Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Industrielle
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 13900193X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ravené
  • ravene

Literatur(nachweise)

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Zitierweise

Ravené, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13900193X.html [20.03.2019].

CC0

  • Leben

    Die bereits um 1700 im Berliner Raum ansässige Familie gehörte zu den im Gefolge des Edikts von Potsdam 1685 durch Kf. Friedrich Wilhelm in die Mark Brandenburg geholten franz. Protestanten. Sie zählte zu einer 27 Familien umfassenden, hauptsächlich aus Lothringen (Metz) stammenden Gruppe, die in ihrer neuen Heimat intensiven Gartenbau betrieb. Der Ahnherr François David ( 1748) blieb mit der franz. Kirche in Berlin und ihren Einrichtungen, wie auch seine Nachkommen, eng verbunden. So war 1804 sein Enkel Jacob Direktor der gemeindeeigenen Armenschule (École de Charité). Er schuf 1775 durch seine Heirat mit der Tochter des Eisenwarenhändlers Albrecht Butzer eine neue ökonomische Grundlage für die Familie. Gehandelt wurde mit Stahlwaren aller Art, Werkzeugen, Ambossen, Schraubstöcken und verzinkten Blechen; der Fachhandel im In- und Ausland wurde beliefert. Nach dem Tod des Schwiegervaters führten die Söhne und der Schwiegersohn die Handlung unter der Leitung von Louis (s. u.). weiter. Mit der Industrialisierung der zentralen und östlichen Provinzen Preußens gelang es der Firma, eine führende Stellung auf dem dortigen Eisenmarkt zu erringen.

    Die positive Entwicklung wurde unter Louis' Sohn Jacob (1823–78) fortgesetzt. Künstlerisch vielseitig interessiert, gründete er mit dem Maler Ernst Lewald und dem Architekten Hermann Ende (1829–1907), dem späteren Schwiegervater seines Sohnes, eine Fayencewerkstatt in Berlin. Er gehörte dem Vorstand des Kunstgewerbemuseums an. 1868 erwarb er die Burg Cochem/Mosel und ließ sie 1871-77 von den Architekten Hermann Ende und Karl Julius Raschdorff (1823–1914) ausbauen. Sie blieb bis 1942 repräsentativer Familiensitz.

    Vormund der bei dem Tod des Vaters unmündigen Kinder wurde der Schwager des Vaters, Adolph v. Hansemann (1827–1903). 1887 übernahm Jacobs Sohn Louis (1866–1945) die Leitung des Hauses, das sich zum Konzern entwickelt hatte: 1910 wurde als Gegengewicht zum Werkshandel des rhein.-westfäl. Raumes die „Dt. Eisenhandels A.G., Berlin“ gegründet, mit den dazu gehörigen Firmen „Jacob Ravené Söhne & Co A.-G.“, „Ravené Stahl A.-G.“ und „Ravené Fabrik u. Handelsbetriebe A.-G.“, sämtlich Berlin. Louis, der bis 1926 Aufsichtsratsvorsitzender blieb, war u. a. Geh. Kommerzienrat, Dr. phil. h. c. (Erlangen), schwed. Generalkonsul, vier Jahre Mitglied des Ältestenkollegiums der Berliner Kaufleute, zwölf Jahre Vizepräsident der Berliner Handelskammer und Aufsichtsratsmitglied der Disconto-Gesellschaft; zu den ihm verliehenen Orden u. Ehrenzeichen gehörten der preuß. Rote Adlerorden III. Kl. mit Schleife, das E. K. II. Kl., das Großkreuz und Großoffizierskreuz des Belg. Leopold-Ordens, der österr. Franz-Josephs Orden, der bayer.Verdienstorden vom hl. Michael. Als 1921 der Konzern neu geordnet wurde, entstand die „Ravené Stahl-Vertriebs AG“. Das Stammhaus „J. Ravené“ wurde als OHG in Familienbesitz bis 1945 fortgeführt. Louis und sein Sohn Peter Louis (1891–1945), ebenfalls Geh. Kommerzienrat, starben bei einem Bombenangriff auf Berlin. Auch die Bildergalerie der Familie, die kurz zuvor ein Menzel-Gemälde für Hitlers in Linz geplante Sammlung hatte abgeben müssen, wurde zerstört.

    Nach der Enteignung des Konzerns im Ostteil Berlins wurde die „Ravené Stahl Aktienges.“ 1949 in Berlin (West) neu gegründet. Seit den 1980er Jahren gehört die Firma als „Ravené Possehl Stahl GmbH“ mit Sitz in Berlin und Betrieben in Berlin und Eberswalde der Possehl-Gruppe an.

  • Autor/in

    Felix Escher
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Escher, Felix, "Ravené" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 220 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13900193X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA