Lebensdaten
1882 bis 1969
Geburtsort
Schwiebus (Świebodzin, Brandenburg)
Sterbeort
Mexico City
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Gewerkschaftsfunktionär ; Schauspieler
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 118623672 | OGND | VIAF: 95161780
Namensvarianten
  • Traven, Bruno (Pseudonym)
  • Traven, Torsvan (Pseudonym)
  • Ret Marut (Pseudonym)
  • mehr

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Zitierweise

Traven, B. (Pseudonym), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118623672.html [13.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf Feige (1860–1934), Töpfer, S d. Johann Gottlob (* 1818), Tuchscherer, u. d. Johanne Reu;
    M Hermine (1859–1936), Fabrikarb., T d. Albert Wienecke (1831/32–86), Tuchmacher, u. d. Friederike Bullack (1825–99 );
    3 B Willi Feige (1884–1950), Max Feige (1890–1970), Ernst Feige (1895–1982), 3 Schw Gertrud Feige (1888–1951), Erna Feige (1892–1911), Margarethe Feige (1893–1981); – 1915–26 Irene Mermet (1893–1956, ⚭ John Hanna, 1891–1964, aus Salem, Nebraska, RA, 1931–59 Prof. d. Rechte an d. Columbia Univ. in New York), studierte an d. Hochschule f. Bühnenkunst in Düsseldorf, 1917–21 Mithg. d. Zs. „Der Ziegelbrenner“, lebte zuletzt in New York, T e. Kohlenhändlers in Köln;
    San Antonio (Texas, USA) 1957 Rosa Elena Luján (1915–2009, 1] N. N. Montes de Oca), Übers.;
    2 Stief-T Rosa Elena Montes de Oca Luján, Maria Eugenia Montes de Oca Luján; aus Verbindung mit Elfriede Zielke (1886–1968), Schausp. in Berlin, 1 außerehel. T Irene Zielke (* 1912);
    T d. Lebensgefährtin Elisabeth Hanna (* 1929, Valentino Braitenberg [Valentin v. Braitenberg zu Zennenberg], 1926–2011, aus Bozen, Prof. f. Kybernetik am Physikal. Inst. d. Univ. Neapel, 1968–1994 Dir. am MPI f. biol. Kybernetik in Tübingen, 1998–2001 Präs. d. Laboratorio di Scienze Cognitive d. Univ. Trient in Rovereto, Dr. h. c., s. Kürschner, Gel.-Kal. 2011).

  • Leben

    T. absolvierte 1896–1900 eine Ausbildung zum Maschinenschlosser in Schwiebus. 1901–03 leistete er Militärdienst in Bückeburg, 1904–06 arbeitete er in Magdeburg, wo er sich auch als SPD-Mitglied und Gewerkschafter hervortat. Im Sommer 1906 wurde T. Geschäftsführer der Gelsenkirchener Verwaltungsstelle des Dt. Metallarbeiterverbands. Im Herbst 1907 kündigte er diese Anstellung und gab sich als Schauspieler Ret Marut aus San Francisco aus; seine erfundene Abstammung konnte er verschleiern, weil bei einem Erdbeben in Kalifornien 1906 nahezu alle behördlichen Akten und Urkunden vernichtet worden waren. Stationen seiner Bühnenkarriere waren u. a. Idar, Crimmitschau, Danzig und Düsseldorf. Hier wurde die Schauspielschülerin Irene Mermet aus Köln seine Lebensgefährtin. Mit ihr gab er im Herbst 1915 den Schauspielberuf auf und übersiedelte nach München, wo er seit Sommer 1917 die Zeitschrift „Der Ziegelbrenner“ (5 Jgg. bis 1921) herausgab, die mitten im Krieg für Völkerverständigung und -freundschaft eintrat. Anfang 1917 erschien unter dem Pseudonym Richard Maurhut die Kriegsnovelle „An das Fräulein von S.....“, die das Kriegsschicksal eines dt. Soldaten schildert, der in seinem Bataillon lange als kugelfest gilt, eines Tages bei einem Sturmangriff jedoch den Heldentod stirbt. Die hinterlassenen Briefe an das „Fräulein“ offenbaren, daß er nicht aus Pflichtgefühl, Heimatliebe oder Ruhmsucht gehandelt hat, sondern aus tiefem Lebensüberdruß: Es war ihre Ablehnung, die ihn hartnäckig den Tod auf dem Schlachtfeld suchen ließ.

    Im Frühjahr 1919 übernahm T. alias Marut das Amt eines Chefzensors für die Münchner Räterepublik und war treibende Kraft bei der geplanten Sozialisierung der Presse. Als am 1. 5. 1919 Regierungstruppen und Freikorpsverbände mit der Niederschlagung der Räteherrschaft begannen, wurde er als Rädelsführer verhaftet. Kurz vor der Verurteilung durch ein Feldgericht konnte er fliehen und lebte seitdem mit wechselnden Stationen im Untergrund. Ende 1923 in London vorübergehend in Abschiebehaft genommen, gelang ihm im Sommer 1924 die Ausreise nach Mexiko; sechs Jahre später wurde er dort als amerik. Staatsbürger Traven Torsvan offiziell registriert, als der er 1930–48 in Acapulco Obstanbau und eine Gastwirtschaft betrieb.

    Unter dem Namen „B. Traven“ entfaltete T. in Mexiko eine rege literarische Tätigkeit; in der Rolle seines angeblichen Bevollmächtigten Hal Croves kümmerte er sich auch um die Verwertung und Vermarktung seiner Werke. Neben einem ethnographischen Reisebericht ließ er zwischen 1926 und 1940 einen Erzählband und elf sozialkritische Abenteuerromane erscheinen, u. a. „Das Totenschiff“ (1926, 1959 verfilmt v. G. Tressler), „Der Schatz der Sierra Madre“ (1927; 1948 verfilmt v. J. Huston) und „Die Brücke im Dschungel“ (1929). Im sechsteiligen „Caoba“-Zyklus (1931–39) schilderte er anschaulich die Unterdrückung und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung.

    Charakteristisch für T.s Prosa ist der Rückgriff auf Elemente der Unterhaltungs- und Spannungsliteratur und die Mischung aus ethnographischer Fiktion, realistischer Darstellung und politischer Unterweisung sowie die scharfe Kritik am kapitalistischen System, am modernen Verwaltungsstaat und an der Geistlichkeit. Übersetzt in mehr als 24 Sprachen, erreichten seine Bücher eine geschätzte Gesamtauflage von 30 Mio. Exemplaren. Konsequent widersetzte sich T. dem Verlangen nach lebensgeschichtlichen Informationen. Seine rätselhafte Identität beschäftigte jahrzehntelang Journalisten, Gelehrte und ein unübersehbares Publikum in aller Welt.

  • Werke

    Weitere W Der BLaugetupfte SPerlinG, 1918;
    Der Wobbly, 1926, seit 1929 u. d. T. Die Baumwollpflücker;
    Der Busch, 1928, erw. Ausg. 1930;
    Land d. Frühlings, 1928;
    Die Weiße Rose, 1929;
    Der Karren, 1931;
    Regierung, 1931;
    Der Marsch ins Reich der Caoba, 1933;
    Die Troza, 1936;
    Die Rebellion der Gehenkten, 1936;
    Sonnen-Schöpfung, Indian. Legende, 1936;
    Djungelgeneralen, 1939 (dt. Ein Gen. kommt aus d. Dschungel, 1940);
    Macario, 1950; Aslan Norval, 1960; „Ich kenne d. Leben in Mexiko“, Briefe an John Schikowski 1925 bis 1932, Mit e. Essay v. K. S. Guthke, 1992; Der Mann Site u. d. grünglitzernde Frau, Die Gesch. e. Lebens, das nach e. Ziele strebte, 2008; Die Fackel des Fürsten, 2008; – Nachlaß: Privatbes., Mexico-City; Riverside Libraries, Univ. of California, Collection of Ret-Marut and Der Ziegelbrenner.

  • Literatur

    L P. Lübbe, Das Rev.erlebnis im Werk v. B. T., Diss. Rostock 1965 (masch.);
    R. Recknagel, B. T., Btrr. z. Biogr., 1965, 3 1982 (P);
    J. Stone, The Mystery of B. T., 1977;
    A. Richter, Der Ziegelbrenner, Das individualanarchist. Kampforgan d. frühen B. T., 1977;
    W. Wyatt, The Man who was B. T., 1980 (P), dt. B. T., Nachforsch. über e. ‚Unsichtbaren’, 1982 (P);
    K. S. Guthke, B. T., Biogr. e. Rätsels, 1987 (P);
    J.Ch. Hauschild, B. T., Die unbekannten J., 2012 (P);
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L);
    Killy, Metzler Autorenlex. (P);
    Filmdok.: Im Busch v. Mexiko, Das Rätsel B. T., 5 T., Regie: J. Goslar, ARD 1967;
    B. T., A Mystery Solved, Regie: W. Wyatt, BBC 1978;
    B. T. in Mexiko, Regie: G. S. Troller, ZDF 1980; Flüchtig, Das rätselhafte Leben d. B. T., Regie: X. Villetard, ARTE 2011.

  • Portraits

    P Ölgem. u. Tuschzeichnung v. F. W. Seiwert, beide undatiert; Kohlezeichnung v. unbek. Künstler, undatiert (alle Privatbes. M. E. Montes de Oca de Heyman, Mexico City)

  • Autor/in

    Jan-Christoph Hauschild
  • Empfohlene Zitierweise

    Hauschild, Jan-Christoph, "Traven, B." in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 384-386 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118623672.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA