Lebensdaten
geboren Ende 13. Jahrhundert
Geburtsort
Herford
Sterbeort
Minden
Beruf/Funktion
Dominikaner ; Chronist ; Theologe ; Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119265850 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich
  • Heinrich von Hervord
  • Henricus de Hervordia
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Heinrich von Herford, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119265850.html [21.04.2019].

CC0

  • Leben

    H., der, seiner Liebe zur Geburtsstadt nach zu urteilen, die Jugendjahre in Herford verbracht hat, ist bald in das Dominikanerkloster Minden eingetreten, das in Herford eine Terminei besaß. Von seinem Leben ist nicht viel bekannt. 1340 weilte er längere Zeit in Mailand und nahm an dem damals tagenden Generalkonzil seines Ordens als Vertreter der sächsischen Provinz teil. Seine umfassende schriftstellerische Tätigkeit hat ihm schon zu Lebzeiten großes Ansehen verschafft. Beim Besuch Karls IV. in Minden 1377 wurden auf dessen Befehl seine Gebeine in einem neuen Grab vor dem Hochaltar der Dominikanerkirche beigesetzt.

    H. hat in seiner Catena aurea selbst einen Katalog seiner Schriften gegeben, der neben Werken theologischer und historischer Art solche über Sprichwörter, Metrik und Redekunst aufführt. Nur zwei Werke sind erhalten: Der „Liber de rebus et temporibus memorabilibus sive Chronicon“ (1859, herausgegeben von A. Potthast) ist eine geschickte Kompilation aus einer Unmenge von Quellen. H. hat gut beobachtet und mit beachtenswertem Spürsinn seine Exzerpte ausgewählt und untereinander verbunden und so eine reiche und geschätzte Weltchronik geschaffen. Ihr heutiger Wert liegt hauptsächlich in der Wiedergabe verlorener Quellen und in der Darstellung der jüngsten Zeit (1320–55), von der er als Zeitgenosse berichtet. Die „Catena aurea encium vel problematum series“ (Rom, Vatikanische Bibliothek, Codex lat. 4310 enthält den 1. Teil, Codex lat. 3025 den 2. Teil; beide Handschriften sind von der gleichen Hand geschrieben) ist eine Zusammenstellung philosophischer, naturwissenschaftlicher und theologischer Fragen und Antworten, gleichfalls eine Kompilation aus den damals bekannten Werken; ob darunter heute verschollene Schriften sind, muß noch untersucht werden.

  • Literatur

    ADB XIII, S. 493;
    J. Quétif u. J. Echard, Scriptores ord. Praedicatorum I, 2Paris 1719, S. 665 f.;
    Forsch. z. dt. Gesch. 18, 1878, S. 169 f., 499-514;
    Potthast, S. 579;
    F. Diekamp, Über d. Schriftsteller. Tätigkeit d. Dominikaners H. v. H., in: Westfäl. Zs. 57, 1899, S. 90-103 (W);
    U. Chevalier, Rép. des sources historiques du moyen-âge I, Bio-Bibliogr., 2Paris 1905, S. 2084;
    Enc. Catt. V (L);
    Vf.-Lex. d. MA V.

  • Autor/in

    Klemens Honselmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Honselmann, Klemens, "Heinrich von Herford" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 411 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119265850.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich*)Zu Bd. XI S. 637.v. Hervord, gelehrter Theologe und Geschichtschreiber. Zu Hervord in Westfalen, vermuthlich nicht lange nach dem Anfange des 14. Jahrhunderts, geboren, trat er zu Minden in den Predigerorden, wohnte 1340 einem Generalcapitel seines Ordens in Mailand bei und starb am 9. October 1370 zu Minden, wo er aller Wahrscheinlichkeit nach den größeren Theil seines Lebens zugebracht hat. Das ist Alles, was wir sicheres über seine äußeren Schicksale wissen. Man darf aber annehmen, daß er innerhalb seines Ordens und in dem von ihm gewählten Berufe sich vielfach nützlich gemacht hat und seine Gaben die entsprechende Verwendung gefunden haben, wenn uns auch Specielles nicht ausdrücklich überliefert ist. H. war ohne Zweifel bald nach seinem Tode schon ein berühmter Mann: es geht das aus der Thatsache hervor, daß Kaiser Karl IV. sieben Jahre später ihm eine ehrenvollere Begräbnißstätte, als ihm ursprünglich geworden war, bewirkte und eine glänzende Leichenfeier veranstaltete, der eine Reihe der vornehmsten Personen geistlichen und weltlichen Standes, zumal Niedersachsens, beiwohnten. Diese Berühmtheit Heinrich's beruhte auf seinen Schriften, von welchen seine Chronik heutzutage am geschätztesten ist, aber damals ohne Zweifel seine Tractate theologischer und philosophischer Art höher gestellt worden sind, da sie so ganz den litterarischen Ueberlieferungen seines Ordens und dem Geschmacke der Zeit entsprachen. Den ersten Rang unter den letzteren scheint die Abhandlung „De catena aurea“ eingenommen zu haben. Heinrich's Chronik, die erst im J. 1859 von Potthast, mit großer Sorgfalt bearbeitet, herausgegeben worden ist, trägt einen überwiegend compilatorischen Charakter und bewegt sich in dem Rahmen der beliebten sechs Weltalter. Sie bricht, jedoch mit Ueberlegung, mit 1395, dem Jahre der Kaiserkrönung Karl IV., ab. Selbständigen Werth erhält das Werk erst mit dem 13. und 14. Jahrhundert, aber auch diese Anerkennung kann nur mit Vorbehalt ausgesprochen weiden, da der Verfasser gerade in diesem Theile ein paar verloren gegangene ältere Chroniken mit benutzt hat. Uebrigens gehörte H. sicher zu den gelehrteren Männern seiner Zeit und muß ihm eine nicht geringe Kenntniß der Litteratur der alten wie der mittleren Zeit, der geistlichen wie der Profanschriftsteller nachgerühmt werden. Es ist immerhin schon nichts gewöhnliches, daß er den weltlichen wie den geistlichen Dingen ein fast gleiches Interesse zugewendet hat. Seiner werkthätigen Theilnahme auch an den ersteren hat er es zu verdanken, daß sein Andenken in neuester Zeit mit Erfolg wieder aufgefrischt worden ist.

    • Literatur

      Vgl. die Ausgabe der Chronik Heinrich's von August Potthast (Liber de rebus memorabilibus sive chronicon Henrici de Herfordia), Göttingen 1859, und Ottokar Lorenz im zweiten Bande seiner Geschichtsquellen Deutschlands im Mittelalter seit der Mitte des 13. Jahrhunderts, S. 64—66.

  • Autor/in

    Wegele.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wegele, Franz Xaver von, "Heinrich von Herford" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 493 unter Heinrich von Hervord [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119265850.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA