Lebensdaten
1802 bis 1868
Geburtsort
Gödewitz (Grafschaft Mansfeld)
Sterbeort
Salzmünde bei Halle
Beruf/Funktion
Industrieller ; Landwirt ; Kaufmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 130285897 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Boltze, Johann Gottfried

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Boltze, Johann Gottfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130285897.html [15.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Gottfried, Gastwirt, landwirtschaftlicher Pächter und Kaufmann in Salzmünde, S des Gutspächters Gottfried in Gödewitz und der Joh. Juliane Wagner;
    M Maria Dorothea, T des Landwirts Christian Peuschel in Beesenstedt und der Marie Dor. Wachsmuth;
    Salzmünde 1829 Ida Bertha (1810–68), T des Mühleninspektors Heinrich Erdmann Kamproth (Kamprad) und der Leopoldine Carol. Reußner;
    6 T, u. a. Ida Aug. Emilie (1829–1903, ⚭ August Leopold Julius Zimmermann, 1826–75, Teilhaber und Fortsetzer des Werkes seines Schwiegervaters).

  • Leben

    In einem umfangreichen Getreidehandel tätig, erwarb sich B. dafür eine eigene Transportflotte. Bereits in den 30er Jahren besaß er 30 Schiffe. Er betrieb auch wie sein Vater Tonhandel, reinigte Ton und Kaolin im eigenen Werk, bevor er sie verkaufte (u. a. an die Porzellanfabriken zur Herstellung von feuerfesten Porzellankapseln, Export nach Rußland) und begründete 1832 die größte Ziegelei in Preußen, mit deren vielseitiger Produktion er den Schritt vom Händler zum Industriellen tat. 1847 errichtete er eine der ersten Zuckerfabriken im Gebiet des Zollvereins. In der Provinz Sachsen kaufte er Güter an, bei denen er industriewirtschaftliche Formen anwandte und durch die Verbindung von Grundproduktion, Weiterverarbeitung und Nebenproduktionenverwertung ein gemischtes Werk schuf. B. beteiligte sich auch am Braunkohlenbergbau sowie an industriellen Unternehmungen. 1859 übernahm er die Chemisch-physiologische Station des Landwirtschaftlichen Centralvereins der Provinz Sachsen auf sein Gut Salzmünde. Er war eine der markantesten Erscheinungen der Übergangszeit, indem er eine enge Verbindung zwischen landwirtschaftlicher und industrieller Produktion herstellte. Alle seine Betriebe waren Musterbetriebe. Auch mit seinen sozialen Einrichtungen war B. vorbildlich für seine Zeit. 1841 gründete er den landwirtschaftlichen Bauernverein für die Grafschaft Mansfeld.

  • Literatur

    ADB III;
    H. Grouven, Salzmünde, Eine landwirtschaftl. Monogr., 1886;
    P. Holdefleiß, J. G. B., in: Mitteldt. Lb. I, 1926 (L, P).

  • Autor/in

    Erich Dittrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Dittrich, Erich, "Boltze, Johann Gottfried" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 436 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130285897.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Boltze: Johann Gottfried B., geb. 14. Jan. 1802 in Gödewitz (Grafschaft Mansfeld). Sein Vater, ein einfacher aber thätiger Mann, legte in dem kleinen Dörfchen Salzmünde an der Saale eine Schenke an, fing an Thon zu graben, der in der Porzellanmanufactur zu Berlin verwerthet wurde, und trieb|einen kleinen Handel. Sein Bestreben ging dahin, seinen zwei Söhnen eine bessere Erziehung zu geben und deshalb brachte er diesen ältesten schon im achten Lebensjahre auf die Realschule in Halle, wo dieser bis zum elften Jahre einen sehr mittelmäßigen Unterricht genoß. Bis zur Confirmation wurde er in dem Pfarrhause zu Fienstädt erzogen. Damit schließt seine Jugendgeschichte. Von da an trat er dem Vater zur Seite, und als dieser bereits 1818 gestorben war, theilte er alle Mühen mit der thätigen Mutter, ihm aber lag die Fortführung der Handelsgeschäfte ob. Zuerst wendete er allen Fleiß auf die Erweiterung derselben, indem er sie zunächst auf Braunkohlen, dann besonders auf Getreide ausdehnte und zu diesem Behufe allmählich mehr als 30 Kähne in der Schifffahrt beschäftigte. Erst bei der Erweiterung des Eisenbahnnetzes trat er hiervon zurück. 1832 legte er eine Ziegelei an, die sich so vergrößerte, daß sie jährlich über 6 Millionen Stück der verschiedensten Ziegelwaaren lieferte. Die Landwirthschaft, die er vom Vater überkommen hatte, war sehr klein, aber er erkannte mit sicherem Blick, daß darin das beste aller Erwerbsmittel liege. Mit seinen wachsenden Mitteln und dem unbedingten Vertrauen, dessen er sich erfreute, kaufte er zunächst einige 20 kleinere und größere Bauerngüter, später auch 3 Rittergüter, so daß die ursprünglichen 20 Morgen zu einem Areal von 12000 Morgen anwuchsen im eigenen Besitze und dazu noch 3000 Morgen erpachtetes Land in Betrieb waren. Damit verband er die landwirthschaftlichen Gewerbe; schon 1847 wurde die Zuckerfabrik erbaut, die bald als eine Musteranstalt betrachtet wurde, 1856 die Spiritusfabrik, endlich auch an die Stelle der alten Mühle ein neues Gebäude errichtet, das gleich benutzbar für Wasser- und für Dampfkraft Mehl, Graupen, Oel und andere Producte fertig in den Handel brachte. Stattliche Gebäude waren dazu erforderlich, Arbeiter mußten untergebracht, Handwerker aller Art herbeigezogen werden, und für alle Bedürfnisse waren Wohnungen zu errichten, so daß das ärmliche Dörfchen sich bald gar stattlich ausnahm. Grouven's Schrift „Salzmünde, eine landwirtschaftliche Monographie“ (1866) gibt darüber genauere Auskunft. Dabei wurde auch die materielle Verbesserung und die sittliche Hebung der Arbeiter eifrigst gefördert, Kirche und Schule gebaut, Kranken- und Familienhäuser eingerichtet, Unterstützungscassen begonnen und durch weise Fürsorge eine treue Anhänglichkeit in der großen Menge geschaffen. So wurde der landwirthschaftliche Betrieb in Salzmünde Muster und Vorbild für Viele, zunächst in der Grafschaft Mansfeld, für welche B. 1841 den landwirthschaftlichen Bauernverein gründete, aber auch für die vielen Besucher, die aus allen Gegenden dorthin kamen, um zu sehen und zu lernen. Als der landwirthschaftliche Central-Verein der Provinz Sachsen die Errichtung einer chemisch-physiologischen Station beschloß, und sich Niemand zu deren Aufnahme fand, war B. gern bereit, und lange Jahre hat sie unter Grouven's tüchtiger Leitung gute Resultate geliefert. Einem Industriellen von solcher Bedeutsamkeit fehlten natürlich Ehren und Auszeichnungen nicht. Mit dem Amte eines Dorfschulzen hat er begonnen, als geheimer Commerzienrath hat er aufgehört. Von Preußen und Sachsen-Coburg erhielt er Orden, die Pariser Ausstellungs-Commission sprach seinen Verdiensten um die Verbesserung der Lage der arbeitenden Classen eine Anerkennung zu. Zweimal wählten ihn seine Mitbürger in das preußische Abgeordnetenhaus, ebenso für den ersten Reichstag des norddeutschen Bundes, doch entsprach diese Thätigkeit weniger der Neigung des rastlosen Geschäftsmannes, der lieber mitten in seinen Schöpfungen lebte als in dem Streite parlamentarischer Parteien. Neben ihm wirkten wackere Schwiegersöhne (nur Töchter waren ihm geboren), mit ihm auch ein jüngerer Bruder. In seinem gastfreien Hause fanden der Fürst wie der Bauer gleich freundliche Aufnahme. Eine unheilbare Krankheit trübte sein letztes Lebensjahr, ihr erlag|er am 30. Mai 1868, nachdem seine treue Gattin Bertha Kamprad ihm wenige Stunden vorher verstorben war. Beide nahm am 2. Juni Ein Grab auf.

  • Autor/in

    Eckstein.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eckstein, Friedrich August, "Boltze, Johann Gottfried" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 114-116 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130285897.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA