Lebensdaten
um 1305 bis 1376
Sterbeort
auf Rhodos
Beruf/Funktion
Herr von Schönforst ; Diplomat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139061312 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reinhard von Schönau
  • Reinhard I., von Schönau
  • Reinhard I., von Schönforst
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Zitierweise

Reinhard von Schönau, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139061312.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. seit Mitte d. 13. Jh. urkundl. belegten Fam. d. Herren v. Schönau, nordwestl. v. Aachen;
    V Rasso II. v. Schönau ( vor 1344);
    M N. N. v. Bongard;
    B Johann ( um 1345), Herr v. La Vaux, Gerhard ( vor 5.10.1342), Kanoniker zu Aachen u. Lüttich, Rasso III. ( 1365), Herr v. Schönau, Johann Hage ( nach 26.10.1320), Kanoniker zu Aachen, Amelius ( 20.2.1350), Abt v. St. Trond;
    Katharina v. Wildenburg ( 25.4.1368), Frau v. Elsloo;
    4 S Reinhard II. ( 1409), Herr v. Schönforst u. Zichem, Johann I. ( 3.8.1380), Burggf. v. Monschau, Herr v. St. Agathenrode, Konrad I. ( 7.3.1403), Herr v. Elsloo, Engelbert ( nach 22.9.1393), wohl 1 illegitimer S Johann Amelius, Kanoniker zu Maastricht, 5 T Adelheid ( nach 1396), Elisabeth ( nach 1393), Mechthild ( 1389), Philippine ( vor Juli 1399), Elisabeth (illegitim).

  • Leben

    Als nachgeborener Sohn einer nur regionale Bedeutung besitzenden Familie machte R. eine Karriere, die schon in der zeitgenössischen Chronistik (Jaques de Hemricourt) starke Beachtung fand. Die Grundlagen seiner Bildung erhielt er seit 1320 im Maastrichter St. Servatiusstift. Während des 100jährigen Krieges nahm er im Auftrag des Mgf. Wilhelm V. von Jülich 1337-40 verschiedene Missionen in England wahr und beteiligte sich 1339/40 an den Belagerungen von Cambrai und Tournai. 1343-45 war er Marschall der Lütticher Bischöfe Adolf und Engelbert von der Mark; anschließend wurde er Amtmann des Kölner Ebf. Walram von Jülich und bald darauf bis zu dessen Tod 1349 Generalvikar in weltlichen Dingen. In dieser Zeit organisierte er zahlreiche Hochfinanzgeschäfte, darunter als spektakulärste Aktion die Finanzierung der Königswahl Karls IV. 1346. Für die Zusage der Kölner Kurstimme handelte R. zahlreiche rechtliche Vergünstigungen für seinen Dienstherrn aus, außerdem enorme Geldbeträge zur Tildgung der ebfl. Schulden, wovon er als Hauptgläubiger Ebf. Walrams in hohem Maße profitierte, da die Familie des Thronkandidaten, das Luxemburger Grafenhaus, ihm für die Schuldsumme verschiedene Herrschaften versetzte. Um 1348 begründete R. die Herrschaft Schönforst südöstl. von Aachen, nach der er fortan den Zusatz, Herr von Schönforst' führte. In dieser Zeit begegnet er erstmals mit dem Ehrentitel eines Marschalls Kg. Karls IV. Seit etwa 1350 war er Mitglied des Rates der Herzöge von Brabant, in deren Dienst er sich v. a. in der Finanzverwaltung und als Diplomat bei verschiedenen Landfriedensbündnissen profilierte. Der von R. seit 1354 betriebene Herrschaftsausbau in Limburg (Monschau-Valkenburg) mit dem Ziel, ein eigenes kleines|Territorium zu arrondieren, ließ sich nicht dauerhaft sichern; die seit 1355/56 erworbenen Besitzungen in Brabant (Zétrud, Zichem, Rhode-Sainte-Agathe) sowie zahlreiche weitere Güter, Rechte und Einkünfte konnte er hingegen an seine Nachkommen vererben. In hohem Alter, um 1375, zog er nach Rhodos zu den Johannitern, wo er wenig später starb. Der soziale Aufstieg, den R. vollzogen hatte, und die damit verbundene Änderung im Geschlechterbewußtsein fanden ihren sichtbaren Niederschlag in der Annahme des neuen Herkunftsnamens, von Schönforst' durch seine Nachkommen in Abgrenzung zur bis in das letzte Drittel des 14. Jh. bestehenden Familie, von Schönau'.

  • Quellen

    Qu J. de Hemricourt, OEuvres, hg. v. C. de Borman unter Mitarb. v. A. Bayot, Bd. I, Le Miroir des Nobles de Hesbaye, 1910.

  • Literatur

    J. de Chestret de Haneffe, Renard de Schönau, Sire de Schoonvorst, in: Mémoires couronnés et autres mémoires publiés par l'Academie Royale des sciences, des lettres et des beaux-arts de Belgique 47, 1892/93, S. 1-73;
    F. Irsigler, R. v. Sch. u. d. Finanzierung d. Kg.wahl Karls IV. im J. 1346, Ein Btr. z. Gesch. d. Hochfinanzbeziehungen zw. Rhein u. Maas, in: Hochfinanz, Wirtschaftsräume, Innovationen, FS f. W. v. Stromer, hg. v. U. Bestmann, F. Irsigler u. J. Schneider, I, 1987, S. 357-81;
    ders., R. v. Sch., financier gentilhomme, Eine biogr. Skizze, in: Hochfinanz im Westen d. Reiches 1150-1500, hg. v. F. Burgard, A. Haverkamp, F. Irsigler, W. Reichert, 1996, S. 281-305;
    F. Gläser, R. v. Sch., in: Rhein. Lb. 18, 2000, S. 49-74;
    ders., Schönau – Schönforst, Eine Studie z. Gesch. d. rhein.-maasländ. Adels im SpätMA, Diss. Trier 2000 (im Druck);
    ders., F. Irsigler, Schönau, R. v., Herr v. Schönforst, in: Nouvelle Biogr. Nat. de Belgique V (in Vorbereitung).

  • Autor/in

    Florian Gläser
  • Empfohlene Zitierweise

    Gläser, Florian, "Reinhard von Schönau" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 353-354 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139061312.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA