Lebensdaten
um 1571 bis 1655
Geburtsort
Wabern (Hessen)
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Topograph ; Festungsbauingenieur ; Chronist ; Kriegsschriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119100754 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schäffer, Wilhelm
  • Schäfer, Wilhelm
  • Scheffer, Wilhelm
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Zitierweise

Dilich, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119100754.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinr. Scheffer, gen. D. ( 1615), Pfarrer in Wabern;
    um 1600 Anna, T des Michael Stubenrauch, Küchenmeister u. Burggraf zu Sababurg, u. der Anna Seiler;
    S Johannes Wilh. (1600–57), Festungsbauingenieur.

  • Leben

    D. studierte in Wittenberg und Marburg und erwarb sich dort auch die künstlerisch-technischen Grundlagen seiner bald einsetzenden, äußerst fruchtbaren Tätigkeit als Topo- und Historiograph. Als solcher trat er schon in jungen Jahren in die Dienste des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel. In rascher Folge brachte er eine Reihe von hervorragend illustrierten Orts- und Landesbeschreibungen, unter anderem Chroniken von Hessen und Bremen, heraus und verfaßte eine Geschichte der Universität Marburg. Die von ihm gezeichneten und selbst in Kupfer gestochenen Städteansichten dienten später Matthias Meriandem Älteren als Vorlagen. In Begleitung eines hessischen Prinzen besuchte er die Niederlande und erwarb sich dort hervorragende Kenntnisse in der modernen Kriegskunst und dem Festungsbau. Seit etwa 1607 war er daher auch als Ingenieur tätig. Bei Landgraf Moritz in Ungnade gefallen, war er 1621-24 in Haft, konnte dann entweichen und trat in kursächsische Dienste. Von Wittenberg aus überwachte er seitdem das gesamte Festungswesen Sachsens und schuf eine Topographie der meißnischen und kursächsischen Lande. Gemeinsam mit seinem Sohne Johannes Wilhelm entwarf er 1627 den Plan für die bastionäre Befestigung der Reichsstadt Frankfurt/Main, die der Sohn durchführte und die bis 1806 ihrer Aufgabe gewachsen war.

  • Literatur

    ADB V;
    P. E. Richter u. Ch. Krollmann, D.s Federzeichnungen kursächs. u. meißn. Ortschaften, 1907;
    E. E. Stengel, W. D.s Landtafeln hess. Ämter, 1927;
    R. Ebel, in: Archiv f. Frankf. Gesch. u. Kunst, IV. F., 5. Bd., 1942, S. 88 ff. (W). - Zu S Jobs. Wilh.: Bilder z. Frankf. Gesch, bearb. v. F. Lerner, 1950, Nr. 81 u. 83 (P).

  • Autor/in

    Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Dilich, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 718 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119100754.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dilich: Wilhelm Schäffer (Schäfer, Scheffer), genannt D., Chronist und angesehener Kriegsschriftsteller, geb. zu Wabern in Hessen als Sohn des dortigen Predigers, wahrscheinlich zwischen 1570 und 1580, 1655. Seine Studien hat er, wie mit Grund vermuthet wird, am Gymnasium zu Cassel und an der Universität zu Marburg gemacht. Ziemlich jung trat er in die Dienste des Landgrafen Moritz und erscheint bald als dessen Geographus und Historicus, eine Stellung, welche ihn zur Abfassung eines guten Theiles seiner verschiedenen Schriften veranlaßt hat. Als sein bekanntestes Werk gilt seine „Hessische Chronik“,|deren erste Ausgabe im J. 1605 zu Cassel erschien. Der erste Theil derselben enthält die „Beschreibung und das Verzeichniß der Beschaffenheit des Landes Hessen“, mit Karten und Städteansichten, die sich zum Theil an S. Münster's Cosmographie anschließen, der zweite handelt von „den Bewohnern des Landes Hessen" und gibt die eigentliche Geschichte desselben bis 1605, mit Illustrationen und Abbildungen der hessischen Fürsten, die von Originalen entnommen sind. Auf die erste Ausgabe des Werkes sind noch 1606, 1607, 1608 drei weitere gefolgt, die wenigstens scheinbar zum Theil Umarbeitungen der ältesten sind. Der Werth der Chronik wird verschieden beurtheilt, eine bleibende Bedeutung kann ihr freilich nicht zugeschrieben werden. Eine andere Hauptschrift Dilich's ist sein „Kriegßbuch“, darin „die alte und neue Militia eigentlich beschrieben und allen Kriegßneulingen, Bau- und Büchsenmeistern zu nutz und guter Anleitung in Druck geben und verfertigt“ durch W. D. Cassel 1607 u. 1608. D. hatte sich im Gefolge des ältesten Sohnes des Landgrafen, Otto, längere Zeit in den Niederlanden aufgehalten und dort das Kriegshandwerk praktisch erlernt. So hatte er eine Neigung zu diesen Dingen bekommen, und noch 40 Jahre später hat er eine beträchtliche Erweiterung jener seiner Schrift unternommen, die aber erst nach seinem Tode im Druck erschienen ist. Als Hauptquelle für Bremische Geschichte ward lange Dilich's „Urbis Bremae et praefecturarum, quas habet, typus et chronicon“ benutzt; nach der Vorrede ist dies in Cassel bei Wessel. gedruckte Werk im August 1604 beendet. Ein anderes kriegswissenschaftliches Werk Dilich's ist seine „Peribologia“, ein Lehrbuch vom Festungsbau, das sein Sohn Joh. W. D. im J. 1640 zu Frankfurt a. M. herausgegeben und mit 410 Kupfertafeln vermehrt hat. — Nicht minder schätzbar ist seine „Urbs et Academia Marpurgensis succincte descripta et typis efformata“. die noch vor 1625 vollendet war, aber wenn auch häufig im Manuscript benutzt, erst in neuester Zeit von Professor Caesar (Marburg) 1867 veröffentlicht worden ist. Die Schrift ist namentlich dadurch werthvoll, daß sie eine eingehende Beschreibung der Universität Marburg und Biographien der sämmtlichen Professoren enthält; freilich ist darin manches unausgeführt geblieben, woran zum Theil die ungünstigen Zeitverhältnisse, zum Theil des Verfassers im J. 1625 erfolgter Uebertritt in kurfürstlich sächsische Dienste als „Geographus, Historicus und Architectus“ Sr. Kfl. G. Schuld war. Das Werk bezeugt in Verbindung mit Dilich's gesammter Thätigkeit seinen gewissenhaften Fleiß und seine große Arbeitskraft. In seiner neuen dienstlichen Stellung hat er eine topographische Beschreibung des kursächsischen und meißnischen Landes in lateinischer Sprache unternommen, deren Handschrift sich zu Dresden findet, wo D. im J. 1655 gestorben ist.

    • Literatur

      Strieder, Hessisches Gelehrten-Lexikon.

  • Autor/in

    Nach , Cäsar.
  • Empfohlene Zitierweise

    Cäsar, [nach], "Dilich, Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 225-226 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119100754.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA