Lebensdaten
1870 - 1948
Geburtsort
Hadamar (Hessen)
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Pathologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139162569 | OGND | VIAF: 317281317
Namensvarianten
  • Ricker, Gustav
  • Ricker, G.
  • Ricker, Gustav August Wilhelm Joseph
  • mehr

Orte

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Zitierweise

Ricker, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139162569.html [19.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes, Oberlehrer am Gymnasium in Hanau;
    M Christine Streitberg.

  • Leben

    Nach dem Abitur in Hanau 1889 und einem vierjährigen Philosophie- und Medizinstudium in Freiburg (Br.), München, Bonn und Berlin wurde R. 1893 an der Charité in Berlin mit der Dissertation „Vergleichende Untersuchungen über Muskelatrophie“ zum Dr. med. promoviert. Nach Studien- und Forschungsaufenthalten in Zürich 1894-96 bei Hugo Ribbert und 1896/97 in Halle/Saale erfolgte 1897 in Rostock die Habilitation (Btrr. z. Lehre v. d. Geschwülsten in d. Niere). 1904 wurde R. zum Professor und Direktor der Pathologisch-Anatomischen Abteilung des Sudenburger Krankenhauses in Magdeburg ernannt, wo der Sozialdemokrat bis zu seiner vorzeitigen Entlassung 1933 beschäftigt war. Fortan wirkte R. als Privatgelehrter in Berlin, bei Wien und in Dresden. 1905 war er Schiffsarzt auf einer parlamentarischen Studienreise nach Togo und Kamerun.

    Bei dem von R. 1905 entwickelten Konzept der „Ricker-Relationspathologie“ handelt es sich um einen experimentell fundierten Ansatz zur Krankheitsentstehung. Jedes Krankheitsgeschehen steht demnach in enger Beziehung zum Nervensystem, indem periphere Reize intensitätsabhängig Veränderungen an der Endstrombahn bewirken, einer organspezifisch unterschiedlich langen Strecke|feinster Gefäßverzweigungen, die der Mikrozirkulation und damit dem Gas-, Flüssigkeits- und Stoffaustausch dienen. Diese Veränderungen führen, bedingt durch den örtlichen Kreislauf, im angrenzenden Gewebe zu weiteren krankhaften Abläufen. Das 1924 von ihm entworfene „Ricker-Stufengesetz“, das heute nur noch von historischer Bedeutung ist, geht von einem regelhaften Einfluß des Nervensystems auf die Endstrombahn und damit auf das Gewebe aus. Das Reaktionsverhalten der terminalen Strombahn auf Reiz teilte R. in drei Stufen ein: schwache neurale Reize führen zu Gefäßerweiterungen, mittlere zu Gefäßverengungen und starke und stärkste zu Nekrose und Abszeßbildung.

    Es ist R.s Verdienst, erstmals konsequent logisches und naturwissenschaftliches Denken in der Pathologie gefordert, philosophisch abgesichert (Grundlinien e. Logik d. Physiol. als reiner Naturwiss., 1912) und auch selbst angewandt zu haben. Zugunsten einer Suche nach Kausalitäten, die dem Ursache-Wirkungs-Prinzip gehorchen, wandte er sich strikt gegen naturphilosophische und teleologische Erklärungsversuche. Seine Forderung nach konsequenter naturwissenschaftlicher Deutung in der Pathologie wirkte in der 1. Hälfte des 20. Jh. bahnbrechend und führte u. a. zu einer Weiterentwicklung der Virchowschen Zellularpathologie zu einer zeitgemäßen komplexen medizinischen Konzeption. R. sah den Menschen stets in seiner physisch-psychischen Einheit, weshalb er für ihn zugleich Gegenstand der Natur- und der Geisteswissenschaften war. In der Person R.s vereinen sich wie bei kaum einem anderen Mediziner seiner Zeit ärztliches Handeln mit naturwissenschaftlichem und philosophischem Denken.|

  • Auszeichnungen

    1948 wurde das Sudenburger Krankenhaus in Magdeburg umbenannt in „Gustav-Ricker-Krankenhaus“.

  • Werke

    u. a. Entwurf e. Relationspathol., 1905;
    Btrr. z. Physiol. d. Weibes, 1912 (mit A. Dahlmann);
    Btrr. z. Kenntnis d. tox. Wirkung d. Chlorkohlenoxydgases, 1919;
    Pathol. als Naturwiss.Relationspathol., 1924;
    Sklerose u. Hypertonie d. innervierten Arterien, 1927;
    Wiss.theoret. Aufss. f. Ärzte, 1936;
    Das Zentralnervensystem u. d. rheumat. gen. akute Polyarthritis mit ihrem Zubehör, 1938;
    A. D. Speransky, Allg. Pathophysiol. als Btr. f. e. Grundlage d. Theorie d. Med., hg. u. kommentiert v. G. R., 1947, 21948.

  • Literatur

    J. Riese, Gesundheit, Krankheit, Heilung, R.s Stufengesetz in Theorie u. Praxis d. modernen Med., 1953;
    R. Hoffmann, in: Zs. f. Gesch. d. Naturwiss., Technik u. Med. 1, 1963, H. 4, S. 122 f.;
    ders., in: 10 J. med. Ak. Magdeburg, FS 1964, S. 28-31 (P);
    H. Eggers, in: Med. Klinik 63, 1968, S. 693-95;
    A. Hecht u. W. Kühne, in: Pathologe 11, 1990, S. 313-15;
    W. Kühne, Die Auswirkungen v. G. R.s naturwiss.-phil., Haltung auf d. Pathol., in: Zs. f. Ärztl. Fortbildung 85, 1991, S. 723-26;
    Lex. Naturwiss.

  • Autor/in

    Werner E. Gerabek
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerabek, Werner E., "Ricker, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 548-549 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139162569.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA