Lebensdaten
1254 bis 1312
Beruf/Funktion
Erzbischof von Salzburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119444453 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Praitenfurt, Konrad IV. von
  • Konrad IV.
  • Fohnsdorf-Praitenfurt, Konrad IV. von
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Konrad IV. von Fohnsdorf-Praitenfurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119444453.html [22.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    K. stammte aus d. bedeutenden salzburg-steir. Ministerialiengeschl. v. F., nannte sich aber nach e. abgekommenen Herrenhof im Ortsgebiet v. St. Georgen ob Judenburg (Steiermark) auch „v. Praitenfurt“.

  • Leben

    Seit 1281 gehörte K. als Domherr und Scholasticus dem Salzburger Kapitel an, 1285 wurde er zum Bischof von Lavant ernannt. Nach dem Tode EB Rudolfs verweigerte Papst Nikolaus IV. dem vom Salzburger Kapitel postulierten bayerischen Herzogssohn Stephan die Anerkennung und providierte statt dessen im Januar 1291 K. zum Erzbischof von Salzburg. Nachdem er in Rom Weihe und Pallium empfangen hatte, konnte K. gegen den Widerstand des Domkapitels, der Ministerialen und der Bürger, die sich mit Herzog Otto von Niederbayern verbündet hatten, erst im September 1291 in seiner Metropole einziehen. Während er noch im selben Jahr mit Herzog Otto Frieden schloß, verschärfte sich der Gegensatz zu Albrecht I. von Habsburg immer mehr. Am 1.1.1292 vereinigte sich K. mit dem aufständischen Adel der Steiermark und Kärntens zum Deutschlandsberger Bund, dem später auch der Bayernherzog Otto beitrat, und schloß nach wechselvollen Kämpfen, in deren Verlauf er den Kärntner Herzogssohn Ludwig gefangengenommen hatte, erst im Mai 1293 mit Albrecht I. den Frieden von Linz. 1295 weilte K. bei König Adolf von Nassau, von dem er Unterstützung gegen Albrecht I. erhoffte und bedeutende Vergünstigungen erhielt. Wegen des Salzwerkes, das Albrecht I. im Gosautal errichtet hatte, eröffnete K. auf das falsche Gerüchte vom Tode des Habsburgers im November 1295 mit bayerischer Hilfe erneut den Krieg gegen Österreich. Erst am 24.9.1297 kam es in Wien zum Abschluß eines dauerhaften Friedens und Bündnisses. Nach der endgültigen Wahl Albrechts I. zum König empfing K. im November 1298 in Nürnberg die Regalien. Bereits 1301 sandte er dem König ein Salzburger Kontingent für den Krieg am Rhein, nahm an Albrechts Feldzügen gegen Böhmen 1304 und 1306 persönlich teil und kämpfte als Verbündeter des Königs 1307 erfolgreich gegen Kärnten. Nach dem Tode Albrechts I. ließ sich K. auf Seiten der Habsburger in einen Krieg mit den Herzögen Otto und Stephan von Niederbayern ein, der erst am 2.2.1311 in Salzburg durch einen Vertrag beigelegt wurde. – Durch seinen Parteiwechsel von Bayern zu den Habsburgern hat K. die Außenpolitik des Erzstiftes für die Zukunft festgelegt. In der Innenpolitik gelang es dem prunkliebenden K. trotz der zeitweise erhöhten Salz- und Straßenmauten nicht, die Finanzen des Erzstiftes zu sanieren. Einen bedeutenden Erfolg stellte jedoch der endgültige Erwerb des Gasteinertales dar, der letzten großen Enklave innerhalb des geschlossenen erzstiftischen Territoriums, das K. 1297 um 600 Mark Silber von Bayern kaufte.

  • Literatur

    ADB 16;
    F. Martin, Die Regg. d. Erzbischöfe u. d. Domkap. v. Salzburg II, 1931;
    Ottokars Österr. Reimchronik, hrsg. v. J. Seemüller, MG Dt. Chron. V, 2 T., 1893, 21974;
    A. Dopsch, Ein Antihabsburg. Fürstenbund im J. 1292, in: MIÖG 22, 1901, S. 600-38;
    H. Widmann, Gesch. Salzburgs II, 1909, S. 63-84;
    A. Lhotsky, Gesch. Österreichs seit d. Mitte d. 13. Jh. (1281–1358), 1967;
    W. Brunner, Praitenfurt, in: Bll. f. Heimatkde. Graz, 48, 1974, S. 41-51;
    H. Wagner, Das SpätMA, in: Gesch. Salzburgs, Stadt u. Land I, hrsg. v. H. Dopsch, 1978.

  • Autor/in

    Heinz Dopsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Dopsch, Heinz, "Konrad IV. von Fohnsdorf-Praitenfurt" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 525 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119444453.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Konrad IV. von Praitenfurt, Erzbischof von Salzburg 1291—1312 ( am 28. März). Nach dem Tode Erzbischof Rudolfs (1291) traten als Bewerber um das genannte Hochstift Herzog Stephan von Niederbaiern, Sohn Ottos und Abt Heinrich von Admont, der einflußreiche Günstling und Berather Herzog Albrechts von Oesterreich, auf. Für den wittelsbachischen Candidaten arbeitete eine starke Partei, aber der Papst verwarf ihn und griff aus den Abgeordneten des Salzburger Capitels K. als Nachfolger Rudolfs heraus, denominirte ihn und ertheilte ihm schon am 26. Januar 1291 die Bestätigung. — Der neue Erzbischof hatte beim Antritte feiner Würde keine geringen Schwierigkeiten zu bestehen, denn die Bürger von Salzburg, als gewesene Anhänger des Wittelsbachers, schmollten und benahmen sich so widerspenstig, daß K., um der Stadt besser den Herrn zu zeigen, ein Castell am rechten Salza-Ufer errichten ließ. Bald sah er sich auch in jene Zerwürfnisse mit dem Abte von Admont, dem gekränkten Candidaten des Erzbisthums, und dem Habsburger Albrecht I. verflochten, die schon sein Vorgänger, Rudolf, ausgekostet hatte und welche theils in dem schiefen Verhältnisse zwischen Salzburg und der Abtei Admont, theils in Grenz- und Mauthstreitigkeiten, theils im Salzmonopole wurzelten. Als 1291—92 im Winter die Empörung der steirischen Herren gegen ihren Herzog|Albrecht I. und dessen Günstling, Abt Heinrich von Admont als Landesverweser losbrach, waren Erzbischof K. und Herzog Otto von Niederbaiern Verbündete der Steiermärker, die zu Mauterndorf den Kirchenfürsten zur Waffengemeinschaft gewannen. Aber nur zu bald traten die salzburgischen und baierischen Schaaren den Rückzug vor dem Waffenglücke Albrechts I. an (Februar 1292), und Erzbischof K. erlebte die furchtbare Verheerung seiner kärntnischen Hauptherrschaft Friesach durch die Krieger des Habsburgers, der mit Kraft und Klugheit den Aufstand der Steiermärker rasch zu dämpfen verstand. — Die Feindseligkeit zwischen beiden Theilen wuchs, da K. am 5. December 1292 von dem neuen deutschen Könige, Adolf von Nassau, zu Hagenau mit den Regalien belehnt, auf dessen Gunst pochte, und sie zog größere Kreise, weil der Erzbischof auch mit dem Schwiegervater des Habsburgers, Herzog Meinhard II. von Tirolund Kärnten in Fehde lag und den Sohn des letzteren, Ludwig, als Gefangenen auf die Burg Werfen bringen ließ. — Der Welser Friedensvergleich vom März 1293 zwischen Erzbischof K. und den genannten Herzogen war ebenso wie die Linzer Taidung vom 24. Mai nur eine kurze Unterbrechung der Feindseligkeiten mit dem Habsburger. Denn als 1295 der Aufruhr der niederösterreichischen Adelsherren sich regte, war Erzbischof K. ihr Verbündeter und wurde durch die falsche Nachricht vom Tode Albrechts I. verleitet, die ihm verhaßten Salzpfannen des Herzogs in der Gosau bei Hallstadt zerstören, die Arbeiter tödten und verjagen zu lassen. Aber der wiedeigenesene Habsburger ließ nicht lange auf seine Rache warten und ängstigte den Erzbischof durch die Belagerung von Radstadt nicht wenig (Juli 1296). Endlich machte der Friede vom 24. Sept. 1296 der langen Fehde ein Ende und regelte das Nachbarverhältniß Beider. Fortan sehen wir den Kirchenfürsten und den Habsburgischen Herzog, dann König auf freundschaftlichem Fuße; so in dem Thronkriege von 1298 und bei den Ereignissen der Jahre 1301. 1304. 1305. Das Bundesverhältniß wird immer enger und behauptet sich auch nach dem Tode König Albrechts I, unter dessen Söhnen, so namentlich in deren Kampfe mit Baiern 1309—11. Erzbischof K., in dessen Tagen auch der Streit um Berchtesgaden eine seiner ersten Phasen durchmacht und eine wichtige Salzburger Provinzialsynode (1310) abgehalten wurde, war in Gütererwerbungen einig. So brachte er Löschenthal, Lavagemünde und vor allem die erzreiche „Grafschaft“ Gastein (Gastaun) von den baierischen Herzogen um 43000 fl. an das Hochstist, das sich seit 1241 bereits in deren Pfandbesitze befunden hatte.

    • Literatur

      Zauner, Chronik von Salzburg, III. A. Pichler, Salzb. Landesgesch. Vgl. die Litteratur zur Gesch. Albrechts I. von Oesterreich und insbesondere die Werke von Kurz, Lichnowsky, Kopp (G. d. eidgen. Bünde), Lorenz, D. G. II.

  • Autor/in

    Krones.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von, "Konrad IV. von Fohnsdorf-Praitenfurt" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 617-618 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119444453.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA