Lebensdaten
1901 bis 1996
Geburtsort
Bublitz (Pommern)
Sterbeort
Versailles bei Paris
Beruf/Funktion
Photographin ; Journalistin ; Modedesignerin ; Übersetzerin ; Schriftstellerin
Konfession
-
Normdaten
GND: 118861549 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Niemeyer, Erna
  • Niemeyer, Meta Erna (geborene)
  • Richter, Erna (verheiratete)
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Zitierweise

Soupault, Ré (verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118861549.html [09.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N. Niemeyer;
    M N. N.;
    1) 1926, Trennung 1928, Anfang 1930er Jahre Hans Richter (1888–1976), Filmemacher, Dadaist (s. NDB 21), 2) 1936 Philippe (1897–1990), aus Chaville (Seineet-Oise), Schriftst., Dadaist, Mitinitiator d. Pariser Surrealismus, später Leiter d. „Revue Européenne“, Mitarbeiter d. „Journal litteraire“, 1938–40 Mitarbeiter d. Radio-Tunis, später Dir. v. Radio-Alger, 1943–45 in USA, nach Kriegsende Schriftst. u. Rundfunk-Journ. (s. Dictionnaire des intellectuels français, 22002; W), S d. Maurice Soupault ( 1905), Dr. med., Arzt am Hospital in P., Gastroenterol., u. d. Cécile Dancongnée; kinderlos.

  • Leben

    Nach der Schulzeit in Kolberg (Pommern) studierte S. 1921–25 am Bauhaus in Weimar. Sie besuchte den Vorkurs bei Johannes Itten und nahm Unterricht bei Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Paul Klee, Walter Gropius und Georg Muche. Zu ihren Mitstudenten gehörten u. a. die Photographen Otto Umbehr, später genannt Umbo (1902–80), und Werner Graeff (1901–78); über diesen lernte sie 1923 den schwed. Experimentalfilmer Viking Eggeling ( 1925) kennen, dem sie ein Jahr lang bei der Herstellung des Films „Diagonal-Symphonie“ half. Nach ihrer Heirat mit dem Dadaisten und Filmkünstler Hans|Richter 1926 arbeitete S. bis 1929 als Zeichnerin und Journalistin für den Berliner Scherl-Verlag. Für diesen ging sie im Winter 1929 nach Paris, wo sie gemeinsam mit dem Amerikaner Arthur Wheeler das Modestudio „Re Sport“ gründete. Die Mode-Entwürfe hatten durchaus Erfolg, doch mußte das Geschäft nach dem Tod Wheelers 1934 aufgegeben werden.

    S. verkehrte in den Kreisen der Avantgarde-Künstler im Café du Dôme u. a. mit Férnand Léger, Man Ray, André Kertesz, Florence Henri, Alberto Giacometti und Max Ernst. Im Nov. 1933 lernte sie den Schriftsteller und Journalisten Philippe Soupault kennen, den sie 1937 heiratete. Mit ihm unternahm sie 1934/35 zahlreiche Reisen in Europa, in die USA und nach Nordafrika. Sie begann, selbst zu photographieren, und benutzte dabei Rolleiflex-Kameras in den Formaten 6x6 und 4x4 sowie eine Leica. Seit 1938 lebte sie mit ihrem Mann in Tunis; hier entstanden mehrere Photoreportagen, darunter die einzigartige Serie über das dortige „Quartier réservé“. Nach der Inhaftierung Philippe Soupaults im März 1942 gelang dem Ehepaar im Nov. des Jahres die Flucht nach Algier. 1943 erreichten beide New York, von wo aus Soupault im Auftrag des Generals de Gaulle eine neue franz. Nachrichtenagentur in Nord-, Mittel- und Südamerika aufbauen sollte.

    Nach Kriegsende trennte sich S. von ihrem Mann und lebte danach abwechselnd in New York und Paris. 1948 ließ sie sich in Basel nieder, wo sie eine Karriere als Übersetzerin u. a. von Isidore Lucien Ducasse (Ps. Lautréamont), Romain Rolland, Philippe Soupault, André Breton und Tristan Tzara begann. 1955 kehrte sie nach Paris zurück, wo sie vorwiegend als Journalistin für dt. und schweizer. Rundfunkanstalten arbeitete. Seit 1973 lebte sie hier wieder mit Soupault bis zu dessen Tod 1990.

    Durch einen Zufall erhielt S., die sämtliche Negative bei ihrer Flucht aus Tunis hatte zurücklassen müssen, diese nach 1945 wieder. Seit den späten 80er Jahren wurden sie von dem Heidelberger Verleger Philippe Soupaults, Manfred Metzner, publiziert und in Ausstellungen präsentiert; S. wurde noch 1994 zum Mois de la Photo nach Paris eingeladen. In S.s Photographien spiegelt sich, bedingt durch ihren Lebensweg, die Affinität sowohl zur dt. (Bauhaus) als auch zur franz. Avantgarde (Surrealismus u. Umfeld). Zugleich lassen ihre Arbeiten erkennen, mit welcher Empathie S. an ihre Themen heranging. In den Aufnahmen der Frauen im „Quartier réservé“ in Tunis, die von der Gesellschaft ausgeschlossen waren, zeigt sich am deutlichsten ihre engagierte humanistische Haltung. 1950 entstanden Reportagen über Flüchtlingslager in Deutschland. S. steht, was Schicksal und Werk betrifft, in einer Reihe mit Germaine Krull, Ilse Bing, Marianne Breslauer oder Gisèle Freund.

  • Werke

    Eine Frau allein gehört allen, 35 Fotos aus d. „Quartier réservé“ in Tunis, 1988;
    Paris 1934–1938, 1994;
    Tunesien 1936–1940, 1996;
    R. S., Fotogrr. 1934–1952, 2001 (P);
    R. S., Philippe Soupault, Portraits, Fotogrr. 1934–1944, 2003 (P);
    Überss.:
    I. Ducasse, Gesamtwerk, 1954;
    Romain Rolland, Aus meinem Leben, Erinnerungen an Kindheit u. Jugend, 1949;
    ders., Zw. den Völkern, Aufzeichnungen u. Dokumente aus d. J. 1914–1919, 2 Bde., 1954/55;
    Breton. Märchen, 1959 (Hg.);
    Franz. Märchen, 1963 (Hg.);
    Philippe Soupault, Der Neger, 1964;
    ders., Das letzte Spiel, 1984;
    ders., Begegnungen, 1986;
    ders., Ein gr. Mann, 1993;
    André Breton, Philippe Soupault, Die magnet. Felder, 1990;
    Ausst.:
    u. a. Tunesien-Aufnahmen im Maison des Arts in Tunis u. im Inst. du Monde Arabe in Paris, jeweils in Zusammenarbeit mit d. Goethe-Inst., 1997;
    weltweite Ausst.tournee d. Goethe-Inst., 2001 ff.;
    umfangr. Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau, 2007.

  • Literatur

    U. März, „Du lebst wie im Hotel“, Die Welt der R. S., 1999 (P);
    H. C. Korsholm Nielsen, J. Skovgaard-Petersen (Hg.), Middle Eastern Cities 1900–1950, Public Places and Public Spheres in Transformation, 2001;
    U. Hörner, Madame Man Ray, Fotografinnen d. Avantgarde in Paris, 2002;
    M. Metzner (Hg.), R. S., Die Fotografin d. magischen Sekunde, Ausst.kat. Martin-Gropius-Bau Berlin 2007 (P);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Kürschner, Lit.-Kal. 1999, Nekr.;
    Dok.film v. Ulrike Becker, R. S., Eine Bauhausschülerin fotografiert d. Orient, 2007 (Südwestfunk Baden-Baden), 1997.

  • Portraits

    mehrere Selbstportäts aus d. Jahren in Tunis 1938–42, aus Buenos Aires, 1944, mit Gisèle Freund, 1994, alle abgeb. in: R. S., 2007 (s. L).

  • Autor/in

    Ivo Kranzfelder
  • Empfohlene Zitierweise

    Kranzfelder, Ivo, "Soupault, Ré" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 605-606 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118861549.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA