Lebensdaten
1891 bis 1945
Geburtsort
Genthin bei Jerichow (Provinz Sachsen)
Sterbeort
zwischen Lintorf u. Wedau bei Duisburg
Beruf/Funktion
Generalfeldmarschall
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118582909 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Model, Walter

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Zitierweise

Model, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118582909.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1856–1935), Seminaroberlehrer, später Musikdir., S d. Lehrers Moritz Ludwig Wilhelm (1826–86) u. d. Auguste Amalia Knebel (1831–1915);
    M Marie (1860–1941), T d. Carl Wilhelm Demmer (1819–96), Landwirt in G., u. d. Wilhelmine Sophie Dorothee Nüse (1835–1907);
    1921 Herta (1892–1985), T d. Ing. Friedrich Wilhelm Huyssen u. d. Marie-Luise Rückert (1864–1945);
    1 S, 2 T, u. a. Hansgeorg (* 1927), Brigadegen.;
    N Hans-Dieter (1919–80), Oberst.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1909 am Domgymnasium zu Naumburg trat M. als Fahnenjunker in das Infanterie-Rgt. Nr. 52 in Cottbus ein. Als Adjutant des I. Bataillons seines Regiments zog er 1914 ins Feld. Mehrmals wurde er verwundet. 1916 wurde M. Adjutant der 10. Infanterie-Brigade, 1917 Ordonnanzoffizier beim Chef des Generalstabes des Feldheeres. Anfang 1918 absolvierte er, inzwischen Hauptmann, einen Generalstabskursus in Sedan und war anschließend Zweiter Generalstabsoffizier der Garde-Ersatz-Division und dann der 36. Reserve-Division. Seit Juli 1919 war M. Generalstabsoffizier beim Infanterieführer 7. In Stade bearbeitete er die Rückführung der Freiwilligen-Verbände aus Kurland. Im November 1919 wurde er in das Reichswehr-Infanterie-Rgt. 14 versetzt.

    Mit der Entstehung des 100 000-Mann-Reichsheeres am 1.1.1921 wurde M. Kompaniechef im Infanterie-Rgt. 18 in Münster und noch im selben Jahr Generalstabsoffizier beim dortigen Artillerieführer VI. 1925 wurde er Kompaniechef in Görlitz. Vom Stab der 3. Division in Berlin wurde er am 1.10.1929 als Major in das Reichswehrministerium in Berlin versetzt, wo er der Heeres-Ausbildungsabteilung (T4) zugeteilt wurde. Im Rahmen seiner dortigen Tätigkeit hielt er sich 1931 sechs Wochen lang in der Sowjetunion auf. Außerdem war er als Lehrer für Kriegsgeschichte in der Führergehilfenausbildung tätig; seine historischen Studien galten u. a. Gneisenau. Zusätzlich wurde M. 1932 Chef des Stabes des Reichskuratoriums für Jugendertüchtigung, das Einfluß auf die verschiedenen Wehrverbände nehmen sollte. 1933 ging er als Bataillonskommandeur nach Allenstein. Zum Oberst befördert, wurde er 1934 Kommandeur des Infanterie-Regiments Allenstein und 1935 Chef der 8. Abteilung (Technik) im Generalstab des Heeres in Berlin, wo ihm die Beaufsichtigung der Entwicklung des Sturmgeschützes und des schweren Mörsers 13 oblag (1.3.1938 Generalmajor).

    Seit 10.11.1938 Chef des Generalstabes des IV. Armeekorps in Dresden, beteiligte sich M. im Rahmen der 10. Armee des Generals v. Reichenau am Polenfeldzug. Als Chef des Generalstabes der 16. Armee (seit 23.10.1939) machte er den Frankreichfeldzug mit (1.4.1940 Generalleutnant). Am 13.11.1940 wurde M. Kommandeur der 3. Panzerdivision, am 26.10.1941 General der Panzertruppe und Kommandierender General des XXXXI. Armeekorps, das auf dem Weg nach Moskau bei Kalinin stand. Er wollte sich nicht eingestehen, daß die Truppe für einen Sturm auf Moskau, der Mitte November wieder anlief, zu schwach war. Am 4.12.1941 stießen seine Verbände bis wenige Kilometer nördlich von Moskau vor. In den folgenden Tagen schlug der Gegner jedoch zurück und zwang zum Rückzug. Am 18.1.1942 übernahm M. die 9. Armee (1.2.1942 Generaloberst), die am Rschew-Bogen stark bedrängt wurde. Zwei Wochen später konnte M. die erste Abwehrschlacht für sich entscheiden, mußte sich jedoch in der Operation „Schnecke“ der noch starken russ. Verbände und Banden erwehren. Am 23.5.1942 erlitt er mit einem Lungendurchschuß eine schwere Verwundung, wodurch er für zweieinhalb Monate dem Kriegsgeschehen entzogen war. Ende September war der erneute Angriff des Gegners erfolgreich zurückgeschlagen. Nachdem dieser jedoch seit Ende November bei Stalingrad Erfolge erringen konnte, setzte er auch zu einem neuerlichen Angriff auf die 9. Armee im Rschew-Bogen an. Wieder konnte M. seinen vorgeschobenen Posten halten, mußte sich aber nach der Katastrophe von Stalingrad dem Befehl zum Rückzug (28.2.-22.3.1943) beugen. Anerkennung fanden seine Leistungen bei der Durchführung des einzigen planmäßigen Rückzuges an der Ostfront, der “Büffel-Bewegung“. Seit dem 5.7.1943|war M.s Armee am Unternehmen „Zitadelle“ im Kursker- und Orel-Bogen maßgeblich beteiligt. M. hatte von diesem Unternehmen abgeraten, da seine Armee zu schwach war, sich aber dann doch Hitlers Anweisungen gefügt. Im Juli und August 1943 führte er zusätzlich die 2. Panzerarmee. Am 4. August mußte er Orel räumen und dem offensiven Gegner Stück um Stück weichen. Am 3.11.1943 wurde er in die Führerreserve versetzt, zwei Monate später in das Führerhauptquartier in der „Wolfsschanze“. Am 31.1.1944 wurde er mit der Führung der Heeresgruppe Nord beauftragt (1.3.1944 Generalfeldmarschall), am 31. März in der Nachfolge Mansteins mit der Führung der Heeresgruppe Nordukraine (seit Mai als deren Oberbefehlshaber). Nach der Katastrophe bei der Heeresgruppe Mitte im Juni 1944 wurde M. gleichzeitig für knapp zwei Monate die Führung auch dieser Heeresgruppe anvertraut. Es war seinem Geschick zu verdanken, daß eine zusammenhängende Abwehrfront geschaffen und die russ. Offensive zum Stehen gebracht werden konnten. Am 16.8.1944 wurde M. – als Nachfolger Kluges – zum Oberbefehlshaber West und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B in Frankreich ernannt, wo er jedoch das Blatt nicht mehr wenden konnte. Auf eigenen Wunsch gab er am 4.9. die Aufgaben des Oberbefehlshabers West ab, behielt aber die Führung der Heeresgruppe B. Bald gelang es ihm, wieder eine zusammenhängende Frontlinie zwischen der Scheidemündung und Beifort zu bilden. Maßgeblich war er an der Planung und Durchführung der Ardennenoffensive vom Dezember 1944 beteiligt, wobei er zuletzt Hitlers „Großer Lösung“ zugestimmt hatte. Am 16. Dezember begann ein Überraschungsangriff, den die Allierten erst nach einer Woche zum Stillstand bringen konnten. Erst gegen Kriegsende von der Aussichtslosigkeit der Lage überzeugt, löste M. am 17.4.1945 seine Heeresgruppe im Ruhrkessel auf und wählte den Freitod.

    M. gehörte zu den jüngsten Offizieren, die zwischen 1936 und 1945 den Rang eines Generalfeldmarschalls erhielten. Er verstand sich als unpolitischer Offizier, war jedoch als überzeugter Antikommunist treuer Gefolgsmann Hitlers; ihm verdankte er in erster Linie seine steile Karriere. Vor den Greueltaten des Nazi-Regimes verschloß er die Augen. Als Optimist war er geneigt, Schwierigkeiten zu ignorieren. M. war persönlich ein tapferer Soldat, selbstbewußt, temperamentvoll und von kaum zu bändigendem Tatendrang. Er suchte ständig die Nähe zu den Brennpunkten der Front, um den Soldaten durch seine Einsatzbereitschaft und Unerschrockenheit Mut zu machen.|

  • Auszeichnungen

    Eisernes Kreuz I. Kl. (1915), Ritterkreuz d. Hausordens v. Hohenzollern mit Schwertern (1917), Ritterkreuz d. Eisernen Kreuzes (1941) mit Eichenlaub (1942), Schwertern (1943) u. Brillanten (1944).

  • Werke

    Gneisenau, in: Führertum, hrsg. v. Reichswehrmin., 1930, S. 305-22.

  • Literatur

    O. E. Moll, Die dt. GFM 1935-1945, bearb. v. W. W. Marek, 1961;
    Dt. Soldaten-Jb. 1965, S. 15 (P);
    K. Leppa, GFM W. M., Von Genthin bis vor Moskaus Tore, o. J. (ca. 1961) (P);
    W. Görlitz, M., Strategie d. Defensive, 1975 (L, P);
    F. W. v. Mellenthin, in: Dtld.s Generale d. 2. Weltkriegs, 1980, S. 154-65;
    Carlo D'Este, in: Hitler's Generals, hrsg. v. C. Barnett, 1989, S. 318-33 (P);
    H. Model u. D. Bradley, GFM W. M., Dokumentation e. Soldatenlebens 1891-1945, 1991 (P);
    J. Ludewig, in: Militär-Gesch. NF 1, 1991, S. 69-75 (L, P).

  • Autor/in

    Dermot Bradley
  • Empfohlene Zitierweise

    Bradley, Dermot, "Model, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 597 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118582909.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA