• Genealogie

    V Josef ( 1814), Privat-Normalschullehrer, S e. herrschaftl. Kutschers;
    M Elisabeth (1756/59-1843), Küchenmagd, T d. Hauers Bernh. Schäffer (Schafel).

  • Leben

    F. studierte in Wien vom November 1810-13 bei J. M. Fischer, H. Maurer und J. B. Lampi an der Zeichnungsakademie, doch sagte ihm deren veraltete Unterrichtsmethode weniger zu als der Verkehr mit dem Augenarzt und Kunstsammler Joseph Barth, der ihn in die Anatomie und Perspektive einführte. 1812 vom Abbé Franz Neumann als Gehilfe des Kabinettzeichners J. G. Mannsfeld an das kaiserlich und königliche Münz- und Antikenkabinett berufen, wurde er nach Mannsfelds Ableben (1817) von Kaiser Franz am 14.6.1818 zum „Zeichner und Kupferstecher“ dieser Sammlung ernannt, in welcher er über 2000 Kopien nach antiken Gegenständen anfertigte. Seit 1820 betätigte er sich auch als Zeichenlehrer im Hause Vesque von Püttlingen und bildete in seiner Wohnung am Heumarkt Karl und Alb. Schindler, Friedrich Treml, Rudolf Gaupmann und Johann B. Staudinger zu Künstlern heran. Wie kein zweiter Altwiener Maler machte er Schule; sein Einfluß wirkte noch in den Frühwerken A. Pettenkofens, Eduard Ritters und J. B. Reiters nach. F.s eigene Produktion begann um 1823 mit Szenen aus dem bäuerlichen und kleinbürgerlichen Leben, die im Stile des Vormärz oft leicht sentimental gefärbt, aber mit größter Delikatesse gemalt waren. Gelegentlich, wie in der auf kaiserlichen Befehl entstandenen figurenreichen Darstellung der Feldmesse vor dem äußern Burgtor (1826, Wien, Österreichische Galerie) oder der reizenden Episode „ Kaiser Franz und die Schildwache“ (1836), pflegte er auch das militärische Genre. In den Dreißigerjahren erlangte F. durch Moriz Graf Dietrichstein Zutritt zu den Hofkreisen, erwarb sich durch seine anmutigen Kinderaquarelle die besondere Gunst der Kaiserin Maria Carolina und|der Erzherzogin Sophie und wurde bald der bevorzugteste Kinderporträtist der Hocharistokratie. In dem 27 Personen umfassenden Gruppenbildnis der „Familienvereinigung“ (1834) verewigte er die um den Kaiser versammelte Jugend des Hauses Habsburgisch – F., der an körperlichen Mängeln und dauernder Kränklichkeit litt, war allgemein geschätzt.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Wiener Ak. d. bildenden Künste (1836).

  • Werke

    Weitere W u. a. Frierender Bretzelbub, 1828;
    Taufgang, 1829 (Wien, Österr. Staatsgal.);
    Die Unentschlossene vor d. Lotterie, 1829 (ebd.);
    Sämann, 1839 (ebd.);
    Abschied d. Braut, 1830;
    Szene v. d. Donauüberschwemmung, 1830;
    Lauscherin, 1833;
    Arme Offizierswitwe, 1836;
    Gewitter, 1837;
    Traurige Botschaft, 1838;
    Die Pfändung, 1840;
    Bildnisminiaturen, 30 Aquarelle zu Schillers Gedichten, III. f. Taschenbücher, Alm. u. wiss. Werke, Radierungen, Lith.

  • Literatur

    ADB VI;
    F. v. Boetticher, Malerwerke d. 19. Jh. I, 1895, S. 293-95;
    Ein Jh. Österr. Malerei 1800–1900, 9. Lfg., o. J., (mit 6 Tafeln);
    A. Schaeffer, Moderne Meister (der kaiserl. Gem.-Gal. in Wien), 1903;
    Führer durch d. Gem.gal. III (moderne Meister), 1907, S. 79, Nr. 164-70;
    Österr. Kunstschätze I, 1911, Tafel XXVIII (Abb. Erzhzgn. Marie Luise);
    L. Grünstein, P. F. als Lehrer u. Freund, in: Alt-Wiener Kal. f. d. J. 1918, S. 154-66 (P v. Ch. Vesque v. Püttlingen);
    E. H. Zimmermann, Das Alt-Wiener Sittenbild, 1923, S. 9 f., 40-53 (Abb.);
    Gal. d. 19. Jh. im oberen Belvedere, 1924, S. XXIX ff., 47/53 (Abb.);
    B. Grimschitz, Die österr. Zeichnung im 19. Jh., 1928, S. 32 ff., Tafel 16/19;
    H. Ankwicz v. Kleehoven, P. F., 1796-1842, in: Kunst dem Volk 14, Folge 3, März 1943, S. 1-9 (11 farb. Abb.);
    Adler, Zs. f. Gen. u. Heraldik 1 (XV), H. 12, Dez. 1948, S. 176 ff. (Ahnentafel F.s);
    K. Kobald, Alt-Wiener Maler, in: Kunst ins Volk, 1953, S. 267-92 (47 z. T. farb. Abb.);
    H. Aurenhammer, Zu P. F.s Feldmesse…, in: Mitt. d. österr. Gal. 1, 1957, H. 11/12, S. 5-9 (Abb.);
    H. Adolph, P. F.s „Pfändung“, ebd. 3, Nr. 34-36, 1959, S. 24-34 (mit Abb.);
    ThB (ältere L).

  • Portraits

    Selbst-P: Der Künstler u. s. Mutter auf d. Wege v. Heumarkt in d. Stadt (Radierung 1824, Wien, Albertina), mit d. Karlskirche im Hintergrunde (dass. 1830, ebd.);
    Brustbild v. F. Amerling, 1833 (Wien, Liechtensteingal.), Abb. b. G. Probszt, F. v. Amerling, 1927, u. Rave;
    Stich v. F. Stöber nach Zeichnung v. J. Danhauser, 1834 (Wien, Albertina).

  • Autor/in

    Hans Ankwicz von Kleehoven
  • Empfohlene Zitierweise

    Kleehoven, Hans Ankwicz von, "Fendi, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 76 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868664X.html#ndbcontent

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  • Leben

    Fendi: Peter F., Maler, geb. zu Wien 4. September 1796, ebenda 28. August 1842, entwickelte schon frühzeitig seinen Beruf zur Kunst. Der Sohn eines Schullehrers, hatte er schon als Schüler der Volksschule Gelegenheit, sich im Zeichnen zu üben, und verrieth dabei sein Talent zur Kunst. Dies bestimmte seinen Vater, ihn nach vollendetem 15. Lebensjahre auf die Akademie der bildenden Künste zu schicken, wo er in die Lage kam, sich unter Fischer's, Maurer's und Lampi's Leitung zum Künstler heranzubilden. Sein schöner Vortrag im Zeichnen verschaffte ihm die Gunst des berühmten Augenarztes Dr. Barth, welcher ihm seine reiche Sammlung geschnittener Steine öffnete. Durch Schödlberger bei dem Grafen Lamberg eingeführt, verwendete ihn dieser zum Copiren antiker Vasen. Für seine Lebensstellung wurde sein feines Verständniß für Anfertigung von Zeichnungen nach griechischen Originalien ausschlaggebend. Auf Verwendung des Directors Neumann wurde F. 1816 im k. k. Münz- und Antikencabinet als Zeichner verwendet und 1818 in dieser Eigenschaft wie als Kupferstecher bleibend angestellt. Im J. 1821 begleitete F. hierauf Director v. Steinbüchel nach Venedig und erhielt für sein Gemälde „Ansicht der Grotte von Corgnole“ die goldene Medaille. Noch in demselben Jahre reifte er nach Salzburg, um den auf den Lagerfeldern ausgegrabenen römischen Mosaikboden zu zeichnen und nach Wien zu bringen. Seit dieser Zeit wurde er in seinem Berufe ununterbrochen mit Anfertigung von Copien von Werken des Münz- und Antikencabinets und zu deren Ausführung in Kupferstich verwendet. Wichtiger als die Reproductionsgabe Fendi's ist seine schaffende Kraft als Genremaler. Schon in jungen Jahren hatte er sich mit großer Vorliebe dem Studium der Niederländer hingegeben, an den Werken derselben den Zug nach Wahrheit und Natürlichkeit, den Einblick in das Volksleben und die wirkungsvolle Behandlung der Motive in Bezug auf Colorit und Beleuchtung bewundert. Durch seine häßliche äußere Erscheinung — er hatte einen Höcker und einen zu seiner kleinen Gestalt unverhältnißmäßigen Kopf — an ein stilles, einförmiges Leben gewohnt, welches bei edleren Naturen zu einer scharfen Betrachtung und Beobachtung der Außenwelt führt, mit einem reichen Gemüthe und einem poetischen Sinne ausgestattet, drängte es F., ähnliche Darstellungen zu versuchen. So entstanden in seinen freien Stunden Bilder mit Stoffen aus dem täglichen Leben, wie man sie bisher zu sehen nicht gewohnt war, und welche den größten Gegensatz zur akademischen Richtung bildeten, wo neben dem absterbenden Classicismus die Romantik sich breit gemacht hatte. Sie übten nicht nur durch den Reiz der Neuheit, sondern auch durch ihren inneren Werth eine große Anziehungskraft und verschafften ihm den Ruhm, die Genremalerei der Wiener Schule begründet zu haben. Zu seinen bekanntesten und besten Bildern zählen „Das Mädchen vor dem Lotteriegewölbe", „Die Officierswittwe", „Die Pfändung", „Ein Klostergang mit Andächtigen“, „Das Mädchen an der Briefpost“, eine Ueberschwemmungsscene, „Kaiser Franz und die Schildwache", „Der arme Geiger", „Die Mutter am Christabend" nach Hebel, „Das Milchmädchen", „Der Brautsegen", „Morgenandacht", „Die Gypsfigurenhändlerin“ u. s. w. Außerdem bestehen eine Anzahl von Aquarellen und Handzeichnungen, und mehrere historische Oelgemälde. Unter den vielen Porträts ist ein großes Gruppenbild, „Die kaiserliche Familie im J. 1834“ hervorzuheben. Eine bedeutende Anzahl der Werke des Künstlers ist im Besitze des kaiserl. Hofes und der öffentlichen und Privat-Gallerien Wiens. Zu seinen hervorragendsten Schülern gehörten Treml und die Gebrüder Schindler, von denen aber keiner ihn an poetischer Auffassung und Originalität der Darstellung erreichte.

    • Literatur

      S. Bergmann: Nekrolog „Peter Fendi“ in der Wiener Zeitung v. 6. Oct. 1842 mit einem unvollständigen Verzeichnisse seiner Oelbilder und Aquarelle. Wurzbach, Biographisches Lexikon IV, 173. Kraft, Katalog der Gemäldegallerie im Belvedere, Wien 1854. Katalog der historischen Kunstausstellung in Wien, 1877.

  • Autor/in

    K. Weiß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Karl, "Fendi, Peter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 618-619 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11868664X.html#adbcontent

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