Lebensdaten
1874 bis 1943
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Budapest
Beruf/Funktion
Biologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118692453 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Franzé, Raoul (eigentlich)
  • Francé, Rudolf
  • Franzé, Rudolf
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Zitierweise

Francé, Raoul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692453.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Franzé ( 1894), Vizebuchhalter d. österr.-ungar. Bank in B., S d. Anna Franze in Peterswald/Böhmen;
    M Therese ( 1903), T d. Färbers Raphael Spisar in Napajedl/Mähren u. d. Anna Zaworsky;
    1) 1900 (⚮) Caroline (1876–1956), T d. Privatiers A. Moser, 2) Dinkelsbühl 1923 Annie (Ps. Harrar, * 1886), Schriftstellerin, arbeitet seit 1952 bodenkundl. in Mexiko, T d. poln. Malers Alex. Sochaczewski ( 1923, s. ThB);
    1 S aus 1).

  • Leben

    F., seit dem 10. Lebensjahre in Budapest mehrsprachig aufgewachsen, wurde während des Besuches der dortigen Handelsakademie in die Ungarische Naturwissenschaftliche Gesellschaft (Leiter J. von Paszlawsky) eingeführt. Nach kurzem Medizinstudium holte er das Abitur nach, arbeitete am Nationalmuseum und wurde Schüler des Protozoenforschers Géza Entz, dessen im Gegensatz zu O. Bütschli mehr vitalistische Auffassung vom Protoplasma ihn stark beeindruckte. Erste Arbeiten über Süßwasseralgen, seit 1892, baute er als Assistent des Nägelischülers Gyula (Julius) Klein zu den Monographien „Organismus der Craspedomonaden“ (Budapest 1896) und „Protozoen des Balatonsees“ (ebenda 1896) aus. 1896 arbeitete er bei F. Cohn in Breslau. Einem wachsenden Bedürfnis nach weltanschaulicher Vertiefung (Gast im Kloster Tihany/Plattensee) wollten die Ergebnisse eigener Naturforschung nicht mehr genügen, die Bindungen der Hochschule (fachliche Beschränkung) zu seiner polyhistorischen Neigung immer weniger passen. So gab er den Gedanken an die Hochschullaufbahn auf, ohne zu promovieren. Mehr und mehr hatte ihn schon Paszlawsky als Mitarbeiter und Illustrator zur naturwissenschaftlichen Publizistik gezogen. Nach einer Tätigkeit als stellvertretender Leiter der Pflanzenschutzstation in Ungarisch Altenburg|1898 und Braunschweig 1901 wurde F. freier Schriftsteller in München und erwarb sich als einer der ersten Mitarbeiter des Kosmos, als Mitgründer des Mikrokosmos und der Deutschen Mikrologischen Gesellschaft und anderer popularisierender Unternehmungen eine große, oft schwärmerische Leserschaft, vielleicht gerade weil ihm die Feder schnell in die Naturphilosophie durchging und er sich auch nicht immer von Übertreibungen fernhielt (H. Molisch). Mehrere seiner Werke wurden in fremde Sprachen übersetzt. Als Leiter des (städtisch subventionierten) Biologischen Instituts der Deutschen Mikrologischen Gesellschaft hielt er zahlreiche Kurse ab und widmete sich in Wiederaufnahme tastender Versuche Ch. G. Ehrenbergs der Bodenbiologie zu einer Zeit, die völlig agrikulturchemisch eingestellt war und die Humustheorie Thaers erledigt glaubte. Die Bedeutung des „Edaphon“, der Kleinlebewelt des Bodens, für die Bodenfruchtbarkeit in den ersten Grundlagen erarbeitet zu haben, bleibt F.s unbestrittenes Verdienst. Er versuchte es auch mit der Theorie einer Pflanzenpsychologie (gestützt auf eigene Versuche und solche von G. Haberlandt und Adolf Wagner, Widerspruch E. Pringsheim) und gehörte als Anhänger A. Paulys zu den entschiedenen Wortführern des Psycholamarckismus. Auch das vorwiegend zusammenfassende Werk „Die technischen Leistungen der Pflanze“ (1919) gehört hierher. Als 1919 die Fortführung des Biologischen Instituts unmöglich wurde, zog er nach Dinkelsbühl und widmete sich dem Ausbau seiner objektiven Philosophie, „Bios, die Gesetze der Welt“ (1921, 21923, gekürzter Neudruck 1926, 1944), die das Leben und seine Gesetze als Selbstzweck in den Mittelpunkt stellt und Anregungen von D. Hume, A. Schopenhauer, H. Spencer (Integration), G. Leibniz und Platon zu einem biologischen Pragmatismus verschmilzt, den man auch als biologischen Taylorismus bezeichnet hat. Sein Einfluß auf sehr verschiedenartige Kreise, die in der Biologie ein weltanschauliches Fundament suchten, das ihren Vorlieben und Abneigungen entgegenkam, war weitreichend, auch solche mit völkischen Sympathien (H. Fischer, B. Ernst, P. Krannhals) beriefen sich auf ihn. Salzburg, Dubrovnik, Budapest waren neben größeren Reisen die letzten Stationen eines gesundheitlich labilen Lebens, dem er durch eine peinlich genaue Arbeitseinteilung viel Ertrag abzugewinnen wußte und in dem der Künstler und phantasievolle Anreger, besonders in späteren Jahren, meist über den Forscher dominierte. – Ehrendoktor der Jefferson-Lincoln University Chicago (1928).

  • Werke

    Weitere W u. a. Biolog. Arbb.: Zur Morphol. u. Physiol. d. Stigmata d. Mastigophoren, in: Zs. f. wiss. Zool., 1893;
    Die Polytomeen, in: Jb. f. wiss. Botanik 26, 1894;
    Der heutige Stand d. Darwinschen Fragen, 1907;
    Die Lichtsinnesorgane d. Algen, 1908;
    Reaktionsvermögen d. Pflanze, in: Scientia 6, 1909, S. 320-30;
    Pflanzenpsychol. als Arbeitshypothese d. Pflanzenphysiol., 1909;
    Stud. üb. edaph. Organismen, in: Cbl. f. Bakteriol., Abt. II, Bd. 32, 1912, S. 1-7;
    Edaphon, 1912, 31955 (L). – Hrsg.: Zs. f. d. Ausbau d. Entwicklungslehre, Archiv f. Psychobiol., 1907-09;
    Kleinwelt, 1909-15;
    Natur, 1909-13. – Überwiegend populäre u. naturphil. Arbb.: Wert d. Wiss., 1900, 41925;
    Das Sinnesleben d. Pflanzen, 1905, Jub.Ausg. 1925;
    Leben d. Pflanze, 1905-13;
    Liebesleben d. Pflanzen, 1906, 311934;
    Streifzüge im Wassertropfen, 1907, 231928;
    Bilder a. d. Leben d. Waldes, 1909, 221934;
    Die Alpen, 1913;
    München, Lebensgesetze e. Stadt, 1920;
    Die Wage d. Lebens, 1920, gekürzt 1939;
    Südbayern, 1922;
    Das Leben im Ackerboden, 1922, 211938;
    Plasmatik, 1923;
    Die Welt als Erleben, 1923;
    Lebenserinnerungen, Weg zu mir, 1927 (P, nur bis 1901);
    So mußt du leben, 1929;
    Von d. Arbeit z. Erfolg, 1934. – Hrsg.: Telos u. Telosbücher, 1924-28.

  • Literatur

    F. Oltmanns, Morphol. u. Biol. d. Algen, 21922;
    H. Brunzlow, Über d. Anwendung psycholog. Kategorien b. Fechner u. F., Diss. Breslau 1923;
    H. Fischer, R. H. F., 1924 (unkritisch);
    H. v. Bronsart, Die Lebenslehre d. Gegenwart, Eine Einführung i. d. objektive Philos., 1924 (zeigt die Ausstrahlungen);
    Festschr. z. 50. Geb.tag mit Btrr. u. a. v. Adolf Wagner (ausgewogenes Urteil), F. Lienhard, A. Holz, F. K. Ginzkey, Stefan Zweig, 1924 (P);
    P. Krannhals, in: Hellweg 4, 1924, S. 388;
    E. Banse, in: Westermanns Mhh. 136, 1924, S. 385;
    P. W. Engel-Hardt, R. F. als Graphiker, 1925;
    Hdb. d. Bodenlehre, hrsg. v. E. Blanck, 1930-39, III, VII, IX, X;
    Biologenkal., 1914, S. 200;
    CSP.

  • Autor/in

    Martin Müllerott
  • Empfohlene Zitierweise

    Müllerott, Martin, "Francé, Raoul" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 313 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118692453.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA