Lebensdaten
1653 – 1714
Geburtsort
Zerbst/Anhalt
Sterbeort
Zerbst/Anhalt
Beruf/Funktion
Prinz von Anhalt-Zerbst ; Generalleutnant
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 102310033 | OGND | VIAF: 49612237
Namensvarianten
  • Anton Günther
  • Anton Günther, Anhalt-Zerbst, Prinz
  • Anthon Gunther, Anhalt, Fürst
  • mehr

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Zitierweise

Anton Günther, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102310033.html [02.07.2022].

CC0

  • Biographische Darstellung

    Anton Günther, Prinz von Anhalt-Zerbst, geb. 11. Nov. 1653, 10. Dec. 1714. Die jüngere Zerbster Linie des fürstlichen Hauses Anhalt, welche mit der Theilung des Anhaltiner Landes 1603 begann und 1793 ausstarb, hat nicht wie die Dessauer und die Bernburger Linie Fürsten von welthistorischer Bedeutung hervorgebracht, und würde allmählig der Vergessenheit anheimfallen, wenn nicht die Kaiserin Katharina II. von Rußland dem Anhalt-Zerbster Hause entsprossen wäre.

    Aber es gab auch unter den Zerbster Fürsten Männer, die sich durch ihre Tapferkeit hervorthaten und unter diese gehört unstreitig der Prinz Anton Günther, vierter Sohn des Fürsten Johann von Zerbst ( 1667) und der Prinzessin Sophie Auguste von Holstein-Gottorp ( 1681).

    Im J. 1669 trat er mit seinem älteren Bruder, dem späteren Fürsten Karl Wilhelm die damals unerläßliche Reise über Holland, England, Frankreich und Italien an und kehrte 1672 nach Zerbst zurück. Er nahm bald darauf Kriegsdienste, focht in Italien unter dem Pfalzgrafen Johann Karl von Birkenfeld gegen Frankreich, und wohnte den Belagerungen von Oudenarde, Grade (1674) und Philippsburg (1676) bei. Nach dem Frieden von Nymwegen bereiste er von Neuem Italien und kehrte 1681 nach Zerbst zurück. Schon das Jahr darauf begab er sich wieder auf Reisen, diesmal nach Dänemark, Schweden, Kurland und Polen. Mit dem Kurfürsten von Sachsen, Johann Georg III., zog er 1683 zum Entsatz von Wien.

    Der 1689 neu ausbrechende Krieg mit Ludwig XIV., führte den Prinzen vor Mainz (kapitulirt Sept. 1689), dann rückte er mit den brandenburgischen Truppen vor Bonn, und zeichnete sich dabei so aus, daß der Kurfürst Friedrich III. ihn zum Obersten ernannte. Prinz A. G. marschirte darauf 1690 mit den|brandenburgischen Truppen nach Brabant und wurde Commandant von Ath. 1692 focht er in der Schlacht von Steenkerken, und wurde daselbst von, fünf Kugeln getroffen, von denen eine ihm den linken Arm zerschmetterte. Kaum von seinen Wunden genesen, traf ihn bei Landau abermals eine Kugel in den Arm. Bisher hatte der Prinz ein Bataillon commandirt, 1694 stellte ihn der König Wilhelm an die Spitze einer Brigade von 9 Bataillonen und übergab ihm 1695 die Vertheidigung von Ath, welche Festung er jedoch nach tapferer Gegenwehr an Catinat übergeben mußte. Im J. 1698 wurde er vom Kurfürsten von Brandenburg zum General-Major ernannt, und erhielt von demselben das Commando über die 5000 Mann brandenburgische Hülfstruppen, welche in den Dienst der holländischen Republik getreten waren. In dieser Stellung wohnte er der Belagerung von Bonn bei und wurde durch eine matte Kugel an der Brust verwundet. Nach der Einnahme von Bonn ging er nach Brabant und nahm Huy. Seine durch so viele Verwundungen geschwächte Gesundheit nöthigte ihn sein Commando niederzulegen.

    Nach Gebrauch der Aachener Bäder kehrte er über Berlin nach Herbst zurück. Im J. 1705 ernannte ihn König Friedrich I. zum General-Lieutenant.

    Schon früher hatte der Prinz mit der Hofdame seiner Mutter, dem Fräulein Auguste Antonie Marschall von Biederstein, ein zartes Verhältniß gehabt, aus dem eine Tochter entsprossen war, die später einen Hauptmann von Mergenthal und nach dessen Tode einen Oberstlieutenant von Platen heirathete. Im Jan. 1705 vermählte sich der Prinz mit der gedachten Hofdame und lebte abwechselnd in Zerbst und Groß-Mühlingen, welches früher zu den Senioratsgütern gehörte, 1669 aber an Anhalt-Zerbst gefallen war. Von allen Geschäften sich zurückziehend und nur religiösen Betrachtungen lebend, verfiel A. G. allmählig in Tiefsinn, dem er im J. 1714 erlag.

  • Autor/in

    v. Witzleben.
  • Zitierweise

    Witzleben, Cäsar Dietrich von, "Anton Günther" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 485-486 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102310033.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA