Lebensdaten
1524 bis 1583
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Frankfurt/Oder
Beruf/Funktion
Buchdrucker ; Verleger
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119661411 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eichhorn, Johannes
  • Eichorn, Johannes
  • Eichorn, Johann
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Zitierweise

Eichorn, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119661411.html [07.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    1552 Walpurg, T des Ratsherrn Matthäus Jenike in Wriezen;
    S Andreas (1553–1615), 1575 als Drucker in Tübingen eingeschrieben, übernahm 1581 das väterliche Geschäft, 1584 zum Universitätsbuchdrucker bestellt, auch Frankfurter Ratskämmerer (s. Benzing), T Margarethe ( Andreas Kelner, 1591, Buchdrucker, der E.s 1568/69 eingerichtete Stettiner Filialdruckerei 1572 übernahm);
    E Joh. E. d. J. führte nach seines Vaters Tode die Frankfurter Offizin fort (bis 1642); sie erlosch mit Friedrich E. ( 1708).

  • Leben

    E. wurde in Nürnberg ausgebildet und zum Winter 1547 an der Universität Frankfurt/Oder als Buchdrucker immatrikuliert. 1549 übernahm er mit Hilfe der Universität, besonders des Jodokus Willich, das Frankfurter Geschäft seines bisherigen spekulantenhaften Prinzipals Nik. Wolrab. E.s Offizin, deren Drucke überwiegend mit einem Eichhörnchen gezeichnet sind, wurde die bedeutendste Ostdeutschlands im 16. Jahrhundert, die auch diejenigen Berlins, darunter L. Thurneyssers, weit überragte. Der zäh arbeitende, drucktechnisch und ausstattungsmäßig überlegene E. – der erste Notendrucker des deutschen Nordens und Ostens – vermochte in 30jähriger Tätigkeit die geistig rege Handelsstadt Frankfurt/Oder zum wohl viertgrößten Buchdruck- und Verlagsort Deutschlands sowie durch 2 Buchmessen im Jahre zum Hauptumschlagsplatz deutscher Drucke für den europäischen Osten, Südosten und Norden zu machen. Über See lieferte E. vielfach nach Antwerpen, vor allem Musikdrucke. Besuch der Buchmessen in Frankfurt/Main, Pflege seiner Nürnberger Druckerbeziehungen und Bestellung eigener Faktoren in Leipzig, Naumburg, Danzig, Stettin, Prag und Frankfurt/Main weisen auf seine Bedeutung im Inland. Zu solchem Aufschwung halfen ihm nicht nur kaiserliche, brandenburgische und pommerische Druckprivilegien, sondern die Errichtung und Pachtung von Papiermühlen wie auch der Ankauf der Gesamtproduktionen anderer Mühlen, wodurch er vom Papierhandel unabhängig wurde, und schließlich sein frühzeitiges Erkennen der Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Drucker und Buchgraphiker, Schriftenschneider, Holzstockschneider und Kupferstecher. Damit zog er tüchtige Fachkräfte nicht nur aus Süddeutschland, sondern selbst Formschneider aus Lyon zu sich. Als fruchtbarste künstlerische Verbindung wirkte sich für seine Buchproduktion die Zusammenarbeit mit dem Holzschneider, Kupferstecher und Medailleur Frantz Friderich aus. Vermögen und Ansehen brachten E. Ehrungen und Ämter ein (1570 Ratsherr). Der gebildete, einem Humanismus Melanchthonscher Prägung zugeneigte E. bewies mit der Auswahl seiner Verlagswerke eine glückliche Hand. Aus der Masse der vielen Auftragsdrucke ragen hervor: Stimmels „Studentes“ (1549) als erste Studentenkomödie Deutschlands, Willichs großer Terenz-Kommentar (1550) und sein Kommentar zur Germania des Tacitus (1551), die „Consilia“ des Hieronymus Schurpf (1553), die theologischen Schriften des Andreas Musculus, die historischen Wolfgang Jobsts und Reiner Reineccius', die humanistischen Dichtungen von Michael Haslob, Georg Sabinus und Johannes Schosser, die frühen volksliedhaften Strophen Bartholomäus Ringwaldts sowie Leonhard Thurneyssers „Praeoccupatio“ (1571) und „Pison“ (1572). 1551 begann E. mit dem Druck der anhaltend im ganzen deutschen Sprachgebiet verbreiteten „Teufelliteratur“ (Saufteufel, Hosenteufel, Fluchteufel, Spielteufel und andere). Die große Bedeutung Frankfurts für die Entwicklung der deutschen Musik im 16. Jahrhundert führte dazu, daß sich die Oderstadt seit 1550, zuvorderst durch E., zu einem Druckzentrum für Musikalien herausbildete; E. legte die Musiklehrbücher|von Heinrich Faber, Nicolaus Listenius und Bartholomäus Gesius mehrfach auf, wie er auch mit seinem 1552 erstmals herausgebrachten ältesten ostdeutschen Gemeindegesangbuch eine kirchenmusikalische Tradition schuf. Des Wolfgang Figulus Ausgabe von 21 Weihnachtskompositionen erschien 1575 bei ihm, 1573 waren die deutschen Lauten-Tabulaturen des Benedikt de Drusina und des Matthias Waissel vorausgegangen, die in ganz Europa Verbreitung erlangten. Zu den jüngeren Druckern, an die E. sein hohes typographisches Können weitergab, zählte auch der spätere Dresdner Hofdrucker Hieronymus M. Schütz.

  • Werke

    Zum druckerischen Werk E.s s. d. Nachweise f. 65 ausgewählte, seine Tätigkeit kennzeichnende Drucke b. H. Grimm, Altfrankfurter Buchschätze, 1940, S. 32-45, ferner die v. E. Stevenson jun., Inventario dei libri stampati Palatino Vaticano, Libri tedeschi, I u. II, Rom 1886-89, aufgeführten E.-Drucke (24 Einzelnummern f. d. J. 1550-78 s. Benzing, Buchdrucker).

  • Literatur

    ADB VI u. XV;
    H. Grimm, Von d. Drucker-Zeichen d. 1549-81 in Frankfurt a. d. Oder tätigen Univ.buchdruckers u. Buchführers J. E., 1939 (L, Biogr., Brustbild nach Schaumünze);
    ders., Meister d. Renaissancemusik a. d. Viadrina, 1942, S. 95-99, 237-40 (Musiktitelwiedergaben auf S. 99, 239, 241);
    ders., Der Medailleur, Holzschneider u. Kupferstecher Frantz Friderich …, in: Gutenberg-Jb., 1956;
    W. Boetticher, in: MGG III, Sp. 1190-92 (auch f. S Andreas u. E Joh.);
    W. Maushake, Frankfurt/O. als Druckerstadt, 1936;
    eigene Archivstudien.

  • Portraits

    2 Porträtmedaillen v. Frantz Friderich (München, Staatl. Münzslg.), Abb. b. G. Habich, Die dt. Schaumünzen d. XVI. Jh., 1929-34, Tafel 234.

  • Autor/in

    Heinrich Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Heinrich, "Eichorn, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 384 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119661411.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eichorn: Johannes E., auch Eichhorn, Buchdrucker in Frankfurt a d. O. Er wurde um das J. 1545 von dem Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg aus dem Nürnbergischen dorthin berufen, um als Universitätsbuchdrucker zu dienen. Es wurde ihm und seinen Nachkommen das ehemalige Franciscanerkloster zum Betriebe seiner Druckerei angewiesen, wo er bestimmt von 1559—1573 druckte. Im J. 1581 und 1616 finden sich ebenfalls Buchdrucker gleichen Namens in Frankfurt an der Oder, ob aber diese seine Söhne oder sonstige Verwandte waren, läßt sich nicht mit aller Bestimmtheit nachweisen, ebenso wenig in welchem Verhältniß zu ihm der dortige Buchdrucker Andreas Eichhorn, welcher von 1581—1599 druckte, stand. Doch kann als sicher angenommen werden, daß dessen Söhne Friedrich und Salomon und des letztern Wittwe, welche der Buchdrucker Christoph Zeidler heirathete, bis 1700 fortdruckten. Johannes E. muß ein sehr wohlhabender Mann gewesen sein, doch ist über sein Leben nichts Näheres bekannt geworden. Unter dem J. 1567 erhielt er von dem Kurfürsten Joachim II. von Brandenburg ein Privilegium für den Druck der „Augsburgischen Confession“ und des „Christlichen Concordienbuchs“ für die ganze Kurmark Brandenburg.

    • Literatur

      Vergl. Geßner, Buchdruckerkunst, Bd. II. S. 43 ff., III. S. 125. Beckmann, Chronik, S. 66 ff. Beckmann, Notit. Univers. p. 38 sq. Friedländer, Märkische Forschungen II. S. 228 ff.

  • Autor/in

    Kelchner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kelchner, Ernst, "Eichorn, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 481 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119661411.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA