Lebensdaten
1474 bis 1548
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Bürgermeister von Basel ; Tuchhändler
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 138373140 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyer, Adelberg
  • Meyer, Adelbert
  • Meyer zum Pfeil, Adelbert
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Meyer zum Pfeil, Adelberg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138373140.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Das nach dem Pfeil im Familienwappen benannte Geschlecht taucht bereits im 15. Jh. unter den begüterten Familien von Basel auf. Die M. führten im 15. und 16. Jh. den Junkertitel. – V Niklaus (1451–1500), Ratsschreiber in B. (s. HBLS), S d. Hans Ludwig u. d. Katharina Mutzwiler;
    M Barbara, T d. Ulrich zum Luft, Ratsherr zu Weinleuten in B., u. d. Magdalena Eberler;
    B Bernhard (1488–1558), Ratsherr zum Schlüssel u. Bgm. in B. 1548-58 (s. HBLS);
    - 1) Katharina, T d. Melchior Hütschi, Zunftmeister zum Schlüssel in B., 2) Margret, T d. Hans Trutmann, Ratsherr zum Schlüssel u. Oberstzunftmeister in B., u. d. Clara Brunlin, 3) Katharina, T d. Andres Bischof, Ratsherr zu Hausgenossen in B., u. d. Barbara Bär;
    2 S, 3 T, u. a. Hans Ludwig (1539–1607, Anna, T d. Buchdruckers Hieronymus Froben, 1501–63, s. NDB V), Zunftmeister zu Safran in B.; Nachfahre Peter M. (1894–1984), Architekt u. Kunsthistoriker (s. NDB 17).

  • Leben

    M. wurde 1504 Mitglied der Basler „Herrenzünfte“ (Kaufleutezünfte) zu Safran und zum Schlüssel sowie der Handwerkerzunft zu Webern, was auf eine Tätigkeit im Tuchhandel hinweist. Seine wirtschaftlichen Aktivitäten richteten sich darüber hinaus auf Geschäfte mit Grundbesitz und Liegenschaften. 1511 wurde M. „Sechser“, Mitglied des sechsköpfigen Zunftvorstandes zu Safran, 1514 Ratsherr. 1521 wählte ihn der Basler Rat – erstmals unter Mißachtung formeller bischöflicher Ernennungsrechte – zum Bürgermeister. Dieses Amt hatte er bis 1548 inne. Während des Reformationsjahrzehnts wirkte er in diesem Amt als zünftischer Vertreter alternierend mit Heinrich Meltinger, einem patrizischen Angehörigen der altgläubigen Partei. M. wird den reformatorisch gesinnten Kräften im Rat zugezählt, trat aber nicht in der entschiedenen Art eines Jakob Meyer zum Hirzen als Verfechter einer kirchlichen Erneuerung auf. Enge persönliche Kontakte zu reformfreudigen humanistischen Kreisen oder zur reformatorischen Geistlichkeit lassen sich bei ihm nicht nachweisen. Er gehörte wohl zur Gruppe derjenigen Ratsmitglieder, die schrittweise und unter wachsendem Druck der Bürgerschaft die Entwicklung hin zur Reformation mitvollzogen, dabei aber radikale Veränderungen zu verhindern suchten. Diese in konfessionellen Fragen pragmatische Haltung bleibt charakteristisch für die Basler Ratspolitik in den Jahrzehnten nach der Reformation. Zwischen 1522 und 1531 gehörte M. zu den wichtigsten Verordneten des Rates in außenpolitischen Belangen, während er in der folgenden Zeit kaum noch als Delegationsmitglied erscheint; dafür nahm M.s Bruder und Nachfolger als Bürgermeister, Bernhard, eine Führungsposition bei Gesandtschaften ins nähere und weitere Beziehungsfeld der Stadt ein. M. hinterließ verschiedene Aufzeichnungen, darunter Auszüge aus Ratsbüchern, Mitteilungen zur eigenen Familie und zu zeitgenössischen Ereignissen. Von seinen historisch-antiquarischen Interessen zeugen u. a. seine Abschriften aus der Chronik des Konrad Schnitt und die von ihm in Auftrag gegebene Übersetzung der Chronik des Heinrich von Beinheim.

  • Quellen

    Qu. Die Aufzeichnungen A. M.s 374-1542, Die Familienchronik d. M. z. P. 1533-1656, beide bearb. v. A. Bernoulli, in: Basler Chronik 6, 1902, S. 343-422.

  • Literatur

    ADB 21;
    W. Merz, Oberrhein. Stammtafeln, 1912, Nr. 18;
    R. Wackernagel, Gesch. d. Stadt Basel III, 1924, S. 262 f., 418;
    P. Burckhardt, Basel in d. ersten Jahren nach d. Ref., 124. Neujahrsbl. d. Ges. f. d. Gute u. Gemeinnützige, 1946, S. 36 f.;
    H. Füglister, Handwerksregiment, Unterss. u. Materialien z. soz. u. pol. Struktur d. Stadt Basel in d. ersten Hälfte d. 16. Jh., 1981, S. 338 f.;
    HBLS.

  • Autor/in

    Hans Berner
  • Empfohlene Zitierweise

    Berner, Hans, "Meyer zum Pfeil, Adelberg" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 324 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138373140.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meyer: Adelberg (Adelbert) M., zum Pfeil, aus einem alten Basler Geschlechte entsprossen, ist unter den Bürgermeistern Basels der erste, welcher vom Rath ohne Mitwirkung des Bischofs, des einstigen Stadtherren, erwählt wurde. Vom Jahre 1521 an, wo die Verfassung der Stadt geändert und die bischöfliche Handveste umgestürzt wurde, bekleidete er das Bürgermeisterthum, die höchste Würde der freien Stadt, abwechslungsweise jedes zweite Jahr, bis zu seinem Tode, der am 8. Juni 1548 erfolgte. In die ersten Jahre seiner Regierungszeit fielen für Basel die Anfänge der Reformationsbewegung. Persönlich ein Anhänger der neuen Lehre, war er in seiner amtlichen Stellung stets darauf bedacht, zwischen den erregten Parteien zu vermitteln und beiden Theilen gerecht zu werden. Solchen Bemühungen ist es zu danken, daß in Basel, trotz der Erregung der Gemüther, noch eine Reihe von Jahren hindurch beide Parteien freie Religionsübung genossen, bis 1529 eine rohe Gewaltthat, der Bildersturm, den Begriff der Toleranz für lange Zeit aus Basel verbannte. Neben seinen Bemühungen für eine friedliche Lösung der Glaubensfrage, wozu er durch seine amtliche Stellung berufen war, erwarb er sich auch namhafte Verdienste um die Förderung vaterländischer Geschichtskunde. Eine werthvolle Sammlung von Notizen aus Basels älterer Geschichte, von seiner Hand 1543 geschrieben, wird noch jetzt im Basler Kirchenarchiv aufbewahrt. Noch wichtiger aber sind die Abschriften älterer Basler Chroniken, die er auf seine Kosten für sich und seine Nachkommen fertigen ließ, und von welchen das Meiste, in einem Bande vereinigt, auf der öffentlichen Bibliothek sich befindet. Mehrere wichtige Geschichtsquellen des 15. Jahrhunderts, wie die Denkwürdigkeiten Heumann's von Offenburg, oder wie die Chronik Heinrich's von Beinheim, sind uns einzig durch ihn erhalten.

  • Autor/in

    A. Bernoulli.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bernoulli, August, "Meyer zum Pfeil, Adelberg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 555 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138373140.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA