• Leben

    Sinner: P. Basilius S., hervorragender Physiker und Conventual des Benedictinerstiftes zu St. Magnus in Füssen im Allgäu, geboren am 15. Februar 1745 zu Enkenhofen (Gemeindeverbands Christaghofen im heutigen württembergischen Oberamt Wangen i. A.), am 8. März 1827 als fürstlicher Hofkaplan und Oberbibliothekar in Wallerstein im Ries. Er legte im J. 1764 im Kloster die Gelübde ab und wurde 1769 zum Priester geweiht. Er war ein reichbegabter Geist, namentlich ein ausgezeichneter Mathematiker, Physiker und Mechaniker und zugleich der alten Sprachen sowie des Französischen und Italienischen vollständig mächtig; im J. 1745 hatte er seinen Abt Gerhard Ott, welcher beim Reichshofrath einen Proceß gegen das Hochstift Augsburg wegen Anmaßung von Territorialrechten über das Kloster betrieb, nach Wien zu begleiten und dort an der Hochschule behufs weiterer Ausbildung für das Lehramt zu weilen. Nach längerem Aufenthalte daselbst und in Rom lehrte er theils in seinem Kloster, theils zu Freising Philosophie, Theologie, Mathematik und orientalische Sprachen. P. Basilius war aber von den Grundsätzen seiner aufgeklärten Lehrer zu Wien, Martini, Sonnenfels, Rautenstrauch, Eibel u. A. nicht unberührt geblieben. Wegen zu freier, bedenklicher Thesen aus Philosophie und kanonischem Recht, welche er zu Füssen öffentlich vertheidigen ließ, zog er sich im J. 1777 eine Ahndung von Seiten des bischöflichen Ordinariates von Augsburg, mit welchem sein Kloster damals nicht am besten stand, zu. Bei der Abtei-Erledigung im J. 1778 verließ er mißmuthig Füssen und wanderte nach Rom, um Dispens vom Ordensleben zu erlangen; bald reute ihn indeß dieser Schritt, und er kehrte in sein Kloster zurück, welches ihn mit aller Schonung unter der milden Regierung des letzten Prälaten Aemilian Hafner wieder aufnahm. Noch lange vor der französischen Erfindung hatte er einen Telegraphen ersonnen und construirt, dessen Beschreibung er später unter dem Titel im Drucke herausgab: „Beschreibung des Telegraphen, welchen P. Basilius Sinner, Benediktiner zu St. Mang in Füssen, in der dasigen Bibliothek aufgestellt hat“ (4°, Füssen 1795); schon vorher, in den Jahren 1790—92, hatte er einige kleinere (bei A. Lindner, Die Schriftsteller des Benediktinerordens in Bayern II, S. 65 verzeichnete) Schriften mathematischen Inhalts erscheinen lassen. Christoph Schmid hat ihm in seinen „Lebenserinnerungen“ (III. Bdchn., S. 111/112, Augsburg 1855) ein anmuthiges Denkmal gewidmet. Zur Zeit der Klosteraufhebung befand sich S. als Propst im Schlößchen zu Stökkholg in der Pfarrei Seeg im Allgäu. Seine hervorragenden Kenntnisse in Mathematik und Physik bestimmten das Haus Oettingen-Wallerstein, welchem das Kloster|Füssen bei der Säcularisation zugefallen war, ihn nach Kloster Maihingen zu berufen, damit er die vom Fürsten Kraft Ernst daselbst angesammelten Maschinen und Instrumente ordne und ein mathematisch-physikalisches Cabinet herstelle und beschreibe; er blieb nun in Wallerstein'schen Diensten und beschloß hier hochbetagt sein Leben. Sein Ur-Telegraph ist noch in der fürstlichen Bibliothek zu Maihingen aufgestellt. Ein Schüler von ihm war der bestens bekannte Literarhistoriker und Mitconventuale Joseph Maria Helmschrott (1759—1836). S. zählte zu den schwäbischen Benedictinern des 18. Jahrhunderts, welche sich, wie der Ottobeurer Capitular und Luftschiffer P. Ulrich Siegg (1752—1810), der Ochsenhauser Astronom P. Basil Parger (1734—1807), der Neresheimer Mönch und Physiker P. Magnus Faus (1763—1810) u. A. rühmlichst in den Naturwissenschaften hervorgethan haben.

    • Literatur

      Steichele, Das Bisthum Augsburg etc. II, 417/418. Augsburg 1877.

  • Autor/in

    P. Beck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Beck, P., "Sinner, Basilius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 54 (1908), S. 364-365 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136306616.html#adbcontent

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