• Genealogie

    Aus alter Bauernfam., d. seit Anfang 17. Jh. auf demselben Hof in M. saß;
    V Johann (1835–1925), Bauer, S d. Bauern Joachim u. d. Anna Maria Wegener;
    M Maria Vieth aus M.;
    1905 Luise (1879–1942), T d. Sanitätsrats Dr. med. August Wesenberg in Plau u. d. Johanna Wanckel;
    4 K, u. a. Hans Georg (1911–65), Landwirt.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Realschule in Wismar und einer Landwirtschaftslehre kehrte L. 1897 auf den väterlichen Hof zurück, um dort die Wirtschaft zu führen. Er intensivierte den nach seiner Heirat übernommenen Betrieb erfolgreich durch Haltung besserer Viehrassen, Düngung und Aussaat ergiebiger Getreidesorten. Er trat dem neugegründeten „Meckl. Saatbauverein“ und der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft bei, ließ seine Felder von diesen Gremien beurteilen und die Ernteerträge als Saatgut anerkennen. Durch die Literatur und den Besuch mitteldeutscher Zuchtstätten wurde L. auf die erfolgreiche Zuchtarbeit aufmerksam, die Männer wie F. v. Lochow (Petkus) und M. Rabbethge (Klein-Wanzleben) bei der Ertragssteigerung von Getreide und Hackfrüchten schon erreicht hatten, und wandte sich den noch unbearbeiteten Ölfrüchten und Futterpflanzen zu. Der harte Winter 1911/12 hatte Raps und Rübsen, Rotklee und Futtergräser weitgehend auswintern lassen. Die wenigen überlebenden Pflanzen bildeten den Grundstock für L.s Zucht winterharter Ölfrüchte und Futterpflanzen, deren volkswirtschaftliche Bedeutung während des 1. Weltkriegs offenbar wurde, als die Blockade jegliche Einfuhr von Lebens- und Futtermitteln unterband. Der Raps- und Rübsenbau erhielt enormen Auftrieb, da er die höchsten Fetterträge pro Flächeneinheit erbrachte. L. wurde als Sachverständiger im „Kriegsausschuß für Öle und Fette“ im Ernährungsministerium in Berlin benannt und in den Vorstand der „Gesellschaft zur Förderung deutscher Pflanzenzüchtung“ gewählt. In den 20er und 30er Jahren erweiterte L. sein Zuchtsortiment durch die Bearbeitung von Weizen, Hafer und Kartoffeln, wobei besonders die Spätkartoffelsorte „Capella“ lange führend im Ertrag war. Er vergrößerte seine Zuchtflächen durch Ankauf und Zupachtung von benachbarten Höfen, erlitt freilich auch empfindliche Rückschläge durch mehrere Brände und durch die Absatzstokkung der Weltwirtschaftskrise. Während des 2. Weltkriegs gewannen seine Öl- und Futterpflanzenzüchtungen wieder große Bedeutung für die Versorgung der Bevölkerung. Nach dem Zusammenbruch 1945 wurde sein Hof enteignet, indessen blieb ihm seine Lebensaufgabe erhalten, da er die Zuchtleitung auf dem „Saatzuchthauptgut Malchow“ noch jahrelang behielt. 1947 berief ihn die Landwirtschaftliche Fakultät der Univ. Rostock zum Professor für Pflanzenzüchtung (Emeritus 1958).

    L. gehört zu der älteren Generation deutscher Pflanzenzüchter, die als Autodidakten, ausgehend von der Praxis, durch Auslese und Kreuzung überaus wertvolle Zuchtsorten aus den heimischen Landsorten schufen. Seine züchterische Arbeit wurde in der Bundesrepublik fortgeführt durch seinen Sohn Hans Georg, der 1946 in Kiel die Firma „Norddeutsche Pflanzenzucht GmbH“ gründete und den L.schen Züchtungen auf dem Resthof Hohenlieth b. Eckernförde eine neue Heimstätte gab. Anfangs konnte er nur eine Erhaltungszucht betreiben. Seit 1959 führte B. Leitzke als wissenschaftlich ausgebildeter Pflanzenzüchter die Zuchtleitung fort und entwickelte die L.schen Futterpflanzenarten weiter, darunter 1973 einen erucasäurefreien Raps. Dieser liefert wohlschmeckendes Rapsöl und verbessert entscheidend den deutschen Ölfruchtanbau.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Dt. Ak. f. Landwirtsch.wiss. in Berlin; Dr. phil. h. c. (Rostock 1925); Dr. agr. h. c. (Halle 1957); Liebigpreis (Univ. Kiel); Nat.preis d. DDR (1951).

  • Werke

    Ergebnisse neunj. Futterpflanzenzüchtung, in: Btrr. z. Pflanzenzucht, H. 6, 1923;
    Waldbau u. Pflanzenzüchtung, ebd., H. 8, 1925;
    zahlr. Aufsätze u. Flugschrr. üb. d. Ölfrucht- u. d. Grassamenanbau.

  • Literatur

    Die dt. Landwirtsch. unter Kaiser Wilhelm II., 1913;
    Stolze, Spitzenleistungen u. Betriebsumfang in d. dt. Landwirtsch., in: Zs. f. Agrarpol. u. Landwirtsch., 95. Sonderh., 1934;
    G. Schröder-Lembke, Malchow auf Poel, Gesch. e. Hofes, 1957, 21978;
    B. Leitzke, Zum 100. Geb.tag V. H. L.-Malchow, in: Zs. f. Agrargesch. u. Agrarsoziol. 1, 1977, S. 77 ff.;
    Wi. 1958.

  • Portraits

    Phot. in: Univ. Rostock, Vorlesungsverz. Frühjahrssemester 1951/52.

  • Autor/in

    Gertrud Schröder-Lembke
  • Empfohlene Zitierweise

    Schröder-Lembke, Gertrud, "Lembke, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 185 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119512556.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA