Lebensdaten
1879 bis 1942
Geburtsort
Berlin
Beruf/Funktion
Philologin ; Professorin für niederdeutsche Philologie in Hamburg
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116747668 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lasch, Agathe
  • Lasch, Agathe Luise Sara
  • Lasch, Agathe
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Lasch, Agathe Luise Sara, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116747668.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus einer d. 50 jüd. Fam., die d. Gr. Kurfürst ins Land rief, um d. darniederliegenden Handel zu beleben. V N. N., Kaufm. (Holzhandlung) in B.;
    M N. N. Milch aus Breslau.

  • Leben

    L. wurde zunächst Lehrerin an höheren Schulen in Berlin und Halle/Saale. Nach ihrem gleichzeitig vorbereiteten Abitur begann sie in Halle unter dem besonderen Einfluß des Phonetikers und Mundartforschers O. Bremer Philologie zu studieren. Bremer lenkte ihr Interesse auf Geschichte und Grammatik des Niederdeutschen. Seit 1907 studierte sie in Heidelberg und wurde zwei Jahre später bei W. Braune mit dem ersten Teil ihrer „Geschichte der Schriftsprache in Berlin bis zur Mitte des 16. Jh.“ promoviert. Die gute Aufnahme des ganzen Buches (1910, Nachdr. 1972), das mit seiner engen Verbindung von Sprachgeschichte und sozio-kultureller Entwicklung zum Vorbild für weitere lokale Sprachgeschichten des niederdt. Sprachraums wurde, verschaffte ihr 1910 eine Stelle als Associate in Teutonic Philology and German am Bryn Mawr College in Pennsylvania (USA) (Associate Professor 1913). Hier entstand auch ihr Hauptwerk, die nach junggrammatischem Muster angelegte, mit der Berücksichtigung auch lokal gebundener gebrauchssprachlicher Quellen richtungweisende „Mittelniederdeutsche Grammatik“ (1914, 21974).

    1917, kurz vor Eintritt der USA in den Krieg, kehrte L. auf eigenen Wunsch nach Deutschland zurück, wo C. Borchling sie als Assistentin ans Deutsche Seminar in Hamburg holte. Nach der Habilitation 1919 wurde sie 1923 als erste Frau an der Hamburger Universität zum Professor ernannt und 1926 auf ein planmäßiges Extraordinariat für niederdeutsche Philologie berufen. Sie begründete in ihren Hamburger Jahren zwei großangelegte Wörterbuchunternehmen: das „Hamburgische Wörterbuch“ und – zusammen mit Borchling – das „Mittelniederdeutsche Handwörterbuch“, mit dessen Veröffentlichung 1928 begonnen wurde. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt war die niederdeutsche Sprache des 17. und 18. Jh. In den beiden großen Aufsätzen „Beiträge zur Geschichte des Niederdeutschen in Hamburg“ (1918) und „Die Mundart in den nordniedersächs. Zwischenspielen des 17. Jh.“ (1920) lieferte L. der niederdeutschen Sprachgeschichtsschreibung wichtige methodische Anregungen. Weitere Arbeiten verfaßte sie zum Voraltsächsischen, Altsächsischen, Mittelniederdeutschen (programmatisch der Aufsatz „Vom Werden und Wesen des Mittelniederdeutschen“, 1924) und zu den neuniederdeutschen Mundarten. Primär für den akademischen Unterricht gedacht war die Textsammlung „Aus alten niederdeutschen Stadtbüchern“ (1925).

    Als Jüdin wurde L. trotz mehrerer Petitionen aus dem In- und Ausland 1934 aus dem Staatsdienst entlassen und der Möglichkeiten, wissenschaftlich zu arbeiten und zu publizieren, nach und nach beraubt. Ihre letzten Arbeiten konnten, soweit sie nicht in Finnland erschienen, nicht mehr veröffentlicht werden. Die Annahme von Berufungen an ausländische Universitäten verhinderten deutsche Behörden. Am 13.8.1942 wurde L. in Berlin, wo sie seit 1937 wieder lebte, verhaftet und blieb seitdem verschollen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Ausgew. Schrr. z. niederdt. Philol., hrsg. v. R. Peters u. T. Sodmann, 1979 (vollst. Verz. d. Schrr. z. Sprach- u. Lit.wiss., P).

  • Literatur

    C. Borchling, in: Niederdt. Mitt. 2, 1946, S. 7-21;
    D. Möhn, Niederdt. Tage in Hamburg 1979, hrsg. v. F. W. Michelsen, 1979, S. 140-44;
    Jb. d. Ver. f. niederdt. Sprachforschung 82, 1959, S. 1-10 (W, L, P);
    Jürgen Meier, ebd. 103, 1980, S. 7-13;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1931.

  • Autor/in

    Jürgen Meier
  • Empfohlene Zitierweise

    Meier, Jürgen, "Lasch, Agathe Luise Sara" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 645 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116747668.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA