Lebensdaten
1679 bis 1748
Geburtsort
Spandau bei Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119028743 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gerlach, Philipp

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Zitierweise

Gerlach, Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119028743.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp ( 1716), Zeugwärter in d. Festung Sp., dann Mil.baumeister (s. W, L), S d. Christoph, aus Zweibrücken, Heidereuter in Oranienburg, u. d. Ursula Quistorff aus B.;
    M Eva Maria, T d. Tobias Sigart (1631–80), brandenburg. Zollverwalter u. Ziesemeister in Sp. (S d. Erb- u. Lehnrichters Bartholomäus Siegert in Steinbach/Erzgeb.), u. d. Ursula Schumann;
    Groß-Ov Philipp (1582–1649), Oberforstmeister d. Neumark in Küstrin.

  • Leben

    G. kam jung zum Heeresdienst und wurde dort bald in die Bauverwaltung übernommen (1702 Hauptmann, 1711 Ingenieurmajor). Aus den erhaltenen Verzeichnissen der Berliner Akademie der Künste geht nicht hervor, daß er dort studiert hat. Ein von Herz veröffentlichter Schulentwurf für eine Börse bezeichnet ihn als Schüler von J.-B. Broebes. Unter Eosander und unter J. de Bodt war G. in der Baupraxis tätig. Sein Arbeitsbereich weitete sich beträchtlich, als er 1707 zum Nachfolger Grünbergs in der Leitung des städtischen Bauwesens in Berlin ernannt wurde (1720 „Oberbaudirektor von hiesigen Königlichen Residenzien“). Zu den neuen Aufgaben gehörten die Leitung der Baupolizei, Vertretung der Feuerpolizei, Vermessungsarbeiten und Einrichtung der Kataster in mehreren Städten, Ausarbeitung und Genehmigung von Bebauungsplänen, Aufsicht über die Festungswerke und über die Brücken und nicht zuletzt die Pflichten als Architekt des Königs. Von 1722 an, besonders 1732-36, hat er die Erweiterung der Friedrichstadt geleitet. 1737 nahm er|„wegen seines kränklichen … Leibeszustandes“ den Abschied.

    G.s Bauten setzten dem Berliner und Potsdamer Stadtbild bedeutsame Akzente: in Potsdam beherrschte seine Garnisonkirche in straff gegliederter Klarheit den Straßenraum und bildete mit ihrem an holländischen Vorbildern orientierten Turm das Wahrzeichen der Stadt (1731–35 anstelle der älteren, von Ch. Friedrich Feldmann nach G.s Entwurf 1722 ausgeführten Garnisonkirche; Innenraum 1898 umgestaltet; 1945 Ruine, Wiederaufbau geplant). G.s Mitwirkung am Bau der Berliner Parochialkirche beschränkte sich, wie Ladendorf nachweisen konnte, nur auf einen Teil der Ausführung. Unter den Profanbauten zeichnet sich das Berliner Kammergericht durch eine geschlossene und maßvolle Erscheinung aus (1734/35, im 19. Jahrhundert Anbauten; 1945 Ruine, Wiederaufbau vorgesehen). Ähnlich streng symmetrisch, etwas herb im Ausdruck, doch von schönen Verhältnissen baute G. einige bemerkenswerte Paläste in Berlin. – Da G. in der Berliner Bauschulung aufgewachsen war, lag es nahe, daß er ebenfalls der in Berlin vorherrschenden holländischen Architekturauffassung folgte. Daneben ist jedoch das Vorbild der zeitgenössischen französischen Baukunst, die durch französisch geschulte Architekten (Broebes, de Bodt) und durch Vorlagenwerke (Daviler, Blondel) die Berliner Architektur beeinflußte, unverkennbar. Neben Johann Friedrich Grael steht G. künstlerisch an erster Stelle unter den brandenburgisch-preußischen Baumeistern seiner Zeit und darf für sich in Anspruch nehmen, zur Eigenart der Berlin-Potsdamer Baukunst unter Friedrich Wilhelm I. Wesentliches beigetragen zu haben.

  • Werke

    Weitere W u. a. Öffentl. Gebäude: 1724 Prenzlau, Rathaus u. Hauptwache (1945 Ruine);
    1727 Berlin, Hauptwache, Neuer Markt/Ecke Rosenstraße (1857 v. A. Stüler f. d. Kgl. Lithogr. Inst. umgebaut, nicht erhalten);
    1732 Berlin, Kronprinzl. Palais, Unter d. Linden, Umbau (1857 durch J. H. Strack verändert, 1945 Ruine);
    1735-37 Berlin, Kgl. Gold- u. Silber-Galonen-Fabrik, Wilhelmstr. 79 (1928 f. d. Hauptverwaltung d. Dt. Reichsbahn umgebaut). - Kirchen: 1707-27 Berlin, Gr. Friedrichs-Hospital mit Kirche, Stralauer Str. (Weiterführung u. eigene Bearbeitung d. von M. Grünberg entworfenen u. 1697 beg. Baues, 1905 abgebrochen);
    1720 Garnisonkirche (Entwurf u. Neubau anstelle d. 1720 durch d. Explosion e. Pulverturmes zerstörten Baus v. Grünberg, 1816 Umbau durch Rabe, 1863 durch Stüler, 1945 Ruine, abgerissen);
    1721-24 Potsdam, Stadtkirche St. Nikolai, Am Alten Markt (Neubau anstelle d. ma. St. Katherinenkirche, 1795 abgebrannt);
    1725-31 Berlin, Jerusalemer Kirche, Kochstr./Ecke Jerusalemer Straße (im 18. Jh. stark erneuert, 1878 v. E. Knoblauch weitgehend neu gebaut, 1961 gesprengt). - Privatbauten Berlin: 1718 Burgstr., Palast d. Gen. v. Montargues (später Haus d. Bankiers Itzig, 1858 abgerissen beim Neubau d. Börse);
    1730/31 Münzstr., Palast v. Sydow (1774 v. K. G. Langhans umgebaut, 1857 abgerissen);
    1734/35 Gertraudenstr. 16, Haus Splitgerber (später Haus Schickler, 1945 Ruine);
    1735/36 Wilhelmstr. 78, Palast d. Frhr. v. Marschall (1872 abgerissen);
    1735-37 Wilhelmstr. 72, Haus d. Vizepräs. Hans Christoph v. Görne (1817 v. Schinkel umgebaut, 1852 v. Hahnemann umgebaut, 1945 Ruine). - W zu V Philipp: Berlin, Kommandantenhaus auf e. Bollwerk d. Bastion 10 (später Neue Friedrichstr. 21-23).

  • Literatur

    F. Nicolai, Beschreibung d. Kgl. Residenzstädte Berlin u. Potsdam, Berlin 1786;
    ders., Nachrr. v. d. Baumeistern, Bildhauern etc. in Berlin, ebd. 1786;
    A. Werner, Der prot. Kirchenbau d. friderician. Berlins, Diss. Danzig 1912;
    A. Gut, Das Berliner Wohnhaus, 1917;
    R. Herz, Ph. G. u. s. Bauten, Ein Btr. z. Baugesch. d. Preuß. Staates, Diss. TH Berlin 1923 (ausführl. W u. L);
    ders., Berliner Barock, 1928;
    H. Ladendorf, Der Bildhauer u. Baumeister A. Schlüter, 1935;
    ThB. - Zu V Philipp: D. Joseph, Forschungen z. Gesch. v. Künstlern d. Gr. Kurfürsten, 1896, S. 11;
    R. Herz, Berliner Barock, 1928, S. 8 ff. |

  • Quellen

    Qu.: Berlin, Geh. Archiv d. Kriegsmin., Ausg. üb. Subsidiengelder usw. d. Gen.kriegskasse 1675.

  • Autor/in

    Friedrich Mielke
  • Empfohlene Zitierweise

    Mielke, Friedrich, "Gerlach, Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 302 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119028743.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA