Lebensdaten
1916 bis 2001
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Selb (Oberfranken)
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Porzellanindustrieller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118602780 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rosenthal, Philipp (bis 1934)
  • Rosenthal, Philip
  • Rosenthal, Philipp (bis 1934)
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Zitierweise

Rosenthal, Philip, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602780.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (s. 1);
    M Maria Frank (* 1890);
    1) Jocelyn Douglas Taylor, 2) Jane Scatcherd, 3) Bettina Moissi, 4) Jane Scatcherd (s. o.), 5) 1958 Lavinia McLeod, T e. Bankiers in Schottland; Lebensgefährtin Beate Reichel;
    1 T aus 1) Francisca R.-Louw (* 1943, Ben Louw), T Shealagh R.-Weber (* 1960, Doron Weber), S Turpin (* 1962), Vertriebschef d. Rosenthal AG in d. USA, Leiter e. Porzellanfabrik in Könitz (Thür.), S Toby (* 1965), T Julie R.-Kenny (* 1967, Ian Kenny).

  • Leben

    R. erhielt zunächst Privatunterricht, besuchte seit 1926 das Lyzeum Alpinum in Zuoz bei St. Moritz und seit 1932 das Wittelsbacher-Gymnasium in München. 1933 Schüler einer Grammar-School (Klassenkamerad v. Edward Heath) im engl. Ramsgate (Kent), anschließend der Public School, war er seit 1935 Student am Exeter College in Oxford, wo er 1938 den Master of Arts in Philosophie, Politik und Wirtschaftswissenschaften erwarb mit dem Ziel, in Oxford Dozent zu werden. 1939 ging er zur franz. Fremdenlegion, um gegen das Hitler-Regime zu kämpfen, und wurde in Frankreich inhaftiert. 1942 gelang ihm die Flucht über Gibraltar nach England. In London wurde er vom Foreign Office für die Propagandaabteilung als Texter und Sprecher angeworben und erhielt (vermutl. 1942) die engl. Staatsbürgerschaft. 1947 kehrte er nach Deutschland zurück und betrieb die Wiedererlangung des 1934/35 „arisierten“ väterlichen Vermögens. 1950 kam es zu einem Vergleich, nach welchem R. einen Teil des Geldvermögens und 11% der Aktien des väterlichen Unternehmens erhielt. R. wurde in der „Rosenthal AG“ zunächst als Werbeleiter tätig, seit 1952 als Verantwortlicher für die Produktgestaltung, 1954 für den Vertrieb, 1958-81 war er Vorstandsvorsitzender. In diesen Jahren gelang es ihm durch einen völlig neuen Auftritt in der Werbung, das Unternehmen bekannt zu machen, u. a. durch ein einheitliches Erscheinungsbild der Ladenabteilungen und die in vielen größeren Städten etablierten „Rosenthal Studio Häuser“. 1961 initiierte er die „Rosenthal Studio Linie“, für die mehr als hundert international renommierte Designer und Künstler Entwürfe für Geschirr, Zierartikel und Figuren schufen (u. a. Björn Wiinblad, Tapio Wirkkala, Timo Sarpaneva aus Skandinavien, Raymond Loewy u. Richard Latham aus d. USA, Bele Bachem, Hans Theo Baumann u. Walter Gropius aus Dtld., Mario Bellini, Lino Sabattini u. Marcello Morandini aus Italien). In enger Verbindung mit Arnold Bode (1900–77), dem Begründer der Kasseler Documenta, rief er die „Rosenthal Relief Reihe“ ins Leben, unter Mitarbeit von Künstlern wie Henry Moore, Lucio Fontana, Victor Vasarely, Günter Uecker. Die „limitierten Kunstreihen“ setzten dies fort. Die Rosenthal AG etablierte er dauerhaft als Marktführer im Porzellandesign, das Unternehmen wuchs seit den 60er Jahren trotz der Absatzkrisen in der Porzellanindustrie aufgrund der von R. eingeführten Diversifizierung. Neben der technischen Keramik (wesentliche Fabrikationsstandorte 1984 an d. Hoechst AG verkauft) wurden auch Glas, Feinsteinzeug, Besteck und später Möbel unter der Marke Rosenthal produziert und vertrieben. 1963 führte R. ein eigenes Modell der Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivvermögen ein und veranstaltete seit 1956 „Feierabende“ in Selb mit Auftritten international bekannter Künstler. 1964 beauftragte er Walter Gropius (1883–1969) mit der Planung der neuen Porzellanfabrik Rosenthal am Rothbühl (Selb), der auch die 1970 fertiggestellte Rosenthal Glasfabrik in Amberg entwarf. Künstler wie Piene, Hundertwasser und Morandini gestalteten Fabrikfassaden und setzen in der Architektur der Industriestadt Selb Akzente. Das 1953 von der AG erworbene Schloß Erkersreuth, Wohnung R.s, ist heute das kulturelle Zentrum der Rosenthal AG, die 1997 vom brit. Porzellanhersteller Waterford-Wedgwood übernommen wurde.

    1969-84 war R. Vorstandsvorsitzender des Bauhaus-Archivs, leitete die Übersiedlung des Instituts nach Berlin ein und setzte den Bau des nach Entwürfen von Walter Gropius errichteten Museumsgebäudes am Landwehrkanal durch. R. war seit 1969 SPD-Mitglied, 1969-83 Bundestagsabgeordneter, 1970/71 unter Karl Schiller Parlamentar. Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium; dieses Amt legte er wegen Differenzen mit Schiller über die Beteiligung der Arbeiter am Produktivvermögen nieder. Privat trat er durch spektakuläre sportliche Aktionen hervor.|

  • Auszeichnungen

    bayer. Verdienstorden (1968); Social Responsibility in Business Award d. Management Centre Europe, Brüssel (1976); Präs. d. Rates f. Formgebung (1978–87); Ehrendozent am Exeter College (1980); Gr. BVK (1981); Vors. d. AR d. Rosenthal AG (1981–89, Ehrenvors. 1998); Prof. f. Design an d. Bremer Hochschule f. Künste (1988); Ehrenbürger v. Atlanta (Georgia, USA, 1882) u. Selb (1989); niedersächs. Verdienstorden (1993); Präsidiumsmitgl. d. BDI; Aldo-Villa-Preis (1995).

  • Werke

    Das Markenbild v. heute ist der Umsatz v. morgen, Einige Richtlinien f. Rosenthal-Verkäufer, Firmenschr. 1957;
    Einmal Legionär, 1981;
    Mein Elternhaus, Ein Dt. Fam.album, hg. v. R. Pörtner, 1984.

  • Literatur

    H. Schreiber, D. Honisch u. F. Simoneit, Die Rosenthal Story, 1980;
    Rosenthal, Hundert J. Porzellan, Ausst.kat. Stuttgart 1982;
    Rückblick u. Ausblick, Ein Schaulade Gespräch mit P. R., in: Die Schaulade, H. 10, 1976, S. 2-11;
    J. Hauschild, P. R., Made in Germany, 1999;
    C. Goschler, J. Lillteicher (Hg.), „Arisierung“ u. Restitution, Die Rückerstattung jüd. Eigentums in Dtld. u. Österr. nach 1945 u. 1989, 2002, S. 127-59;
    Mit Kunst leben, Hommage P. R., 2003;
    BHdE I;
    Munzinger;
    Biogr. Hdb. MdB.

  • Portraits

    Acryl/Lwd. v. A. Warhol, 1980 (Rosenthal-Archiv, Selb).

  • Autor/in

    Wilhelm Siemen
  • Empfohlene Zitierweise

    Siemen, Wilhelm, "Rosenthal, Philip" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 80-81 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118602780.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA