Bridges Adams, Hope
- Lebensdaten
- 1855 – 1916
- Geburtsort
- Halliford (heute Spelthorne, Surrey, England)
- Sterbeort
- München
- Beruf/Funktion
- Ärztin ; Autorin ; Sozialreformerin ; Ärztin ; Gynäkologin
- Konfession
- evangelisch-presbyterianisch
- Normdaten
- GND: 119054213 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Adams Walther, Hope / geschiedene
- Adams Lehmann, Hope / verheiratete
- Bridges Adams, Hope
- Adams Walther, Hope / geschiedene
- Adams Lehmann, Hope / verheiratete
- Adams Lehmann, Hope Bridges
- Adams-Lehmann, Hope Bridge
- Adams-Lehmann
- Adams-Lehmann, Hope B.
- Adams-Lehmann, H. B.
- Adams-Lehmann, H.B.
- Adams, Hope Bridge
- Adams, Hope Bridges
- Adams, H. B.
- Adams, H.B.
- Bridges Adams-Lehmann, Hope
- Lehmann, Hope Bridge Adams-
- Lehmann, Hope Bridges Adams-
- Lehmann, H. B. Adams-
- Lehmann, H.B. Adams-
- Lehmann-Adams, Hope Bridges
- Lehmann-Adams, Hope B.
- Adams Walter, Hope / geschiedene
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Bridges Adams, Hope (geschiedene Adams Walther, verheiratete Adams Lehmann)
1855 – 1916
Ärztin, Autorin, Sozialreformerin
Hope Bridges Adams legte 1880 in Leipzig als erste Frau an einer deutschen Universität das Erste medizinische Staatsexamen ab. In Bern 1880 zur Dr. med. promoviert, war sie anschließend als Ärztin und als den politischen und gesellschaftlichen Idealen der Sozialdemokratie verbundene Sozialreformerin tätig. Ihr Werk „Das Frauenbuch. Ein ärztlicher Ratgeber für die Frau in der Familie und bei Frauenkrankheiten“ (2 Bde., 1896) fand weite Verbreitung; die von ihr zur Heilung von Lungenkrankheiten entwickelte „Nordrach-Methode“ wurde später v. a. in England häufig angewandt.
Lebensdaten
Hope Bridges Adams, BSB / Bildarchiv (InC) -
Autor/in
→Marita Krauss (Ausgburg)
-
Zitierweise
Krauss, Marita, „Bridges Adams, Hope“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119054213.html#dbocontent
Bridges Adams entstammte einer nonkonformistischen englischen Familie. Sie besuchte seit 1870 das renommierte Bedford College in London, das als erstes britisches College Frauen aufnahm. Nach dem Tod des Vaters zog sie 1873 mit ihrer Mutter nach Dresden. Nachdem sich die Universität Leipzig weiblichen Gasthörern geöffnet hatte, schrieb sie sich 1876 für Medizin ein und legte 1880 trotz der Ablehnung offizieller Stellen, aber mit Unterstützung ihrer Professoren unter denselben Bedingungen wie ihre männlichen Kommilitonen als erste Frau in Deutschland das Erste medizinische Staatsexamen ab.
In Leipzig zur Promotion nicht zugelassen, ging sie 1880 an die Universität Bern, wurde hier im selben Jahr mit der Arbeit „Hämoglobinausscheidung in der Niere“ bei Ludwig Lichtheim (1845–1928) zur Dr. med. promoviert und erwarb anschließend die englische Approbation in Dublin. Seit 1882 praktizierte sie in Frankfurt am Main, offiziell als „gewerbsmäßige Heilkünstlerin“, ehe ihr Staatsexamen 1904 vom deutschen Bundesrat als einziger derartiger Fall nachträglich anerkannt wurde, sie die deutsche Approbation erhielt und nun als Ärztin firmieren durfte. In Frankfurt am Main verkehrte Bridges Adams, die der SPD beitrat, mit ihrem ersten Ehemann Otto Walther (1855–1919) in sozialdemokratischen Kreisen.
Nachdem sie sich als Armenärztin mit Tuberkulose infiziert hatte, übersiedelte Bridges Adams, nun unter dem Namen Adams Walther, mit ihrer Familie in den Schwarzwald, wo sie nach Anwendung einer von ihr mitentwickelten Heilmethode erfolgreich therapiert wurde. 1891 eröffnete sie mit ihrem Ehemann in Nordrach (Schwarzwald) ein Lungensanatorium. Hier entwickelte sie die auf Wandern, körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung aufbauende „Nordrach-Methode“ weiter, die später v. a. in England vielfach kopiert wurde.
Nach ihrer Heirat mit Carl Lehmann (1865–1915) übersiedelte Bridges Adams, die sich nun Adams Lehmann nannte, 1896 nach München und wurde zur ersten praktizierenden Ärztin in Bayern. In diesem Jahr veröffentlichte sie das „Frauenbuch“, einen vielfach aufgelegten Gesundheitsratgeber für Frauen, der weit über das Medizinische hinausging und Lebenskonzepte für das Zusammenleben von Mann und Frau sowie ein neues Verhältnis zur Sexualität vorstellte. In vielen Zeitschriftenartikeln thematisierte sie ihre Ideen für „die Frau der Zukunft“: Um die Frauen aus Rollenzwängen zu befreien, müsse man auch den Mann befreien, er solle Aufgaben bei der Kindererziehung übernehmen und von der Frau ihre „Sklaventugenden“ lernen; die Ehefrau wiederum solle ganz Frau sein und berufstätig, Mutter und intellektuelle Partnerin des Mannes. Basis dafür war für Bridges Adams eine zukünftige „ideale“ sozialistische Gesellschaft.
In München entwickelte Bridges Adams seit 1896 ein aufsehenerregendes demokratisches Krankenhauskonzept, das „Frauenheim“, mit Einzelzimmern auch für arme Frauen, Einbeziehung von Familien und jungen Ärzten in die Pflege sowie der Wahl eines Chefarztes. Zudem gründete sie 1909 einen bilingualen Versuchskindergarten. Im Haus von Bridges Adams und Lehmann verkehrten neben Franz Blei (1871–1942) führende Sozialdemokraten wie Clara Zetkin (1857–1933) und August Bebel (1840–1913), dessen Werk „Die Frau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ (1884) Bridges Adams 1886 in das Englische übersetzt hatte. Zudem gehörten Wladimir I. Lenin (1870–1924) und die Redakteure seiner Zeitschrift „Iskra“ sowie Ärzte, Journalisten und Intellektuelle zu ihren Gästen.
Nachdem Bridges Adams im März 1914 von Hebammen beschuldigt worden war, aus sozialen Gründen Schwangerschaften abgebrochen zu haben, leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen sie ein, gegen die sie sich mutig zur Wehr setzte. Die Untersuchungen wurden letztlich eingestellt. Bei Beginn des Ersten Weltkriegs reiste Bridges Adams illegal zu einer Friedensmission nach England, um zwischen ihren beiden Heimatländern zu vermitteln und auf eine schnellstmögliche Beendigung des Kriegs hinzuwirken. Sie traf u. a. die Gründer der Union for Democratic Control, die auf die Gründung eines europäischen Staatenbunds hinarbeiteten und plädierte für eine Weltregierung mit international gewähltem Parlament zur generellen Verhinderung von Kriegen. Nach ihrer Rückkehr nach München im Januar 1915 unterbreitete sie ihre Erkenntnisse der bayerischen Regierung und publizierte anonym die Broschüre „Kriegsgegner in England“ (1915). Im April 1915 starb ihr Ehemann als Frontarzt, 1916 folgte ihm Bridges Adams wohl auf eigenen Wunsch.
| Mitglied des Bunds für Mutterschutz | |
| Mitglied der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten | |
| Mitglied des Vereins Frauenheim, München | |
| 2004 | Adams-Lehmann-Straße, München-Schwabing |
| 2009 | Adamsweg, Leipzig-Propstheida |
| 2026 | Hope Bridges Adams-Schule, Leipzig |
Nachlass:
nicht erhalten.
Weitere Archivmaterialien:
Alpines Museum, München. (Fotografien)
Bayerische Staatsbibliothek, München, Handschriftenabteilung, Nachlass Gerda Walther Ana 317/BIII, Kasten 16.
Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München, MA (Staatskanzlei) 9 7519, MK (Kultusministerium) 40 626, MJu (Justizministerium) 20 947, Stv. Generalkommando 1645.
Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden, 405, 8 423 u. 1208.
Monacensia im Hildebrandhaus. Literaturarchiv und Bibliothek, München. (Fotografien)
Sächsisches Hauptstaatsarchiv, Dresden, Kreishauptmannschaft Leipzig 246, Ministerium für Volksbildung 10 055/15, 11 467.
Staatsarchiv München und Oberbayern, Staatsanwaltschaft 1834, Polizeidirektion München 4560; AG München NR 1915/1124 u. 1916/2663, Nachlassakten Karl Lehmann und Hope Bridges Adams Lehmann.
Stadtarchiv München, Meldebögen; Schulamt 1266, 1297/11.
Universitätsarchiv Leipzig. (Hörerscheine)
Quellenverzeichnis:
Marita Krauss, Hope. Dr. Hope Bridges Adams Lehmann. Ärztin und Visionärin. Die Biografie, 2009, 22010, S. 213–215.
Monografien:
Hämoglobinausscheidung in der Niere, 1880. (Diss. med.)
Das Frauenbuch. Ein ärztlicher Ratgeber für die Frau in der Familie und bei Frauenkrankheiten, 2 Bde., 1896, 71900.
Die Gesundheit im Haus. Eine ärztliche Anleitung Hausbuch für die Frau im alltäglichen Leben und bei Frauenkrankheiten, 1898.
Die Vorbereitung der Frau zur Lebensarbeit, 1899.
Das Frauenheim, Beilage: Mitglieder-Verzeichnis des Vereins Frauenheim e. V. in München, 1913.
Kriegsgegner in England. Nach englischen Quellen, 1915. (anonym)
Aufsätze und Beiträge:
On Medical Education, in: The Lancet 2 (1881), S. 584 f.
Die Hebammenfrage, in: Centralblatt für Gynäkologie 8 (1884), S. 305–310.
Mann und Weib, in: Die Neue Zeit 12 (1894), S. 388–391 u. 420–428.
Frauenstudium und Frauentauglichkeit, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 22 (1896), S. 28 f.
Zur Psychologie der Frau, in: Die Neue Zeit 15 (1897), S. 591–596.
Das Weib in seiner Geschlechtsindividualität, in: Die Neue Zeit 15 (1897), S. 741–750.
Die Frau vor der Wissenschaft, in: Die Neue Zeit 16 (1898), S. 251–258.
Der Säugling und seine Ernährung, in: ebd., S. 781–789.
Die sogenannte Naturheilkunde, in: Die Neue Zeit 17 (1899), S. 115–117.
Gesundheitspflege für die arbeitenden Klassen, in: ebd., S. 286.
Ärztliche Patrouillengänge, in: ebd., S. 317 f.
Der Vegetarismus, in: ebd., S. 364–368.
Das Ideal der Frauenwelt. Beiträge zur Bekleidungsfrage, in: ebd., S. 667.
Diskrete Nervenschwäche, in: ebd., S. 767 f.
Das Weib und der Stier, in: Die Neue Zeit 19 (1901), S. 4–14.
Neue Geschlechtsbahnen, in: Sozialistische Monatshefte 5 (1901), S. 863–867.
Thirty Years Ago, in: Bedford College (University of London) Magazine 49 (Dezember 1902), S. 31–33. (Autobiografische Aufzeichnungen zum Bedford College)
Eine moderne Frau vor hundert Jahren, in: Die Neue Zeit (1903), S. 622–627.
Die Arbeit der Frau, in: Sozialistische Monatshefte 9 (1905), S. 1031–1037, Wiederabdr. in: Wally Zeppler (Hg.), Sozialismus und Frauenfrage, 1919, S. 46–54.
Zum Frauenheim, in: Bayerisches Ärztliches Correspondenzblatt 2 (1906), S. 9–12.
Die Schule der Zukunft, in: Die Neue Zeit 25 (1907), S. 337–344.
Sexuelle Pädagogik, in: Sozialistische Monatshefte 11 (1907), S. 749–760.
Das wilde Heer, in: Sozialistische Monatshefte 12 (1908), S. 1166–1172.
Das Frauenheim, in: Bayerisches Ärztliches Correspondenzblatt 15 (1909), S. 194 f.
Das Frauenheim in München, in: Münchner Medizinische Wochenschrift 56 (1909), S. 1622.
Mutterschutz, in: Sozialistische Monatshefte 15 (1911), S. 1242–1245.
Beruf und Ehe, in: Sozialistische Monatshefte 16 (1912), S. 1204–1208.
Die Unterbrechung der Schwangerschaft, in: Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft 38 (1917), S. 173–184.
Übersetzungen:
August Bebel, Woman in the Past, Present, and Future, 1885, US-amerk. 1886. (Onlineressource)
Bibliografie:
Marita Krauss, Hope. Dr. Hope Bridges Adams Lehmann. Ärztin und Visionärin. Die Biografie, 2009, 22010.
Monografien:
Christine Kirschstein, Fortgesetzte Verbrechen wider das Leben. Ursachen und Hintergründe des 1914 nach § 219 RSTGB eingeleiteten Untersuchungsverfahrens gegen die Münchener Ärztin Dr. Hope Bridges Adams-Lehmann, 1992.
Cornelie Usborne, The Politics of the Body in Weimar Germany.Woman’s Reproductive Rights and Duties, 1992.
Marita Krauss, Die Frau der Zukunft. Dr. Hope Bridges Adams Lehmann (1855–1916), Ärztin und Reformerin, 2002. (P)
Marita Krauss, Dr. Hope Bridges Adams-Lehmann. Ärztin und Visionärin. Die Biografie, 2009, 22010, Taschenbuchausg. 2017.
Aufsätze und Beiträge:
Karl Heinrich Pohl, Hope Bridges Adams Lehmann und die Frauenemanzipation. Zur Person, Vorstellungswelt und politischen Tätigkeit einer Münchner Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin im Wilhelminischen Deutschland, in: Internationale Wissenschaftliche Korrespondenz 24 (1988), S. 295–307.
Johanna Bleker, Die ersten Ärztinnen und ihre Gesundheitsbücher für Frauen. Hope Bridges Adams Lehmann (1855–1916), Anna Fischer-Dückelmann (1856–1917) und Jenny Springer (1860–1917), in: Eva Brinkschulte (Hg.), Weibliche Ärzte. Die Durchsetzung des Berufsbildes in Deutschland, 1993, S. 65–83.
Marita Krauss, Die Lebensentwürfe und Reformvorschläge der Ärztin Hope Bridges Adams Lehmann (1855–1916), in: Elisabeth Dickmann/Eva Schöck-Quinteros (Hg.), Barrieren und Karrieren. Die Anfänge des Frauenstudiums in Deutschland, 2000, S. 143–157.
Marita Krauss, „Die neue Zeit mit ihren neuen Forderungen verlangt auch ein neues Geschlecht“. Die Ärztin Dr. Hope Bridges Adams Lehmann und ihre Forderungen an die Frau des 20. Jahrhunderts, in: Frank Stahnisch/Florian Steger (Hg.), Medizin, Geschichte und Geschlecht. Körperhistorische Rekonstruktionen von Identitäten und Differenzen, 2005, S. 119–135.
Marita Krauss, Hope. Dr. Hope Bridges Adams Lehmann. Ärztin und Visionärin. Die Biografie, 2009, 22010.
Marita Krauss, Art. „Adams-Lehmann, Hope Bridges“, in: Volkmar Sigusch/Günter Grau (Hg.), Personenlexikon der Sexualforschung, 2009, S. 23 f.
Spielfilm:
Dr. Hope. Eine Frau gibt nicht auf, 2 T., ZDF 2008, Regie: Martin Enlen, Hauptrolle: Heike Makatsch, Drehbuch: Torsten Dewi/Katrin Tempel (als Roman 2009).
Sandra Berndt, Adams Lehmann, Hope Bridges (Dr. med.), in: Leipziger Frauenporträts, 2016. (P)
Anne Fromm, Hope Adams Lehmann, in: Die Zeit v. 9.2.2016. (P)
Ortrun Riha, Hope Bridges Adams Lehmann | Geburtstag am 16.·Dezember, in: Universitätsarchiv Leipzig. (P)
Hope Bridges Adams Lehmann, in: FemBio. Frauen.Biographieforschung. (P)
Hope Bridges Adams Lehmann. Die Vorwärtsgewandte, in: Bayerns Frauen.
Fotografien, Alpines Museum, München.
Fotografien, Monacensia im Hildebrandhaus. Literaturarchiv und Bibliothek, München.