Lebensdaten
1776 bis 1848
Geburtsort
Gersdorf (Erzgebirge)
Sterbeort
Gotha
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119209136 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bretschneider, Karl Gottlieb
  • Bretschneider, Carl G.
  • Bretschneider, Carl Gottlieb
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Zitierweise

Bretschneider, Karl Gottlieb, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119209136.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Gottlieb, Magister, Oberpfarrer in Lichtenstein, S des Gottlieb, Besitzer eines Freiguts in Callenberg bei Lichtenstein, und der Elise Pomper;
    M Joh. Christine, T des Johann Gottfried Küttner, Pfarrer in Pleiße, und der (?) Reichel (aus bekannter sächsischer Pfarrerfamilie);
    1) 1807 Charlotte Hauschild aus Altenburg, 2) 1834 Henriette Hauschild aus Altenburg;
    3 S, u. a. Carl Anton (1808–78), Mathematikhistoriker, der in seiner „Geometrie und der Geometer vor Eukleides“ die 1. erschöpfende und noch heute brauchbare Zusammenstellung aller Stellen geometrischen Inhalts mit vorzüglich mathematischer und entwicklungsgeschichtlicher Deutung gab; 2 T.

  • Leben

    Mit 13 Jahren verlor B. seine Eltern und wurde von einem Onkel erzogen. Nach Beendigung seines Theologie-Studiums in Leipzig nahm er 1797 eine Hauslehrerstelle bei Baron v. Kotzau in Oberwiera an und kam in dieser Eigenschaft 1802 noch einmal nach Leipzig. B. promovierte 1804 in Wittenberg und habilitierte sich dort auch. Infolge der unruhigen Kriegszeiten zog er eine kirchliche Laufbahn der akademischen vor und lehnte auch den 1809 an ihn ergehenden Ruf nach Königsberg ab. Nach kurzem Dienst in Schneeberg und Annaberg kam er 1816 als Generalsuperintendent nach Gotha, wo er bis zu seinem Tode blieb. Er gehörte einer Freimaurerloge an. - B. war ein vielseitiger und schreibfreudiger Theologe. Sein dogmatischer Standpunkt ist der des sog. rationalen Supranaturalismus (Annahme einer von außen kommenden Unterweisung der menschlichen Vernunft). Außer mit Dogmatik beschäftigte er sich mit biblischer Philologie (Studien zu den Apokryphen des Alten Testaments, Lexikon zum Neuen Testament) und Kritik (Zweifel an der Echtheit der johanneischen Schriften). Kirchenpolitisch nahm er einen unionsfreundlichen Standpunkt ein und bekämpfte den Zwang zur Bekenntnisverpflichtung. Bis heute ist sein größtes Verdienst die Herausgabe der Werke Melanchthons in dem von ihm inaugurierten Corpus Reformatorum.

    W u. a. Dogmatik: Systemat. Entwicklung aller in d. Dogmatik vorkommenden Begriffe, 1804, 41841; Hdb. d. Dogmatik d. ev.-luth. Kirche, 1814, 41838; Die religiöse Glaubenslehre nach d. Vernunft u. d. Offenbarung, 1843; Bibelwiss.: Systemat. Darst. d. Dogmatik u. Moral d. apocryphen Schrr. d. AT I. 1805; Probabilia de evangelii et epistolarum Joannis apostoli indole et origine, 1820; Lex. manuale Graeco-Latinum in lihros NT. 1824; Zeitfragen: Aphorismen üb. d. Union d. beiden ev. Kirchen in Dtld.. 1819; Üb. d. Unkirchlichkeit dieser Zeit im prot. Dtld., 1820; Sendschr. an einen Staatsmann üb. d. Frage: ob ev. Regierungen gegen d. Rationalismus einzuschreiten haben?, 1830; Die Grundlage d. ev. Pietismus, 1833; Für die Dt.-Katholiken, 1845; Hrsg.: Ph. Melanchthonis opera quae supersunt omnia. Vol. I-XXVIII, 1834–48; Joannis Calvini, Th. Bezae, Henrici IV. regis … litterae quaedam nondum editae, 1835; religiöse Romane: Heinrich u. Antonio od. d. Proselyten d. röm. u. ev. Kirche, 1826, 51843 (auch in engl. u. franz. Übers.); Der Frhr. v. Sandau od. d. gemischte Ehe, 1839; Clementine od. d. Frommen u. Abergläubischen unserer Tage, 1841; Aus meinem Leben, hrsg. v. Horst B., 1851 (W, P).

  • Literatur

    ADB III;
    E. F. Wüstemann, Car. Theoph. Bretschneideri memoria, 1848;
    Goedeke X, 1913, S. 133-35 (W, L);
    Frels;
    PRE;
    RGG;
    Enc. Catt. III. - Zu Carl Anton: K. A. Regel, Gedächtnisrede auf K. A. B., 1879;
    A. Bretschneider, in: Zs. f. Math. u. Physik 24, 1879, hist.-Lit. Abt., S. 73-91 (W);
    Pogg. I, III (W).

  • Portraits

    Kupf. v. F. Müller (Gotha);
    Stahlstich in: Andachtsbuch, hrsg. v. B., Halle.

  • Autor/in

    Heinz Horst Schrey
  • Empfohlene Zitierweise

    Schrey, Heinz-Horst, "Bretschneider, Karl Gottlieb" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 603 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119209136.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bretschneider: Karl Gottlieb B., Generalsuperintendent in Gotha, geb. 1776 in Gersdorf, 1848, vertrat in der Theologie eine Mittelrichtung, genannt rationaler Supernaturalismus, wiefern er eine von Außen kommende Hülfe und Unterweisung der menschlichen Vernunft in religiösen Dingen für wünschenswerth hielt, obschon er ihre Nothwendigkeit sich nicht zu erweisen getraute. Er ist bekannt als Dogmatiker ("Handbuch der Dogmatik". 1814 u. ö. „Systematische Entwicklung aller in der Dogmatik vorkommenden Begriffe“. 1805 u. ö.), als Herausgeber der Werke Melanchthon's (im „Corpus Reformatorum“. Halle 1834 ff.), als neutestamentlicher Lexikograph („Lexicon manuale in libros N.T.“|1824 u. ö.), und Kritiker ("Probabilia de evangelii Joannis origine“. 1820), als solcher „Johannisschänder“ genannt, und durch eine Reihe Flugschriften gegen ihm widerstrebende (pietistische, orthodoxistische und ultramontane) Zeiterscheinungen.

  • Autor/in

    Frank.
  • Empfohlene Zitierweise

    Frank, "Bretschneider, Karl Gottlieb" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 319-320 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119209136.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA