• Leben

    Baumann: Friedrich B., geb. 1763 (?), zu Wien 12. April 1841. Er war Mitglied des Leopoldstädter Theaters unter Karl von Marinelli seit 1781 und spielte neben dem berühmten Kasperle Laroche und seinem älteren Bruder Anton Baumann die komischen Rollen in den Localstücken, welche das Repertoire des volksthümlichen „Kasperletheaters“ bildeten. Als Schneider Wetz in den „Schwestern von Prag“ von Wenzel Müller errang er großen Beifall und allgemeine Popularität. Er wirkte vornehmlich durch preciöskomischen Ernst, durch eine Art von lustigem Ingrimm, mit dem er seine Reden kurz und keck hervorstieß. Dabei war sein Gesicht von großer Beweglichkeit und das R in seiner Sprache schnurrte auffallend. Im Jahre 1800 wurde er an die beiden Hoftheater, die damals unter einer Direction standen, berufen. Neben dem berühmten Weidmann spielte er nun im Theater nächst der Burg die komischen Rollen mit großem Glück, neben Weinmüller im Theater nächst dem Kärthnerthor. Für ihn schrieb Weidmann den Adam im Doribarbier, eine Rolle, in welcher er dreihundert Mal auftrat. Von seinen andern Rollen werden Matz in Kotzebue's „Intermezzo“ und Peter Gutschaf in den „Organen des Gehirns“ desselben Autors gerühmt. Seine Komik wird als wahr und naturtreu gepriesen. Seine Herkunft aus dem Volkstheater läßt vermuthen, daß er auch auf dem Schauplatz der höheren Komödie nicht auf die Wirkungen der Dialektanklänge in der Sprache verzichtet habe, welche auf dem Burgtheater bei einzelnen Darstellern noch bis zum Jahre 1850 angetroffen und geduldet wurden. B. war als braver Mann auch im Privatleben geachtet und geliebt. Er starb als pensionirter k. k. Hofschauspieler. — Sein älterer Bruder, der oben erwähnte Anton Baumann, ein nicht minder trefflicher Darsteller in trocken-komischen Rollen, blieb der Volksbühne getreu. Ueber seinen Ausgang habe ich trotz aller Mühe nichts Zuverlässiges erforschen können.

  • Autor/in

    Förster.
  • Empfohlene Zitierweise

    Förster, "Baumann, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 153 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135870178.html#adbcontent

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