;
    B Series (Caesar) ( 1408), seit 1385 Ratsherr, seit 1402 Bgm. in Riga, Sivert (v. 1370–1430/31), Kaufm. in B., dann in L. u. Köln, Mitgl. d. Zirkelges. in L., Ludwig, Propst in D., Gottschalk ( wohl n. 9. 8. 1399), vermutl. in Radevormwald, Johan (Hans) ( n. 13. 5. 1406), vermutl. Ratsherr in Wenden (Livl.), Schw Gertrud ( v. 1406 N. N. Vyncke, in Dorpat), Sweneke (⚭ N. N. Woesten), Dedeke (⚭ Gottschalk van dem Bokele, in Preußen);
    1) N. N. Swarte ( v. 1398), Schw (?) d. Claus Swarte, Ratsherr u. Bgm. in Dortmund, 2) 1399 Margarete (um 1382–n. 1433), T d. Engelbrecht Witte ( 1413), Kaufm. in Riga;
    T aus 1) Taleke (Alheyd) (* 1392/93), 4 S aus 2) Jost, Johannes, Engelbrecht, Hildebrand, 3 T aus 2) Gertrud (* 1406, um 1418 Everd Moyelik, Mitgl. d. Neuen Rats in L.), Margarete, Anna;
    N Hildebrand van dem Bokele, Kaufm. in Reval, Gerwin Marssche, Kaufm. in Danzig, Johan van dem Bokele, Kaufm. in Dortmund, Johan Swarte, Kaufm. in London.

  • Leben

    V. wuchs in Dorpat auf. Einen Teil seiner schulischen Ausbildung erhielt er in Dortmund. 1393 war er einer der beiden Älterleute des gotländ.-livländ. Drittels im hansischen Kontor in Brügge und heiratete Anfang der 1390er Jahre eine Dortmunderin aus der Ratsfamilie Swarte. Nach deren Tod bot ihm 1398 der rigische Kaufmann Engelbrecht Witte, der sich mit den Veckinchusen „bevrunden“, d. h. familiär verbinden wollte, die Hand seiner Tochter Margarethe. Die in mehr als 500 Briefen vornehmlich an V. überlieferten Vorgänge zeigen den Ablauf und die Schwierigkeiten dieses wirtschaftlich motivierten „Bevrundens“. Bis zum Tod V.s nicht geklärte Streitigkeiten um finanzielle Zusagen im Zusammenhang mit der Eheschließung belasteten das Verhältnis zur Familie seiner Frau. Seit etwa 1400 Bürger der Stadt Lübeck, lebte V. fast ausschließlich in Brügge.

    V.s Handelssystem läßt sich aus seinen zwölf überlieferten Handelsbüchern und den Briefen rekonstruieren: V. selbst saß in Brügge, wo Verbindung mit den Märkten Südeuropas und des Orients bestand, sein Bruder Sivert (vor 1370–1430/31) am Hauptumschlagplatz des Ost-West-Handels in Lübeck. In Livland, dem östlichen Endgebiet der Handelskette, saßen Verwandte: Sein Schwiegervater Engelbrecht Witte und sein Bruder Series in Riga, die Familie seiner Schwester Gertrud und sein Bruder Ludwig in Dorpat, sein Bruder Johan (vermutlich) in Wenden sowie Freunde in Reval, die Familie seiner Schwester Dedeke in Preußen, Neffen in Reval, Danzig, Dortmund und London. Alle wichtigen Märkte waren somit entsprechend der damals üblichen partnerschaftlichen Struktur des hansischen Handels mit vertrauenswürdigen Partnern besetzt. V. vertrieb Rohstoffe und Genußmittel des Orients von Venedig und Brügge aus nach Norddeutschland, Ost- und Nordeuropa, versandte westeurop. Tuche ost- und südwärts und zog aus dem Osten Rohstoffe und Naturprodukte Rußlands und der Ostseeländer heran. Er unterhielt Handelsbeziehungen von Novgorod bis La Rochelle und von Boston (Lincolnshire) bis Lucca. Aus seinen Handelsgesellschaften im Brügge-Preußen-Handel lassen sich Gewinnraten von jährlich 15–20% berechnen. Wirtschaftsgeschichtlich herausragend ist die Venedische Gesellschaft, die 1407 von zwölf Kaufleuten gegründet wurde, darunter V. und sein Bruder Sivert. Sie trieb Überlandhandel mit Venedig und ist die erste überlieferte hansische Handelsgesellschaft, die das Prinzip der Zweiseitigkeit mit einseitiger Kapitalführung verließ. Hansische Handelsgesellschaften bestanden bis dahin aus nur zwei Gesellschaftern, die i. d. R. beide Kapital einbrachten, von denen aber nur einer die Geschäfte führte. Sie war außerdem die erste hansische Außengesellschaft. Die Gesellschaft florierte anfänglich, aber die Gesellschafter nahmen zu hohe Kredite auf und scheinen den Tücken des Wechselgeschäfts nicht gewachsen gewesen zu sein. Den Niedergang der Gesellschaft beleuchten Gerichtsverhandlungen in Lüneburg 1414. Daneben litt der Handel auf Nord- und Ostsee unter einer Vielzahl von Störungen, politische Unruhen in Lübeck beeinflußten die Geschäfte ebenso wie die Niederlage des Dt. Ordens 1410 bei Tannenberg. 1416 mußte V. als Mitglied einer Delegation des Brügger Hansekontors Kg. Sigismund ein Darlehen gewähren. Seinen Anteil bekam er nicht zurück. 1418 kaufte er ein Haus in Lübeck, in das seine Familie einzog, er selbst war 1419 wieder Ältermann des Brügger Kontors. Wirtschaftliche Rückschläge, wohl auf kaufmännisch ungeschicktes Handeln zurückzuführen, trafen ihn 1417 und 1420, 1422 wurde er in Brügge von einem Genueser Bankier verklagt und kam für fast drei Jahre in den Brügger Schuldturm. Als er 1426 zu seiner Familie zurückkehren wollte, starb er.

    Wirtschaftshistorisch sind die zwölf Handlungsbücher die umfangreichste Überlieferung eines hansischen Kaufmanns, die durch ihren inneren Zusammenhang mit den Briefen das wirtschaftliche und rechtliche Denken und Handeln eines hansischen Großkaufmanns in seinem räumlich weitgestreckten und umfangreichen Gesellschafts-, Kommissions- und Eigenhandel über mehr als 20 Jahre erkennen lassen. V.s Briefwechsel zeigt auch die Veränderungen in der Institution Ehe seit der zweiten Hälfte des 14. Jh. V. und Margarete bewerteten ihre auf Vereinbarung beruhende Bindung höher als die Bindungen an ihre traditionell eingestellten Verwandten. Da sie nicht auf deren Rat hörten, gerieten sie mit ihnen in Konflikt. Wie kein zweites spätmittelalterliches Zeugnis aus dem Hanseraum läßt der Briefwechsel V.s mit seiner Frau auch die gefühlsmäßige Beziehung zwischen Eheleuten zu Beginn des 15. Jh. erkennen.

  • Quellen

    Qu W. Stieda, H. V., Briefwechsel e. dt. Kaufm. im 15. Jh., 1921; F. Techen, H. V., Briefwechsel e. dt. Kaufm. im 15. Jh., in: Zs. d. Ver. f. Lübeck. Gesch. 21, 1923, S. 257–74; M. P. Lesnikov, Die Handelsbücher d. hans. Kaufm. V., 1973; ders. u. W. Stark (Hg.), A. Cordes (Schlußred.), Die Handelsbücher d. H. V., Kontobücher u. übrige Manuale, 2013.

  • Literatur

    L W. Stieda, Hans.-Venetian. Handelsbeziehungen im 15. Jh., 1895;
    ders., Ein Geldgeschäft Ks. Sigismunds mit hans. Kaufleuten, in: Hans. Gesch.bll. 16, 1887, S. 63–82 (im Anhang sechs ed. Briefe, davon drei v. u. an H. V., d. im Briefwechsel nicht ed. sind);
    F. Irsigler, Der Alltag e. hans. Kaufm.fam. im Spiegel d. V.-Briefe, ebd. 103, 1985, S. 75–100;
    B. Noodt, Ehe im 15. Jh., Einige statist. Ergebnisse u. d. Ehe v. H. u. Margarete V., ebd. 121, 2003, S. 41–74;
    M. Kluge, Zw. Metropole, Fürst u. Kg., Die Venedische Handelsges. d. Kaufleute V. u. ihr Niedergang, ebd. 131, 2013, S. 33–76 (im Anhang sieben ed. Qu. aus d. StA Augsburg z. Lüneburger Prozeß 1414);
    L. v. Winterfeld, H. V., Ein hans. Kaufm. v. 500 J., 1929;
    M. P. Lesnikov, Zur Frage d. Profitniveaus im hans. Handel z. Beginn d. 15. Jh. anhand d. Nachlasses v. H. V., in: K. Fritze u. a. (Hg.), Zins, Profit, Ursprüngl. Akkumulation, 1981, S. 28–40;
    W. Stark, Die Handelsges. d. Brüder V. im ersten J.zehnt d. 15. Jh., ebd., S. 90–116;
    R. Hammel-Kiesow, in: Biogr. Lex. Schleswig-Holstein IX, 1991, S. 358–64, erneut in: Lübecker Ll. I, S. 402–08;
    D. Tophinke, Zur Schriftpraxis e. Kaufm.frau im Spätma., Die Briefe d. Margarethe V., in: Bausteine zu e. Gesch. d. weibl. Sprachgebrauchs III, hg. v. G. Brandt, 1998, S. 5–22;
    G. Asmussen, Die Lübecker Flandernfahrer in d. zweiten Hälfte d. 14.|Jh. (1358–1508), 1999, S. 791–801;
    F. Irsigler, H. V., Ein spätma. Hansekaufm. in d. Schuldenfalle, in: Zs. f. Verbraucher- u. Privat-Insolvenzrecht 8, Sonderh., 2009, S. 46–50; G. Graichen u. R. HammelKiesow, Die dt. Hanse, Eine heiml. Supermacht, 2011, S. 219–47

  • Autor/in

    Rolf Hammel-Kiesow
  • Empfohlene Zitierweise

    Hammel-Kiesow, Rolf, "Veckinchusen, Hildebrand" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 724-726 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118626329.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA