Lebensdaten
1873 bis 1913
Geburtsort
Braunschweig
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118554174 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Huch, Friedrich

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Zitierweise

Huch, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118554174.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Felix (s. 1);
    Vt Rudolf (s. 4); Cousine Ricarda (s. 3); - ledig.

  • Leben

    Nach Studienjahren in Berlin, Paris und München (Dr. phil.) lebte H., der mehrere Jahre als Erzieher in Hamburg und Russisch-Polen tätig gewesen war, ganz seiner schriftstellerischen Arbeit. Während seines in München-Schwabing verbrachten letzten Lebensjahrzehnts stand er mit Thomas Mann, Stefan George, Ludwig Klages und Ricarda Huch, seiner Cousine, in naher Verbindung. Der natur- und wanderfrohe, sportlich gestählte Mann starb einen frühen Tod.

    Als Erzähler beginnt H. mit dem Roman „Peter Michel“ (1901), der tragikomischen Geschichte eines Schustersohnes, der Gymnasiallehrer wird und dessen Dasein im Philisterium versandet. Rilke bewunderte dieses Buch mit seinem Nebeneinander von Großem und Kleinem, Unheimlichem und Hoffnungslosem, Tiefem und Alltäglichem. Die Linie des Humoristischen setzt H. in dem Roman „Pitt und Fox“ (1909) fort, der von den Liebeswegen des Brüderpaares Sintrup und ihren Begegnungen mit Originalen aller Art erzählt. Eine andere Wesensart seines Schaffens lassen die Romane „Geschwister“ (1903) und „Wandlungen“ (1905) erkennen, die handlungsmäßig zusammengehören und die Entwicklungsgeschichte einer gräflichen Familie in einer den sozialen Kämpfen entrückten Stille darstellen: Liebes- und Eheprobleme, vor allem aber die Entwicklung der kindlichen Psyche und ihre schmerzvollen Begegnungen mit der Wirklichkeit der Erwachsenen. Die Welten des Traumes, des Unbewußten und des erwachenden Eros tun sich auf. Dem Hang zum stimmungshaften Verfließen bietet die Gegenständlichkeit der gelassenen epischen Erzählweise künstlerischen Widerpart. Unmittelbaren Einblick in Traumbereiche vermittelt das Buch „Träume“ (1904), während der Roman „Mao“ (1907) mit den Mitteln eines seelisch verfeinerten Impressionismus in das melancholische Innere eines Knaben leuchtet, der, nicht unverwandt Thomas Manns Hanno in den „Buddenbrooks“, an den Härten einer gnadenlosen Wirklichkeit zerbricht. Die musikalische Seite von H.s Wesen offenbart der Roman „Enzio“ (1911), die Tragödie eines hochbegabten jungen Künstlermenschen, dem es an Selbstzucht fehlt, so daß er im Ringen um das große Kunstwerk erliegt und sich zuletzt in Verzweiflung selbst den Tod gibt. Die Handlung wird umrankt von Gesprächen über Kunst, im besonderen über Musik. Von den postum erschienenen „Erzählungen“ (1914, Porträt) bringen die meisten eine Konfrontation mit dem Tode, als ahnte der Dichter bereits sein unmittelbar bevorstehendes Ende.

  • Werke

    Weitere W Tristan u. Isolde, Lohengrin, der fliegende Holländer, 1911 (Groteske Komödien);
    Neue Träume, Mit Bildern v. A. Kubin, 1921;
    Karl Wilhelm Ferdinand, 1922 (Romanfragment);
    Der Gast, 1925 (Erzz.). -
    Ges. Werke, 4 Bde., 1925, hrsg. mit Vorwort v. Th. Mann. |

  • Nachlaß

    Nachlaß im Stadtarchiv Braunschweig.

  • Literatur

    A. Kleinberg, in: BJ 18 (L);
    R. Denecke, F. H. u. d. Problematik d. bürgerl. Welt in d. Zeit ihres Verfalls, 1937;
    M. Kaderschafka, Der Träumer F. H., Diss. Wien 1948;
    Soergel I (P);
    Soergel-Hohoff I;
    Kosch, Lit.-Lex. (L).

  • Autor/in

    Adalbert Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Adalbert, "Huch, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 704 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118554174.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA