Lebensdaten
1881 bis 1929
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Wuppertal-Elberfeld
Beruf/Funktion
Pharmakologe
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 13925160X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Roehl, Wilhelm

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Zitierweise

Roehl, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13925160X.html [16.12.2018].

CC0

  • Leben

    R. besuchte bis 1898 das humanistische Gymnasium in Naumburg und Halberstadt und studierte anschließend Medizin in Halle (1898/99) und Heidelberg (1900–03). Hier legte er 1903 das med. Staatsexamen ab und wurde 1905 zum Dr. med. promoviert. Die Dissertation „Über die Ausnutzung stickstoffhaltiger Nahrungsmittel bei Störungen der Verdauung“ entstand im Institut für Physiologie bei Albrecht Kossel (1853–1927), wo er seit 1903 Assistent war. 1904 in Heidelberg Assistent am pathologischen Institut bei Julius Arnold (1835–1915), wechselte er 1905 zu Paul Ehrlich (1854–1915) an das Institut für Experimentelle Therapie in Frankfurt, wo er Arbeiten auf dem Gebiet der Chemotherapie von Tropenkrankheiten begann. 1906/07 war er an der Med. Klinik der Univ. Gießen bei Friedrich Moritz (1861–1938) tätig und untersuchte die Bildung von Nierensteinen. 1909 kehrte er zu Paul Ehrlich an die Biologische Abteilung des „Georg-Speyer-Hauses“ in Frankfurt zurück, wo er v. a. die Wirkung von Arsenophenylglycin auf Trypanosomen erforschte. 1910 arbeitete er bei Hans Horst Meyer (1853–1939) im pharmakologischen Institut der Univ. Wien ebenfalls auf dem Gebiet der Chemotherapie. 1911 trat er in das neugegründete pharmakologische Forschungsinstitut der Firma Bayer & Co. in Wuppertal-Elberfeld ein, wo er zunächst eine kleine Arbeitsgruppe leitete. 1915-18 nahm er als Feldarzt am 1. Weltkrieg teil. Seine Arbeiten wurden währenddessen von Mitarbeitern fortgeführt. 1922 wurde er Vorstand der selbständigen Abteilung für Chemotherapie (1927 Prokura).

    R.s wissenschaftliches Werk hat zwei Schwerpunkte auf dem Gebiet der Chemotherapie. Nachdem Oskar Dressel (1865–1941) und Bayer-Mitarbeiter 1914-17 das Germanin und wenig später Substanzen der Pamaquingruppe synthetisiert hatten, untersuchte R. die chemotherapeutische Wirksamkeit beider Stoffgruppen: das Germanin zur Behandlung der durch Trypanosoma gambiense verursachten Schlafkrankeit und die Anwendung von Vertretern der Pamaquingruppe, insbesondere des Plasmochins, zur Bekämpfung der Malaria. Er führte dabei die grundlegenden toxikologischen Untersuchungen, sehr umfangreiche Prüfungen der Wirksamkeit im Tierexperiment und Studien zur Wirksamkeit bei menschlichen Erkrankungen durch. Für letztere unternahm er längere Reisen in mediterrane und tropische Länder. Neben den klassischen Arbeiten von Paul Ehrlich sind R.s Studien als grundlegend für die Entwicklung der Chemotherapie anzusehen. Plasmochin und Germanin wurden inzwischen weitgehend durch wirksamere und weniger toxische Substanzen ersetzt. Das Germanin und einige Derivate werden noch bei der Behandlung der Filariasis und bei der Bekämpfung tierischer Trypanosomen-Infektionen angewandt. Unter dem Namen Suramin wird diese Gruppe derzeit bei der Chemotherapie von Tumoren (Mamma-, Ovarial- u. Prostata-Ca) erneut geprüft, wobei Wirkungen v. a. durch eine Hemmung der Angiogenese erzielt werden. Eine zunächst beschriebene Wirkung in der Therapie von AIDS konnte dagegen nicht bestätigt werden.

  • Werke

    ca. 50 Arbb. in Zs., u. a. Über d. Wirkungsweise v. Stoffen a. d. Reihe „Bayer 205“, in: Archiv f. Schiff- u. Tropenhygiene 30, 1926, Beih. 1, S. 103-11;
    Die Wirkung d. Plasmochins an d. Vogelmalaria, ebd. Beih. 3, S. 311-18;
    Grundfragen d. Chemotherapie, in: Dt. Med. Wschr. 52, 1926, S. 2017–21.

  • Literatur

    H. Hörlein, in: Therapeut. Berr. 6, 1929, S. 259-63 (P);
    G. Olpp, Hervorragende Tropenärzte in Wort u. Bild, 1932, S. 344-46 (P);
    ders., Charakterköpfe d. Tropenmed. 1936, S. 43 (P);
    W. Kallmorgen, 700 J. Heilkunde in Frankfurt am Main, 1936, S. 385;
    Fischer;
    Pogg. VII a.

  • Autor/in

    August W. Holldorf
  • Empfohlene Zitierweise

    Holldorf, August W., "Roehl, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 712-713 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13925160X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA