Lebensdaten
erwähnt 1487, gestorben wahrscheinlich 1518 oder 1520
Beruf/Funktion
Humanist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 103155074 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hermansgrün, Johannes ex Lupis (Selbstnennung)
  • ex Lupis Hermansgrün, Johannes (Selbstnennung)
  • Lupis de Hermansgrün, Johannes (Selbstnennung)
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Zitierweise

Hermansgrün, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd103155074.html [19.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Vogtländ. Fam.

  • Leben

    H.s Leben verlief wechselvoll und unruhig, die Spuren seiner Tätigkeit sind weit gestreut und schwer zu fassen. Viele Einzelheiten, wie etwa die unklare Selbstnennung „Johannes ex Lupis Hermansgrün“, bedürfen noch genauerer Untersuchungen, die aber nicht so bald zu erwarten sind, da H. von der modernen Forschung wohl mit Recht als zweitrangig behandelt wird.

    H. ist 1487 als Mitbesitzer des Gutes Alt-Schönfels in der Nähe von Zwickau belegt. Er hatte in Rom bei Pomponius Laetus studiert und stand zunächst im Dienste Kurfürst Friedrichs III. (des Weisen) von Sachsen, den er vermutlich nach Palästina begleitete. 1495 war er Gesandter EB Ernsts von Magdeburg, des Bruders Kurfürst Friedrichs, am Reichstag in Worms. Aus diesem Anlaß schrieb er|eine Denkschrift, die er in der Form einer Traumerzählung in humanistischer Manier verfaßte. In den folgenden Jahren stand er mit Reuchlin, Sebastian Brant und Boleslaw Lobkowitz Hassenstein in Verbindung. 1504 fuhr er nochmals in den Orient, doch wissen wir auch von dieser Reise wenig. 1518 dürfte er noch am Leben gewesen, aber noch vor 1520 gestorben sein. – In seinem Hauptwerk, dem „Somnium“, das er Kurfürst Friedrich widmete, mahnte er, die Verhältnisse im zerrütteten Reiche zu bessern. Die Schrift gehört in die seit der Mitte des 15. Jahrhundert weit verbreitete Gattung der Reformtraktate, die sich in düsteren Prophetien ergingen oder in Visionen die bessere Vergangenheit beschworen und die Wiederkehr eines großen Kaisers erwarteten. Entsprechend diesem Schema berichtet auch H., er habe geträumt, zu Magdeburg sei eine Reichsversammlung zusammengetreten, auf der Karl der Große, Otto der Große und Friedrich II. Barbarossa (!) erschienen seien. Der Staufer habe hier das Wort ergriffen und harte Kritik an dem Verhalten der Fürsten und den Zuständen im Reich unter Maximilian I. geübt. H. läßt Friedrich zur Einheit aufrufen und erhöhten Einsatz im Kriege gegen Türken und Frankreich verlangen. Ein Konzept wird entworfen, in dem die Eroberung Italiens als vordringlich erscheint und an die Fürsten appelliert wird, sich diesen Zielen zu verschreiben. Der sprachlich bemerkenswerte, aber inhaltlich im Vergleich zu anderen Arbeiten dieser Art eher dürftige Traktat ist absichtlich unklar entworfen und daher schwer zu interpretieren. Meist wird darin ein Angriff auf Maximilian vermutet, doch ist neuerdings auch die Ansicht geäußert worden, die Schrift wollte diesen in seiner Politik unterstützen. Größere Wirkung blieb dem Werk versagt; es geriet in Vergessenheit, der es erst im 19. Jahrhundert wieder entrissen wurde.

  • Werke

    Der Traum d. H. v. H., Eine pol. Denkschr. a. d. J. 1495, hrsg. v. H. Ulmann, in: Forschungen z. Dt. Gesch. 20, 1880.

  • Literatur

    ADB XII;
    H. Ulmann, s. W, S. 67-78;
    II. Wiesflecker, Der Traum d. H. v. H., eine Reformschr. aus d. Lager d. Kg. Maximilian I., in: Festschr. Karl Eder z. 70. Geb.tag, 1959, S. 13-32;
    F. H. Schubert, Die dt. Reichstage in d. Staatslehre d. frühen Neuzeit, 1966, S. 128-33.

  • Autor/in

    Heinrich Koller
  • Empfohlene Zitierweise

    Koller, Heinrich, "Hermansgrün, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 665 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd103155074.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hermansgrün: Hans H. (er nennt sich selbst Joannes ex Lupis de H.Hermansgrün), Humanist und Politiker am Ende des 15. Jahrhunderts. Von seinem Leben weiß man wenig. Er studirte in Italien unter Pomponius Laetus, kehrte nach Deutschland zurück, erscheint 1487 als Mitbesitzer des Edelhofs Alt-Schönfeld in der Nähe von Zwickau, scheint 1493 in Begleitung Friedrichs d. Weisen in Palästina gewesen zu sein und war seitdem in manchen Aemtern thätig. Wichtig ist er einerseits wegen seiner Beziehungen zu Reuchlin, andererseits wegen einer politischen Schrift. Beide gehören dem J. 1495 an. Er war nämlich damals im Auftrage des Erzbischofs Ernst von Magdeburg als Gesandter nach Worms geschickt worden und kam von hier aus in Verbindung mit Reuchlin, (Vgl. Reuchlin's Briefwechsel, S. 43—46) dem er freilich mehr litterarische als politische Mittheilungen machte. Kurz vorher (23. März 1495) hatte er eine politische Schrift: „Somnium“ geschrieben und sie dem Herzog Friedrich von Sachsen gewidmet. In dieser glaubt er sich in eine große Reichsversammlung|versetzt, vor welcher Karl d. Gr., Otto I. und Friedrich Barbarossa (er nennt ihn Federicus secundus Romanorum imperator Barbarossa cognominatus) erscheinen. Der letztere hält den Versammelten eine große Rede, in der er von den beiden Deutschland drohenden Kriegen gegen die Türken und die Franzosen gewaltige Worte macht, die Gefährlichkeit Karls VIII., der durch den italienischen Krieg seine Macht bekundet habe, ausführlich schildert, die Deutschen wegen ihrer neuen Bewaffnung (nämlich der der Landsknechte mit langen Spießen) tadelt, zur Beschickung des Reichstages ermuntert und sie zur Wahrung ihrer geschichtlich ererbten Größe und ihrer nationalen Freiheit und Selbständigkeit ausruft. — Im Januar 1497 war H. noch im magdeburgischen Dienste, ging als Gesandter nach Prag, von wo aus er einen Brief an Reuchlin schrieb (Briefwechsel, S. 52) und befand sich 1498 auf dem Reichstage von Freiburg, von wo aus er Sebastian Brant in Straßburg besuchte. In Böhmen ist er wol mit Bohuslaus von Hassenstein in Beziehungen getreten, von denen zwei Briefe des letztern aus dem J. 1501, welche erhalten sind, Zeugniß ablegen. Dann kehrte er, wie es scheint, nach seinem Gute Alt-Schönfeld zurück und lebte hier in wissenschaftlicher Muße, in welcher er auch dem Erasmus Stella dienstwillig war, der aber den Namen seines Correspondenten zur Unterstützung seiner gelehrten Fälschungen mißbrauchte. Diese Muße unterbrach er durch eine Reise nach Palästina und Egypten, welche er mit dem Grafen Hoyer von Mansfeld unternahm, zu der er, wie er aus Lyon am 9. Januar 1504 an Sebastian Brant schreibt, den letztern, den romanissimus, den aus einer nicht römischen Stadt (Basel) in eine dem römischen Reich ungehörige (Straßburg) Ausgewanderten, als Begleiter und Erklärer der Alterrhümer zu haben wünschte (Ch. Schmidt, Hist. lit. de l'Alsace. Paris 1879. I. 208, 212, 218). Was er auf dieser Reise erlebt hat und wann er von derselben zurückgekehrt ist, weiß man nicht; es scheint, daß er noch 1518 gelebt hat, aber vor 1520 gestorben ist.

    H. Ulmann, Der Traum des Hans von Hermansgrün. Eine politische Denkschrift aus dem J. 1495 in: Forschungen zur deutschen Geschichte, XX. (1880) S. 67—92.

  • Autor/in

    Ludwig , Geiger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiger, Ludwig, "Hermansgrün, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 189-190 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd103155074.html#adbcontent

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