Lebensdaten
1758 bis 1810
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
politischer Schriftsteller ; hannoverischer Staatsmann ; Philosoph
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118673157 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brandes, Ernst
  • Brandes, E.
  • Brandes, Ernestus

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Zitierweise

Brandes, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118673157.html [20.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg s. (2); ledig.

  • Leben

    Geistesrichtung und äußere Laufbahn B.' sind wesentlich durch die Persönlichkeit seines Vaters bestimmt. Der Umgang mit hochstehenden englischen Offizieren und Beamten, die in seinem Elternhaus verkehrten, vermittelte|ihm frühzeitig eine umfassende Kenntnis der politischen und sozialen Verhältnisse Englands. - 1775-78 besuchte B. die Universität Göttingen, wo ihn, wie seinen Jugendfreund A. W. Rehberg, bald eine lange dauernde Freundschaft mit dem Freiherrn vom Stein verband. Sie hat wesentliche Nachwirkungen im Staatsdenken Steins hinterlassen, dessen vom englischen Staats- und Gesellschaftsideal bestimmte Züge sicher von B. mitgeprägt sind. Nach Abschluß seines Studiums trat B. als Auditor in die Geheime Staatskanzlei ein, wo er sich im Dezernat seines Vaters einarbeitete. Mehrere Auslandsreisen unterbrachen die Tätigkeit. Von besonderer Bedeutung ist ein Aufenthalt in England 1784/85, der ihn in enge Verbindung mit Edmund Burke brachte, dessen Ideen B. als einer der ersten in Deutschland vertrat und wohl auch Stein übermittelte. Vom Standpunkt Burkes aus bekämpften die Freunde die französischen Revolution, mit der sich B. in seinen bedeutendsten Schriften „Politische Betrachtungen über die französische Revolution“ (Jena 1790) u. „Über einige bisherige Folgen der französischen Revolution mit Rücksicht auf Deutschland“ (Hannover 21792) auseinandersetzte. Gleichzeitig etwa beteiligte er sich im Zusammenwirken mit dem jüngeren Burke an der aktiven diplomatischen Bekämpfung des revolutionären Frankreichs (1791).

    Seit 1791 Nachfolger seines Vaters als Geheimer Kabinettssekretär für Universitätssachen (später auch Mitglied des Kommerz-Collegiums), erwarb er sich (von Ch. G. Heyne unterstützt) in einer Zeit größter geistiger und politischer Umwälzungen wesentliche Verdienste um den stetigen Fortgang der Entwicklung der Universität Göttingen und sicherte sie zwischen 1803 und 1806 (seit 1805 als Geheimer Kabinettsrat) erfolgreich gegen fremden Eingriff. Niederschlag seiner Wirksamkeit im Dienste der Universität ist seine 1802 erschienene Schrift „Über den Zustand der Universität Göttingen“. Die Fremdherrschaft setzte 1806 seiner amtlichen Laufbahn ein Ende; er wurde ohne eigentliche Dienstentlassung ausgeschaltet. Fortan blieb er auf seine publizistische Tätigkeit beschränkt, die (ebenfalls 1806) durch seine Ernennung zum Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften ihre Anerkennung gefunden hatte. - B. reicht als Persönlichkeit und Universitätspolitiker nicht an seinen Vater heran. Seine Bedeutung liegt in seiner Einwirkung auf die Entwicklung des jungen Stein, insbesondere als Verkünder englischer Reformideale und Burkescher Reformprinzipien im Kampf gegen die französische Revolution. Daß ihm die „eigentlich wissenschaftliche Philosophie fremd war“, hat schon Rehberg erkannt, doch rühmt dieser ihn auch als einen Mann von hellem nüchternen Verstand und großer Geschäftsgewandtheit. Als politischer Denker steht er an der Wende des deutschen Rationalismus des 18. Jahrhunderts in seiner hannoverisch-niedersächsischen Ausprägung zum historischorganischen Staatsdenken Burkes und der historischen Schule, gehört jedoch noch wesentlich ins 18. Jahrhundert hinein.

  • Werke

    Weitere W Üb. d. polit. Geist Englands, in: Mschr. v. F. Gedike u. J. E. Biester, Bd. 7, Berlin 1780, S. 101 ff.;
    Bemerkungen üb. d. Londoner, Pariser u. Wiener Theater, Göttingen 1786;
    Üb. Geh. Gesellschaften, in: Slaatsanz., Gesammelt v. A. Ch. Schlözer, ebenda 1782 ff., H. 31;
    Üb. Weiber, ebenda 1787;
    Betrachtungen üb. d. weibl. Geschlecht, 1802;
    Betrachtungen üb. d. Zeitgeist in Dtld. in d. letzten Dezennium d. vorigen Jh., 1808;
    Üb. d. Einfluß u. d. Wirkungen d. Zeitgeistes auf d. höheren Stände Dtld. s, 1810;
    Btrr. u. Rezensionen in d. Götting. Gelehrten Anz. u. im Neuen Hannov. Mgz., in dem ein großer Teil seiner selbständ. Schrr. zunächst in Aufsatzform erschien.

  • Literatur

    ADB III;
    A. W. Rehberg, in: Sämtl. Schrr. IV, 1829 (bisher einziger biogr. Umriß);
    Ernst v. Meyer, Hannov. Verfassungs- u. Verwaltungsgesch. 1680/1866, 1898;
    M. Lehmann, Frhr. vom Stein I, 1902, S. 21;
    K. Mollenhauer, A. W. Rehberg, Progr. Blankenburg, 2 T., 1904/05;
    G. Rexius, Stud. z. Staatslehre d. hist. Schule, in: HZ 107. 1911;
    R. Elsasser, Die Anfänge polit. Bildungsreisen d. Deutschen nach England, Diss. Heidelberg 1917;
    E. Weniger, Stein u. Rehberg, in: Niedersächs. Jb., 1925;
    E. Botzenhart, Die Staats- u. Reformideen d. Frhr. vom Stein, 1927;
    G. Ritter. Stein I, 1931, S. 38 ff., 476;
    Anneliese Mayer, England als polit. Vorbild u. sein Einfluß auf d. polit. Entwicklung in Dtld. bis 1830, Diss. Freiburg i. Br. 1931;
    F. R. Braune, Burke in Dtld., = Heidelberger Abhh. z. mittleren u. neueren Gesch., H. 50, 1931;
    G. v. Seile, Die Georg-August-Univ. z. Göttingen 1737-1937, 1937, S. 189 ff., 200 ff. u. ö.

  • Autor/in

    Erich Botzenhart
  • Empfohlene Zitierweise

    Botzenhart, Erich, "Brandes, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 518 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118673157.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Brandes: Ernst B., Sohn von Georg B. (s. u.), geb. zu Hannover am 3. Oct. 1758, 13. Mai 1810. Er studirte von 1775—1778 in Göttingen die Rechte, machte in den Jahren 1780 und 1781 eine Reise durch Deutschland und Frankreich, wo er in Paris seine Hauptaufmerksamkeit dem Theater zuwendete. Während seines Aufenthaltes in London im Winter 1784—1785 machte er die Bekanntschaft von Edmund Burke, der ihn der Politik zuführte und ihm eine Stellung im englischen Ministerium als Unterstaatssecretär zugedacht hatte. Nach Hannover zurückgekehrt wurde er geheimer Kanzlei-Secretär und seit 1791 Nachfolger seines Vaters in der Besorgung der Expedition der Universität Göttingen, dann Commerzrath und 1805 geheimer Cabinetsrath. Im J. 1806 ernannte ihn die Akademie der Wissenschaften in Berlin zu ihrem Mitgliede. Unter der französischen Herrschaft wurde er Mitglied der Gouvemements-Commission. Als Geschäftsmann erwarb B. sich um die Verwaltung der hannover'schen Lande, namentlich um die Universität Göttingen, hohe Verdienste. Heeren sagt von ihm in der Biographie von Heyne: „Er war geliebt, auch gehaßt von Einzelnen, gesucht und gescheut von Vielen, geachtet von Allen, selbst denen, die ihn haßten.“ Als Schriftsteller nimmt B. eine bedeutende Stelle durch seine noch jetzt in Geltung stehenden philosophischen Schriften ein. Die vorzüglichsten seiner Schriften sind: „Ueber den gegenwärtigen Zustand der Universität Göttingen.“ 1802. „Betrachtungen über das weibliche Geschlecht und dessen Ausbildung in dem gesitteten Leben.“ 3 Thle. 1802. (Weitere Ausführung seiner bereits 1787 zu Leipzig erschienenen Schrift: „Ueber die Weiber“.) — „Betrachtungen über den Zeitgeist in Deutschland in den letzten drei Decennien des|vorigen Jahrhunderts." 1808. „Ueber das Du und Du zwischen Eltern und Kindern.“ 1809. — „Betrachtungen über Einfluß und Wirkungen des Zeitgeistes auf die höheren Stände.“ 1810. Viele Recensionen in den Göttinger gelehrten Anzeigen und anderen Zeitschriften. Wachler, Litteraturgeschichte III, 317 charakterisirt B. als umsichtig feinen Beobachter der verborgenen Richtungen der Mitwelt und zählt ihn zu den Verbesserern der deutschen Prosa.

    • Literatur

      Allg. Litter.-Zeitung, Halle 1810 Nr. 173 und Heyne, Memoria Ernesti Brandes in: Comment. reg. Societ. 1810. Vol. I.

  • Autor/in

    Spehr.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spehr, Ludwig Ferdinand, "Brandes, Ernst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 241-242 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118673157.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA