Lebensdaten
1859 bis 1941
Geburtsort
Alexandria (Ägypten)
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118744712 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reuter, Gabriele
  • Reuther, Gabriele

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Reuter, Gabriele, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118744712.html [04.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Carl ( 1872), aus Pommern, Großkaufm.;
    M Johanna (Hannchen) Behmer;
    4 B, 1 Schw (früh †); – ledig;
    1 T Lili (* 1895/99);
    Vt (?) Marcus Behmer (bis 1914 Ps. Marcotino) (1879–1958), Zeichner, u. a. f. d. Zs. „Simplicissimus“ u. d. Münchner Verienigten Werkstätten tätig, (s. ThB; Vollmer; Rhdb.; Wi. 1911–55; AKL), S d. Hermann Behmer (1831–1915), Porträtmaler, Prof. (s. Wi. 1911; AKL), u. d. Elisabeth Douglas; Vorfahren (?) Johann Christoph Gatterer (1727–99), o. Prof. d. Gesch. in Göttingen (s. NDB VI), Philippine Gatterer (1756–1831, Johann Philipp Engelhard, 1753–1818, kurhess. GR, Dir. d. Kriegskollegiums), Schriftst. (s. ADB VI; Kosch, Lit.-Lex.3; Killy).

  • Leben

    R. verbrachte ihre Kindheit in Alexandria und Dessau, wo sie an Privatschulen unterrichtet wurde. Als nach dem Tod ihres Vaters das gewohnte großbürgerliche Leben aufgegeben werden mußte, besuchte sie 1872/73 Henriette Schrader-Breymanns (1827–99) Töchterpensionat Neu-Watzum in Wolfenbüttel, wo sie im Sinne Fröbelscher Pädagogik zu weiblicher Selbständigkeit angeleitet wurde. Anschließend besorgte sie für ihre kränkelnde Mutter und vier minderjährige Brüder den Haushalt in Neuhaldensleben bei Magdeburg, seit 1880 in Weimar. 1895 zog sie mit der Mutter nach München, 1899 nach Berlin. Ihre letzten beiden Lebensjahrzehnte verbrachte R. wieder in Weimar.

    R.s literarische Laufbahn begann 1874 mit den Artikeln „Aegypt. Erinnerungsblätter“ für die „Magdeburger Zeitung“. Auf Einkünfte aus ihrer schriftstellerischen Arbeit angewiesen, wählte R. die gut vermarktbare exotische Kulisse Ägyptens auch zum Hintergrund ihres schablonenhaften Erstlingsromans „Glück und Geld“ (1888), der in der Unterhaltungsbeilage der „Täglichen|Rundschau“ vorabgedruckt wurde. Angeregt durch Karl Frenzel (1827–1914) und Adolf Glaser (1829–1916), entwickelte R. in den folgenden Jahren eine für ihr weiteres Werk typische, im Zeichen des Naturalismus stehende Perspektive und Thematik: die tiefenpsychologische Analyse weiblicher Existenz im Spannungsfeld von sozialem Rollendiktat und Selbstverwirklichung. Die Schilderung der von ihrem Vater unterdrückten, in Wahnsinn endenden Agathe in R.s Hauptwerk „Aus guter Familie, Leidensgeschichte eines Mädchens“ (1895, 281931) löste einen Skandal aus und machte den Roman populärer als Theodor Fontanes „Effi Briest“ (1895). Ebenfalls weite Verbreitung fanden ihre einfühlend-belletristische Biographien über Marie v. Ebner-Eschenbach (1904) und Annette v. Droste-Hülshoff (1905). Der Roman „Das Tränenhaus“ (1908) spiegelt ihre Erfahrungen als Mutter eines unehelichen Kindes und läßt Lektüreeindrücke von Schopenhauer, Darwin und besonders Ernst Haeckels „Natürliche Schöpfungsgeschichte“ (1868) erkennen. Aus R.s Vorstellung von der „Urgegensätzlichkeit von Mann und Frau“ (Das Problem d. Ehe, 1908) und ihrem Bild von der biologischen Bestimmung der Frau zu einer „naturgemäßen“ Mutterschaft, die aufgrund gesellschaftlicher Zwänge nicht ausgelebt werden könne, resultierte ihre Ablehnung von Ehe und partnerschaftlicher Erziehung. R. teilte damit nur einige Vorstellungen und Ziele (Liebe u. Stimmrecht, 21914) der bürgerlichen Frauenbewegung, die ihr Radikalismus vorwarf. Die dt.national gesinnte R., die Deutschland nach 1918 in politischen Essays in der Wiener „Neuen Freien Presse“ als Opfer einer Verschwörung beklagte, stand dem Nationalsozialismus u. a. aufgrund seines Antisemitismus distanziert gegenüber. Von ihrem Spätwerk konnte lediglich die Autobiographie „Vom Kinde zum Menschen, Die Geschichte meiner Jugend, 1-61921) an die frühen Erfolge anknüpfen. Schon zu Lebzeiten in Vergessenheit geraten, wurde sie Anfang der 1980er Jahre im Rahmen kritischer Untersuchungen zur Weiblichkeit um 1900 wiederentdeckt.

  • Werke

    Weitere W Ellen v. d. Weiden, 1900, 21901;
    Frauenseelen, Novellen, 1901, 21902;
    Liselotte v. Reckling, 1903, 31904;
    Gunhild Kersten, 1904;
    Wunderl. Liebe, Novellen, 1905, 41906;
    Die Erziehung d. Mannes durch d. Frau, in: Die Neue Generation 1, 1910, S. 19-25;
    Großstadtmädel, Jugendgesch., 1920;
    Vom Mädchen, d. nicht lieben konnte, 1935. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Goethe-Schiller-Archiv, Weimar; Dt. Lit.archiv, Marbach.

  • Literatur

    F. Alimadad-Mensch, G. R., Porträt e. Schriftstellerin, 1984 (W, L, P);
    Georgia A. Schneider, Portraits of Women in Selected Works of G. R., 1988;
    Lilo Weber, „Fliegen u. Zittern“, Hysterie in Texten v. Theodor Fontane, Hedwig Dohm, G. R. u. Minna Kautsky, 1996;
    L. Kaloyanova-Slavova, Übergangsgeschöpfe, G. R., Hedwig Dohm, Helene Böhlau u. Franziska v. Reventlow, 1998 (P);
    K. Tebben, „Gott im Himmel! Welche Aufgabe!“, Vom Glück d. Berufung u. d. Mühsal d. Berufs, G. R. (1859-1941), in: dies. (Hg.), Beruf: Schriftstellerin, Schreibende Frauen im 18. u. 19. Jh., 1998, S. 276-310 (P);
    dies., Psychol. u. Ges.kritik, G. R., in: dies. (Hg.), Dt.sprachige Schriftstellerinnen d. fin de siècle, 1999, S. 266-89 Ch. Grießhaber-Weninger, Rasse u. Geschl., Hybride Frauenfiguren in d. Lit. um 1900, 2000;
    Wi. 1935;
    Gedenktage d. mitteldt. Raumes, 1991, S. 217 f.;
    Weimar, Lex. z. Stadtgesch., 1993;
    Metzler Autorinnenlex., 1998 (P);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy.

  • Autor/in

    Stefan Jordan
  • Empfohlene Zitierweise

    Jordan, Stefan, "Reuter, Gabriele" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 469-470 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118744712.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA