Lebensdaten
1590 bis 1658
Geburtsort
Rostock
Sterbeort
Sorø (Insel Seeland, Dänemark)
Beruf/Funktion
Satiriker ; Späthumanist
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118726714 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jeckel von Achtern (Pseudonym)
  • Hans Willmsen Laurenbergius Rostochiensis (Pseudonym)
  • L. Rost., Hans Willmsen (Pseudonym)
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Zitierweise

Lauremberg, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118726714.html [18.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1547–1639), Prof. d. Med. u. Math. in R. (s. Pogg. I; BLÄ);
    M N. N.;
    B Peter (1585–1639), Prof. d. Physik u. Math, in Hamburg (s. ADB 18; BLÄ; Pogg. I);
    - N. N.;
    S Sebastian (* 1628), Prof. d. Math.);
    T Elisabeth ( Bernhard Oelreich, 1626–86, Dr. theol., Sup. in Bremen);
    N Jacob Sebastian (1619–69), Prof. d. Rechte u. d. Gesch. in R. (s. Jöcher).

  • Leben

    Seinem Vater und seinem älteren Bruder folgend, schlug L. schon früh die akademische Laufbahn ein. 1608-12 studierte er Mathematik, Medizin und Dichtkunst in Rostock und ging anschließend auf eine Bildungsreise, die ihn fünf Jahre lang durch die Niederlande, England, Italien und Frankreich führte, zwei längere Aufenthalte in Paris und Reims zu medizinischen Studien inbegriffen. 1618 wurde L. auf den Lehrstuhl für Poesie in seiner Vaterstadt berufen. Schon vorher hatte er mehrfach kleinere Dichtungen veröffentlicht, darunter das Schuldrama „Pompejus Magnus“ (1610), die zweisprachige Hochzeitsdichtung „Venus navigans“ (griech. u. lat., 1614-18) sowie kleinere Gelegenheitsgedichte. Mit der „Clavis instrumentalis Laurembergica“ (1621-25) und dem „Logarithmus seu canon numerorum“ (1628) erwies er seine mathematischen, mit dem „Antiquarius“ (1622) seine altphilologischen Kenntnisse. Bei letzterem Werk handelt es sich um ein Lexikon obsoleter Termini und Idiotika. 1623 folgte L. einem Ruf der dän. Krone an die soeben gegründete Ritterakademie in Sorø auf Seeland, wo er den Rest seines Lebens verbringen sollte. Dank der Fürsorge eines ehemaligen Schülers, des späteren Kg. Friedrich III. von Dänemark, blieben L. die Sorgen des Alters erspart. Sein Sohn folgte ihm 1662 auf dem Lehrstuhl. Neben mathematischen, topographischen und philologischen Schriften entstanden in Sorø auf Bestellung verschiedene kleine Bühnenwerke in deutscher Sprache für den dän. Königshof sowie eine Reihe von Gelegenheitsdichtungen, vor allem aber die oft aufgelegten plattdeutschen „Veer Schertz-Gedichte“ (1652), die auch ins Dänische und Hochdeutsche übertragen wurden. Mit gelegentlich recht drastischem Humor geißeln L.s scharfzüngige Satiren diverse zeitgenössische Modetorheiten, alamodische Sprachmengerei und manieristische Schwulstdichtung. Siebzehn Auflagen aus der Barockzeit belegen die Popularität dieser amüsanten Gesellschaftskritik unter den Zeitgenossen. Eine Gesamtwürdigung von L.s Oeuvre wurde seit 1841 nicht wieder versucht. In jüngerer Zeit blieb es in erster Linie der Philologie und der niederdeutschen Sprachforschung vorbehalten, sich intensiv mit den Satiren zu befassen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Satyra, Qua rerum bonarum abusos, et vitia quaedam nostri seculi perstringuntur, 1630 u. öfter, Neudr. u. d. T. Satyra ad principis editionis fidem recusa, hrsg. v. L. Daae, 1884;
    Zwo Comoedjen, 1635 u. in e. Neufassung u. d. T. Triumphus nuptialis Danicus, 1648, jeweils mit 2 plattdt. Bauernkomödien als Zwischenspielen, diese abgedr. u. d. T. Zwei plattdt. Possen, hrsg. v. H. Jellinghaus, in: Jb. d. Ver. f. niederdt. Sprachforschung 3, 1877, S. 91-100;
    Schäfftige Martha, 1650 (Hochzeitsspiel), Neudr. 1890;
    Vier Schertz-Gedichte, hochdt. Übers. v. C. Ch. Dedekind, 1654;
    Niederdt. Schertzgedichte, hrsg. v. J. M. Lappenberg, 1861 (W-Verz.);
    dass., hrsg. v. W. Braune, 1879;
    Fire skjaemtedigte i dansk oversaettelse fra 1652, hrsg. v. J. Paludan, 1889;
    Scherzgedichte in hs. Fassung, hrsg. v. E. Schröder, 1909;
    Graecia antiqua, hrsg. v. S. v. Pufendorf, 1660, Neudr. u. d. T. A Description of Ancient Greece, 1969.

  • Literatur

    ADB 18;
    J. Classen, Über d. Leben u. d. Schrr. d. Dichters J. L., 1841;
    Ed. Müller, Zu J. L., Progr. Köthen 1870;
    F. Latendorf, Zu L.s Scherzgedichten, 1875;
    L. Daae, Om humanisten og satirikeren L., 1884;
    C. A. Nissen, Eine plattdt. Posse v. J. L., in: Jb. d. Ver. f. niederdt. Sprachforschung 11, 1885, S. 145 ff.;
    J. Bolte, L.s hs. Nachlaß, ebd. 13, 1887, S. 42 ff.;
    K. Lorenz, Der Anteil Mecklenburgs an d. dt. Nat.lit. … bis z. Ende d. 17. Jh., 1893;
    H. Weimer, L.s Scherzgedichte, Die Art u. Zeit ihrer Entstehung, Diss. Marburg 1899;
    H. Wichert-Fife, J. L., Son of the Folk, in: Germanic Review 30, 1955, S. 27-39;
    E. S. Dahl, J. L. u. d. sprachliche Situation seiner Zeit, in: Wiss. Zs. d. Univ. Rostock 5, 1955/56, H. 3;
    K. Peter, Der Humor in d. niederdt. Dichtungen J. L.s, seine Struktur und Funktion, 1967 (L);
    H. de Voss, Der Magister J. L. u. seine „Veer Schertz Gedichte in Nedderdüdisch gerimet“, in: Carolinum 37, 1971, H. 58/59, S. 74-84;
    Goedeke III, S. 236 f.;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Internat. Bibliogr. z. Gesch. d. dt. Lit. I, 1969, S. 844 f.;
    Kindlers Lit.-Lex. XI, S. 9847 (Veer Scherzgedichte);
    G. Dünnhaupt, Bibliogr. Hdb. d. Barocklit. II, 1981, S. 1059-73 (vollst. W-Verz., L).

  • Autor

    Gerhard Dünnhaupt
  • Empfohlene Zitierweise

    Dünnhaupt, Gerhard, "Lauremberg, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 720-721 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118726714.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lauremberg: Johann L., Satiriker, geb. am 26. Februar 1590 zu Rostock, Sohn des hervorragenden Professors der Medicin Wilhelm L., Bruder des von A. Tscherning gefeierten Verfassers der Acerra philologica, Peter L., bezog 1608 die Universität der Vaterstadt, bereiste 1612—1617 Holland, Frankreich, England und Italien, in Paris und Rheims auch medicinischen Studien nebenher obliegend, wirkte — schon 1613 für einen Lehrstuhl empfohlen — seit 1618 als Professor der Poesie in Rostock, veröffentlichte außer kleineren Editionen 1622 einen lexikographischen Antiquarius, der ihn in älteren Lateinern, besonders Plautus, wohlbewandert zeigte, auch eine Karte von Mecklenburg, ging dann zur Mathematik über, welches Fach er seit 1623 an der dänischen Ritterakademie Soroe, ein Vorgänger J. E. Schlegel's, vertrat. Er heirathete. Spätere Bekümmernisse milderte die Huld Friedrichs IIJ., den er in Soroe unterrichtet hatte. Er starb am 28. Februar 1658. Sein Sohn Sebastian erhielt 1662 die erledigte Professur. Lauremberg's akademische und höfische Gedichte sind wenig charakteristisch. Lateinische Gelegenheitscarmina, einmal gar ein französisches. Sein vieractiger "Pompejus magnus" ist ein Jugendexercitium nach antikem Muster. Einem griechischen Epithalamium "Κύπρις πλέουσα" folgen 1634 steife hochdeutsche Hofkomödien mythologischen Inhalts (erschienen 1648 im "Triumphus nuptialis"); aber in die Harpyienscenen hat er, norddeutschen Traditionen des 16. Jahrhunderts getreu, ein komisches niederdeutsches Bauerngespräch geschoben und anderswo verdutzte Landleute in der Stadt gezeigt. Im Plattdeutschen wurzelte seine Kraft, die er auch in der akademisches Treiben theils bitter, theils launig geißelnden Satyra nicht voll bewähren konnte. Niedersächsischen Realismus und Conservatismus paart er mit klassischer Bildung, den Grobianismus des 16. Jahrhunderts mit humanistischem Geistreichthum. Im Dialect ging der derbe Mecklenburger den Gebrechen seiner Zeit zu Leibe; 1652 "Veer Scherzgedichte" von Hans Willmsen L. Rost (Rostochiensis; man ergänzte später falsch: Licentiat Rost). Dieselben erschienen alsbald auch dänisch, 1654 hochdeutsch durch C. C. Dedekind, oft aufgelegt, seit 1700 als "De veer olde beröhmede Sch." mehrmals mit J. Rachel's lahmeren hochdeutschen Satiren vereinigt. Sie kämpfen robust, saftig, zielsicher gegen das französische "Allemode" nach dem Wahlspruch "bi dem olden will ik bliven" und würden nur zu altfränkisch, reactionär, ja poesiefeindlich erscheinen, gäbe ihnen nicht die Berührung mit den horazischen Sermonen und das in I und II fein benutzte Motiv der Seelenwanderung eine höhere Geltung. Die Composition ist nachlässig mit Absicht, der Abschluß meist kunstlos, etwa ein phlegmatisch unmuthiges "it mach gahn als it geit", "darüm ik numehr swige". Das erste Gedicht straft allgemeiner Wandel und Manieren der Menschen, das zweite mit wuchtigen Hieben und hanebüchenen Belegen die äußerlichen Narrheiten der Kleidermode, das dritte in der gleichen polternden und anekdotenhaften Art und unter Empfehlung schlagender Abwehr die innerlichen Narrheiten der Sprach- und Titelvermengung, das vierte die Modepoesie durch Vorführung eines alten Bettelpoeten und ein Gespräch mit zwei Reimaristarchen. Marinische Tropen werden so cynisch wie ergötzlich parodirt. Die "Epitome der deutschen Prosodie" — Opitzens? — schiert ihn nicht. Mögen seine Verse laufen, lang und kurz, wie magere Ferkel neben der fetten Sau, kleinere jambische Zeilen neben Alexandrinern — seine Art ist selbstbewußt conservativ und das Niederdeutsche — stolz schaut L. auf Reinke de Vos — schlägt durch seine kernige Beharrlichkeit den Proteus Hochdeutsch.

    (Aeltere Litteratur s. Jördens 3, 149 ff.) — J. Grimm, Germania 2, 298 ff. Lappenberg 1861, Bibliothek des litterarischen Vereins, Bd. 58; sehr verdienstlich, aber nicht ohne philologische Fehler. Trefflich W. Braune, Hallenser Neudrucke. Heft 16 f., 1879 (Text und Wörterbuch). Jellinghaus, Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung, 1877, S. 91 ff.; zwei niederdeutsche Bauernscenen, vgl. o. Ebenda 1879 S. 186 f. ein paar Bemerkungen Sprenger's zu Braune's Ausgabe. Die Lappenbergsche veranlaßte das Köthener Programm von E. Müller 1870 und minder ergiebige kleine Arbeiten Latendorfs: Germania 19, 351 u. 21, 53 ff., "Zu L.'s Scherzgedichten", Rostock 1875.

  • Autor

    Erich Schmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Erich, "Lauremberg, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 58-59 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118726714.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA