Lebensdaten
um 1465 oder 1470 bis 1540
Geburtsort
Weiler Hof bei Inzing (westlich Innsbruck)
Sterbeort
Innsbruck
Beruf/Funktion
Maler ; Baumeister
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 11912761X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kölderer, Jörg

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Zitierweise

Kölderer, Jörg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11912761X.html [14.11.2018].

CC0

  • Leben

    K. signiert erstmals 1490 an einer Statue der heiligen Katharina (Museum für angewandte Kunst, Wien) JORG KOLDRAR VO IM HOF, vermutlich als Faßmaler. 1497 erhält er für Hofarbeiten in Innsbruck erstmals 100 Gulden, 1498 wird er von König Maximilian I. für eine Hofmalerstelle vorgesehen, erhält das Bürgerrecht in Innsbruck und malt das Stüblein im Frauengemach der Hofburg aus. 1499 folgt – ebenfalls in der Hofburg – die 1766 vernichtete große Wappenwand des Saggenturmes mit 57 Wappen der Länder des Königs, dem Porträt des Malers und der Künstler-Inschrift (Kopien im Tiroler Landesmuseum, Innsbruck). 1500 entstehen die Fresken am Goldenen Dachl (2 Bannerträger und eine fastnachtartige Gerichtsszene) und die ersten 3 Miniaturen im Tiroler Jagdbuch (Bibliothek Royale, Brüssel). 1501 wird K. Hofmaler „für alles Gemäl, so nit gar kostlich ist“ und malt Jagddarstellungen auf Leinwand. 1502 entsteht das Mirakelbild (Wunder der Bluthostie) in der Pfarrkirche Seefeld, 1503 renoviert er die um 1400 entstandenen ritterlichen Fresken in Schloß Runkelstein, 1505 arbeitet er für 279 Gulden in der Innsbrucker Hofburg und in Schloß Fragenstein bei Zirl. 1507 erfolgt K.s uneingeschränkte Bestallung zum Hofmaler des Königs, was mit vielen neuen Aufträgen verbunden ist: Visierungen zu Befestigungsanlagen in Süd- und Osttirol, Pläne zu den Bauten am Harnischhaus der Hofburg in Innsbruck, der Burg in Kufstein und von Befestigungen an den Südgrenzen Tirols. Außerdem entwirft er 7 Zeichnungen für den geplanten Triumphzug Maximilians, darunter die „Kalikutermändl“ – frühe Versuche, Indianer darzustellen –, die Wappen aller Länder Maximilians, Heilige an den Wänden der alten Hofburgkapelle, Siegel, Visierungen für den Dekor der neuen großen Kanonen, die Fassung von Hirsch-, Steinbock-, und Gemsgehörnen mit Schild und Kranz und die Malereien um diese Gehörne im Wappenhaus mit grünen Blumen, Vögeln und kleinen Jägern. 1510 malt K. die Wandbilder der Paradeisstube in der Hofburg mit Adam und Eva, Tieren und Vögeln. 1512 schickt er die fertigen Entwürfe für die Ehrenpforte dem Kaiser. 1514/15 zeichnet er die Entwürfe für die von Stefan Godl zu gießenden Statuetten der Heiligen der habsburgischen Verwandtschaft, die bis 1520 gegossen werden. 1518 wird K. zusätzlich zum Hofbaumeister mit einem Sold von 150 Gulden bestellt, um aller Malerei und Bautätigkeit zu obliegen und sie zu beaufsichtigen. Er ist der erste Leiter der Baubehörde in Tirol. Von dieser Tätigkeit kennen wir seine Gutachten und Pläne für das Kloster Seefeld, die Burgen Tirol, Landeck, Schenna, Pergine, Cagnó (die Visierung erhalten) und die Churburg. Besichtigung und Beaufsichtigung der Straßenbauten, Planung und Aufsicht über den großen Umbau der Hofburg in Innsbruck durch Meister Lucius de Spaciis (1536/38) und andere mehr gehören zu seinen Aufgaben. Seit 1518 kontrolliert er auch den Fortschritt der Arbeiten an den Bronzestatuen des Grabmals Maximilians und liefert mehrere Visiere von Statuen für die Modellierer und Gießer. Er ist der erste Malerkartograph in Tirol und zeichnet Grenzgebiete und einen Plan von Mühlau (1534), der mit der Meßkette geschaffen wurde. Seit 1520 beschäftigt ihn das Baumeisteramt so sehr, daß er nur noch gelegentlich als Maler für Miniaturen tätig ist. 1528 reist er nach Wien und Wiener Neustadt, um Pläne für eine Aufstellung des Kaisergrabes in dortigen Kirchen aufzunehmen. Seit 1530 übt er auch noch das Amt des Hofschaffers in Innsbruck aus.

    K. läßt sich als Maler aus den erhaltenen Werken gut beurteilen. Er ist der Mann, der die Ideen Maximilians I. in erste Entwürfe umsetzt und sich ganz auf seinen Herrn einzustellen weiß. Er gehört nicht mehr der spätgotischen Tradition an, sondern steht im Dienst einer fürstlichen Zweckkunst, die sich an der Realität ausrichtet. Man könnte ihn als Naturalisten bezeichnen, der die Natur, die Menschen bei ihrer Tätigkeit und die Gegenstände möglichst getreu abzubilden versucht. Es ist nicht so sehr die Qualität als die Vorurteilslosigkeit gegenüber allen Themen, die sein Werk bestimmt. Naiv und unproblematisch entstehen so stimmungsvolle Berglandschaften, realistische Jagdszenen oder mit großer Sachlichkeit wiedergegebene Kriegsgeräte. Die Perspektive aber bleibt K. weitgehend fremd. Wenn sich auch seine frühere Bezeichnung als Vorläufer der Donauschule nicht halten läßt, weil die 60 auf Pergament gemalten Blätter des Triumphzuges Kaiser Maximilians (Albertina, Wien) sicher von Albrecht Altdorfer und nicht von ihm stammen, so lieferte er doch die gezeichneten, rein naturalistischen Vorlagen dazu, auch für die spätere Holzschnittserie dieses Ehrenwerkes. Die Vorlagen für die Ehrenpforte stammen ebenfalls von ihm. Dies beweist in der 1517/18 erschienenen endgültigen Holzschnittfolge das Wappen K.s zwischen denen des Ideenträgers Johannes Stabius und des Schlußredakteurs Albrecht Dürer. Auch die wenigen erhaltenen Fresken und das Tafelbild in Seefeld sind vor allem|von der naturgetreuen Darstellung und einem hellen, bunten Kolorit bestimmt. K.s Kunst ist am besten als „maximilianisch“ im Übergang von der Spätgotik zur Renaissance und als frühes Zeugnis einer von weltlichen Themen bestimmten Malerei zu werten.

  • Werke

    Weitere W (erhalten) Statuen d. hll. Katharina u. Barbara (?) mit d. Signatur K.s als Faßmaler, 1490 (Wien, Österr. Mus. f. angew. Kunst);
    6 Miniaturen im Tiroler Fischereibuch, 1504 (Wien, Nat.bibl.);
    Die Zeugbücher Maximilians I., um 1507 (signiert J K, ebd., Cod. 10.815, 10.816, 10.824, u. München, Staatsbibl., Cod. icon. 222);
    Buch d. Befestigungen in Südtirol mit 23 Miniaturen, 1509 (Wien, Nat.bibl., Cod. 2858);
    Die Zeugbücher Kaiser Maximilians I., um 1512 (Wien, Kunsthist. Mus., Cod. P 5074);
    Die Hll. d. Sipp-, Mag- u. Schwägerschaft d. Hauses Habsburg, um 1515 (Wien, Nat.bibl., Cod. 2627, 2957, 4711);
    Die Statuen d. Grabmals Kaiser Maximilians I., um 1522/23 (Schloß Ambras b. Innsbruck, Cod. 5333, 8329, u. Wien, Nat.bibl.);
    Zeichnung u. Grundriß d. Burg Cagnó b. Trient, 1526 (Innsbruck, Tiroler Landesmus., W 10.776);
    Plan f. Mühlau, 1534 (ebd., Tiroler Landesarchiv, Planslg. 2873).

  • Literatur

    S. Laschitzer, Die Hll. aus d. Sipp-, Mag- u. Schwägerschaft d. Kaisers Maximilian I., in: Jb. d. kunsthist. Slgg. d. Allerhöchsten Kaiserhauses 5, 1887. S. 134;
    W. Böheim. Die Zeugbücher d. Kaisers Maximilian I, ebd. 13, 1895, S. 101 ff., 15, 1897, S. 295 ff.;
    M. Mayr, Das Jagdbuch Kaiser Maximilians I., 1901;
    K. Fischnaler, J. K. u. d. Ehrenpforte Kaiser Maximilians I., in: Zs. d. Ferdinandeums, 1902, S 1-23;
    ders., das Goldene Dachl, Ausgew. Schrr. I, 1936, S. 12 ff.;
    V. Oberhammer, Die Bronzestandbilder d. Maximilian-Grabmales in d. Hofkirche zu Innsbruck, 1935, S. 211-19;
    ders., Das Goldene Dachl in Innsbruck, 1970;
    O. Trapp, J. K.s Ber. üb. d. Verfall d. Burg Cagnó am Nonsberg, in: Der Schlern, 1961, S. 81;
    F. Unterkircher u. E. Egg, J. K. u. d. Donauschule, 1967. S. 54-57;
    Kat. d. Ausstellung „Maximilian I.“, Innsbruck, 1969;
    F. Unterkircher, Das Tiroler Fischereibuch, Wien o. J.;
    ThB.

  • Autor/in

    Erich Egg
  • Empfohlene Zitierweise

    Egg, Erich, "Kölderer, Jörg" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 315 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11912761X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA