Lebensdaten
erwähnt 1168, gestorben 1200
Beruf/Funktion
Erzbischof von Salzburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102417997 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Adelbert III.
  • Adalbert von Böhmen
  • Vojtech
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Zitierweise

Adalbert III., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102417997.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Herzog, seit 1158 König Wladislaw II. von Böhmen, M Gertrud, T des Markgrafen Leopold von Österreich

  • Leben

    A. wurde in der von seinem Vater gegründeten Prämonstratenserabtei Strahov in Prag erzogen und am 1.11.1168 dank der hervorragenden Stellung seines Hauses und seiner verwandtschaftlichen Beziehungen zum Erzbischof von Salzburg gewählt. Da er vor der Konsekration nicht um die Belehnung mit den Regalien nachgesucht hatte und Anhänger Alexanders III. war, wurde er im August 1169 trotz der Bitten des Kapitels und seines Vaters von Friedrich I. zum Verzicht auf die Temporalien gezwungen; auf dem Reichstag zu Regensburg erfolgte am 26.5.1174 die Wahl des Propstes Heinrich von Berchtesgaden zum Erzbischof. A., zunächst von Alexander III. gestützt, mußte schließlich bei den Friedensverhandlungen in Venedig (1177) trotz seiner Rechtfertigungsschrift (MG SS 17, S. 503-06) ebenso wie Heinrich von Berchtesgaden auf das Erzbistum in die Hände des Papstes resignieren, das Konrad von Wittelsbach erhielt. Doch nach der Rückberufung des letzteren auf den von diesem bereits früher innegehabten erzbischöflichen Stuhl von Mainz (1183) wurde A., der unterdessen in Aquileja und seiner Heimat Böhmen geweilt hatte, ex praecepto imperatoris von neuem gewählt und am 19.11.1183 inthronisiert. Das Verhältnis zu Friedrich I. wie zu dessen Nachfolger Heinrich IV. war von da ab ungetrübt. Papst Lucius III. bestätigte ihm die mehrfach bestrittene Abhängigkeit des Bistums Gurk. Cölestin III. übertrug ihm am 21.1.1194 das Amt eines Legaten für die norische Kirchenprovinz. Überhaupt war die Zeit seiner zweiten Regierung bei seinem durch Alter und Erfahrung gefestigteren Wesen eine glücklichere als die frühere. Getrübt wurde sie in den letzten Jahren durch die Streitigkeiten um die Salzbergwerke. Im Januar 1196 zog er bewaffnet gegen Reichenhall, brannte die Stadt (mit Ausnahme von St. Zeno) nieder und erbaute die Hallburg. Gegen Kirchen und Klöster (St. Peter, Admont, Vorau) erwies er sich wohltätig. So bewahren ihm die Klosterannalen ein freundliches Andenken: als vir gravis et appetens quietis wird er von ihnen gerühmt.

  • Literatur

    ADB I (unter Adelbert);
    A. v. Meiller, Regg. z. Gesch. d. Salzburger Erzbischöfe, Wien 1866;
    H. Widmann, Gesch. Salzburgs I, 1907, S. 273 ff., 282 ff.;
    Hauck IV, S. 293, 296, 304, 307, 311;
    W. Hauthaler - F. Martin, Salzburger UB II, Salzburg 1916, S. 538;
    W. Fischer, Personal- u. Amtsdaten d. Erzbischöfe v. Salzburg (798–1519), Diss. Greifswald, 1916, S. 51;
    S. Riezler, Gesch. Baierns I, 21927, S. 336-42, 350 f.;
    E. Tomek, Kirchengesch. Österr.s I, Innsbruck 1935, S. 156-58;
    Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques I, 1912, Sp. 450 f.;
    LThK.

  • Autor/in

    Andreas Bigelmair
  • Empfohlene Zitierweise

    Bigelmair, Andreas, "Adalbert III." in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 46-47 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102417997.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Adelbert, Erzbischof von Salzburg, 8. April 1200; Sohn des vom Kaiser Friedrich I. zum König erhobenen Herzog Wladislaw II. von Böhmen, und Gertruds, der Tochter des Markgrafen Leopold von Oesterreich, lebte als|Diacon in einem böhmischen Kloster, als er nach dem, am 28. Sept. 1168 erfolgten Tode Erzbischof Konrads II. von Salzburg, seines mütterlichen Oheims, einstimmig zum Nachfolger desselben gewählt, insgeheim nach Salzburg geholt und dort am 1. Nov. 1168 inthronisirt wurde; am 15. März 1169 empfing A. durch Udalrich, Patriarchen von Aquileja, die erzbischöfliche Weihe, vom Papst Alexander III. bald danach das Pallium. Ohne von Kaiser Friedrich I. die Regalien empfangen zu haben, übte A. doch alle erzbischöflichen Rechte aus; der erzürnte Kaiser ließ ihn daher, als er Pfingsten 1169 in Begleitung seines Vaters vor ihm in Bamberg erschien, nicht einmal vor; beim Erscheinen des Kaisers im Salzburgischen von seinen Ministerialen im Stich gelassen, mußte A. auf seine Würde Verzicht leisten und ging in die österreichischen Klöster Admont und Vorau. Bald jedoch trat er, der Verzicht widerrufend, wieder als Erzbischof im Salzburgischen auf und suchte vergebens durch Verschleuderung der Kirchengüter sich Anhänger zu gewinnen, während der Clerus, über seine Gewaltsamkeit entrüstet, mit dem Kaiser über eine Neuwahl verhandelte. Alexander III. nahm A. in Schutz; ein Versuch durch Vermittelung des Erzbischofs Wichmann von Magdeburg (1171) mit dem Kaiser Frieden zu machen, blieb erfolglos; doch ließ sich A. schließlich zur Ausstellung einer von seinem Vater unterzeichneten Verzichturkunde bestimmen, durch deren Vorweisung der Kaiser auf einem im Februar 1172 zu Salzburg gehaltenen Tage die Intriguen, durch welche A. sich der angelobten Stellung vor einem Fürstengerichte wieder zu entziehen suchte, zerriß. Durch seines Vaters Abdankung seiner Hauptstütze beraubt, von dem einsichtigen Cardinallegaten Konrad von Wittelsbach in seinen Willkürlichkeiten ernstlich gehindert, wußte A. seine Sache doch noch bis Mai 1174 hinzuschleppen, wo er durch Spruch des Fürstengerichtes zu Regensburg förmlich abgesetzt und Propst Heinrich von Berchtesgaden statt seiner zum Erzbischof von Salzburg erhoben wurde. Alexander III. hielt Adelberts Sache noch aufrecht, lud ihn jedoch 1177 nach Venedig vor, damit er sich gegen die von dem Salzburger Clerus wider ihn erhobenen Anklagen verantworte. Doch mußte der Papst A. dem Kaiser opfern: trotz aller Gegenbemühungen Adelberts bestimmte der Venediger Friede die Absetzung desselben, stellte demselben jedoch später Entschädigung in Aussicht. A. lebte nun zuerst bei Udalrich von Aquileja, dann als Propst zu Melnik in Böhmen, vom Papste durch die Legation geehrt, doch ohne Einfluß. Als aber der statt seiner zum Erzbischof von Salzburg erhobene Konrad (III.) von Wittelsbach den Mainzer Erzstuhl erhielt, wurde A. am 19. Sept. 1183 unter des Kaisers Zustimmung einstimmig wieder zum Erzbischof erwählt und hat diese Stellung bis zu seinem Tode bekleidet. Sein Ansehen bezeugt die von ihm erwirkte Urkunde Papst Lucius' III. vom 3. Dec. 1184 über die Bestätigung der Privilegien der Salzburger Kirche und namentlich deren Hoheit über das nach Unabhängigkeit strebende Bisthum Gurk. In die Reichsangelegenheiten griff A. ein durch seine erfolgreiche Verwendung für König Richard von England bei dem sterbenden (26. Dec. 1194) Leopold von Oesterreich und durch die Betheiligung an der Wahl Philipps von Schwaben zum König (1198). 1186 half er seinem durch einen Aufstand aus Böhmen verjagten Bruder Herzog Friedrich wieder zur Herrschaft; griff auch in die zwischen seinen Brüdern Friedrich, Wladislaw und Premysl in Böhmen entstandenen Wirren, wie es scheint, zu Gunsten des letzten ein. Seiner Diöcese stand A. nach seiner Wiedererhebung mit Glanz und verdienstlich vor: doch hatte er 1196 einen Aufstand der Stadt Reichenhall gewaltsam niederzuwerfen und 1198 mit aufsässigen Ministerialen zu kämpfen, die ihn, wie es scheint, vierzehn Tage in Werfen eingeschlossen hielten und zu einem Vergleich zwangen.— W. Schmidt, Die Stellung der Erzbischöfe von Salzburg u. das Erzstift von|Salzburg zu Kirche und Reich unter K. Friedrich I. Wien 1865. (Vgl. Meiller, Regesta archiepiscoporum Salisburgensium.)

  • Autor/in

    H. Prutz.
  • Empfohlene Zitierweise

    Prutz, Hans, "Adalbert III." in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 69-71 unter Adelbert [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102417997.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA