Lebensdaten
1887 bis 1939
Geburtsort
Koblenz
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Handelskammersyndikus
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 14005748X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lütke, Albert

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Zitierweise

Lütke, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd14005748X.html [19.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Albert (* 1847) aus Fredeburg (Sauerland), Gründer e. Textilkaufhauses in K., Mitbegr. d. Westdt. Handelsges. Gebr. Sinn & Co. AG in Köln;
    M Sophie Ermke (* 1849) aus Fredeburg;
    Hamburg 1922 Thekla Brüggemann;
    1 S.

  • Leben

    Nach dem Jurastudium in Freiburg, München und Bonn, unterbrochen durch Militärzeit und Kriegsdienst 1913–18, legte L. Ende 1918 das Assessorexamen ab und trat nach kurzer Tätigkeit im Textilgroßhandel im Sommer 1919 als Syndikus in die Geschäftsführung der Handelskammer zu Saarbrücken und des mit ihr eng verbundenen Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen im Saargebiet ein. Die gemeinsame Geschäftsführung für Kammer und Wirtschaftsverbände, ein auf C. F. v. Stumm-Halberg und Alexander Tille zurückgehendes Merkmal der Saarwirtschaftsorganisation, erhielt unerwartete Bedeutung, als das Saargebiet durch das Saarstatut im Versailler Vertrag 1920 für 15 Jahre der Verwaltung durch den Völkerbund unterstellt wurde, um Frankreich die Nutzung der als Reparation übereigneten Saarkohlengruben zu erleichtern. Im Besitz des Saarbergbaus erzwang Frankreich nicht nur die Kapitalüberfremdung in bedeutenden Unternehmungen, sondern auch die Eingliederung des Saargebiets in das franz. Währungsgebiet, obgleich der Versailler Vertrag nur den Zollanschluß vorgesehen hatte. Gegenüber der so geschaffenen völligen Abhängigkeit von der franz. Währungs- und Handelspolitik verzichtete die vom Völkerbund bestellte internationale Regierungskommission des Saargebietes weitgehend auf eigene wirtschaftspolitische Initiativen. So kam die Wahrnehmung der Interessen von Bevölkerung und Wirtschaft fast ganz den im Saarstatut ausdrücklich garantierten Selbstverwaltungsorganen der Wirtschaft und der Kommunalverwaltung zu.

    L. folgte im Frühjahr 1925 auf Max Schlenker als Erster Syndikus und Hauptgeschäftsführer von Kammer und Verein. Fortan war er wie kein anderer Vertreter der Wirtschaft in allen Phasen an der Auseinandersetzung um die Saar, um die Erhaltung ihrer Verbindung mit dem reichsdeutschen Markt und an der Abwehr weiterer Überfremdungsversuche maßgeblich beteiligt, häufig auch als Sachverständiger in den internationalen Verhandlungen. Seine Initiativen führten zu entscheidenden Weichenstellungen auf dem Wege zur schließlichen Rückgliederung der Saar in das Deutsche Reich. Auf L.s Vorschlägen beruhte die nach der Schließung der deutsch-saarländ. Zollgrenze 1925 von der Reichsregierung beschlossene Stundung der Einfuhrzölle auf Saarerzeugnisse, womit vor allem der Saareisenindustrie der deutsche Markt erhalten blieb. Da dieses Entgegenkommen auch dem Absatz der französisch beherrschten Saarwerke zugute kam, wurde von diesen die franz. Regierung gedrängt, dem Provisorium der Stundung die endgültige Regelung in Form der deutsch-franz. Saarzollabkommen folgen zu lassen. Diese erstmalige Korrektur des Versailler Vertrages leitete den Rückzug der franz. Wirtschaft aus dem Saargebiet ein, der sinnfällig Ausdruck fand in den Verhandlungen von 1929/30, in denen eine vorzeitige politische Rückkehr des Saargebiets zum Reich – unter Verzicht auf die für 1935 vorgesehene Volksabstimmung – angestrebt wurde. Zwar scheiterten diese Verhandlungen an den franz. Forderungen nach einer weiteren politischen Absicherung des Interesses an der Saarkohle, aber L. hatte als Sachverständiger Gelegenheit, der Reichsregierung ein Programm für die bei der politischen Rückgliederung notwendigen wirtschaftlichen Maßnahmen vorzulegen, womit eine Arbeitsunterlage für die Vorbereitung von Abstimmung und Rückgliederung 1935 gegeben war. Die Wiedereingliederung der Saarwirtschaft in den deutschen Markt unter Aufrechterhaltung des Warenverkehrs mit Frankreich war für L. das Hauptthema in den Jahren vor und nach der Volksabstimmung vom 13.1. und der ihr folgenden Rückgliederung vom 1.3.1935. Diesem Ziel galt auch das von ihm seit 1926 geförderte Projekt eines Anschlusses der Saar an das deutsche Wasserstraßennetz durch den Bau eines Kanals von der Saar durch die Pfalz zum Rhein. Auf die Zurückstellung dieses Projektes durch die Reichsregierung antwortete L. mit der Forderung nach Kanal-Ersatz-Tarifen der Reichsbahn, die als sog. Als-Ob-Tarife (als ob der Kanal bestünde) bewilligt und auch 30 Jahre später in der Europ. Gemeinschaft für Kohle und Stahl wieder praktiziert wurden. – Als nach der politischen Rückgliederung 1935 die NSDAP die bewährten Selbstverwaltungsorgane an der Saar „gleichschaltete“, wurde auch L. seiner Ämter enthoben. Er ging als Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsgruppe Glasindustrie 1938 nach Berlin, starb aber schon ein Jahr später.

  • Werke

    Die Währungsverordnung u. d. Umstellungsbestimmungen f. d. Saargebiet v. 18.5.1923, 1923;
    Der Saar-Pfalz-Kanal, Denkschr. üb. d. Verkehrswünsche d. Saargebietes, 1927;
    Die wirtsch. Probleme b. d. Rückgliederung d. Saargebietes, 2. Fassung (Ms., Pol. Archiv d. AA d. Bundesrepublik Dtld.);
    Bilanzrecht im Saarland, Die Verordnung üb. Reichsmarkbilanzen im Saarland v.19.3.1935, d. Verordnung üb. d. Einführung handelsrechtl. u. genossenschaftsrechtl. Vorschrr. im Saarland v. 19.3.1935 … f. d. Praxis erl., 1935 (mit H. Meinardus). -
    Hrsg.: Saar-Wirtsch.ztg. 1925-38;
    Saar-Wirts.fragen H. 1-5, 1926-38. -
    Mitvf.: zahlr. Denkschrr. d. Parteien u. d. Wirtsch. verbände d. Saargebietes an d. Völkerbund, 1921-34.

  • Literatur

    H. Röchling, Wir halten d. Saar, 1934;
    F. Hellwig, Die Saarwirtsch. u. ihre Organisationen seit d. Errichtung d. Industrie- u. Handelskammer zu Saarbrücken 1863/64, 1939;
    ders., in: Stahl u. Eisen 59, 1939, S. 1332 (P);
    (P. Keuth), 100 J. Industrie- u. Handelskammer d. Saarlandes, Wirtsch. zw. d. Grenzen, 1963;
    M. Zenner, Parteien u. Pol. im Saargebiet unter d. Völkerbundsregime 1920–35, 1966;
    F. Jacoby, Die nat.sozialist. Herrschaftsübernahme an d. Saar, Die innenpolit. Probleme d. Rückgliederung d. Saargebietes bis 1935, 1973.

  • Autor/in

    Fritz Hellwig
  • Empfohlene Zitierweise

    Hellwig, Fritz, "Lütke, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 481 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd14005748X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA