Lebensdaten
1914 bis 1970
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Ägyptologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 138070563 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morenz, Siegfried
  • Morenz, S.

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Zitierweise

Morenz, Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138070563.html [23.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Emil Karl (1888–1958), Oberpostinsp. in L., S d. Eugen (1864–1932) aus Lucka (Thüringen), Oberpostsekr. in L., u. d. Louise Hesse (* 1868) aus Hannover;
    M Hilde (1891–1969), T d. Gottlob Weißwange (1850–1927) aus Schköna b. Bitterfeld, Kaufm. in L., u. d. Wilhelmine Emma König (1854–1931) aus Schköna;
    1) Leipzig 1946 ( 1960) Gertraude |Geißler (* 1921), 2) Leipzig 1961 ( 1966) Helga (* 1938), Krankenschwester, T d. Kurt Lorenz (1899–1973), kunstgewerbl. Tischlermeister in Freiberg (Sachsen), u. d. Johanna Pöhland (1902–87), 3) Leipzig 1966 Ruth (* 1929), Doz. f. Tonsatz u. Gehörbildung, T d. Georg Wagner (1898–1981), Obertelegrapheninsp. in L. u. Tübingen, u. d. Gertrud Grundmann (1892–1975);
    1 T aus 1), 1 T aus 2), 1 S aus 3).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Schiller-Gymnasium in Leipzig studierte M. 1934-38 ev. Theologie, seit 1935 auch Ägyptologie in Leipzig und bestand 1939 das Erste theologische Examen. Die für ihn wichtigen Lehrer waren A. Alt, J. Leipoldt und W. Wolf. 1941 wurde er mit der Edition der kopt. „Geschichte von Joseph dem Zimmermann“ (1951) zum Dr. phil. promoviert und als wissenschaftliche Hilfskraft am Ägyptologischen Institut angestellt. Diese Tätigkeit übte er aus, unterbrochen von jeweils kurzen Verpflichtungen zum Kriegsdienst, bis er sich 1946 mit einer Untersuchung von „Ägyptens Beitrag zur werdenden Kirche“ (ungedr.) habilitierte und zum Dozenten ernannt wurde. 1948 erhielt M. – zunächst kommissarisch – die Leitung des Instituts. 1952 und 1954 folgten die Berufungen zum Professor mit Lehrauftrag bzw. Ordinarius für Ägyptologie und Religionsgeschichte des Hellenismus. Von Leizpig aus versah M. 1952-58 das Amt eines Direktors des Ägyptischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin (Ost). Von Basel aus, wo er 1961-66 den ägyptologischen Lehrstuhl innehatte, leitete er das Leipziger Institut im Nebenamt. Das Interesse M.s galt zunächst dem Koptischen und den Wirkungen der ägypt. Religion auf Altes und Neues Testament, Hellenismus, Alte Kirche und auf das nachantike Europa. Charakteristisch hierfür ist seine Schrift „Die Zauberflöte“ (1952). Der „Begegnung Europas mit Ägypten“ (1968, 21969) widmete er sein letztes großes Werk. Hauptgegenstand seiner ägyptologischen Arbeit wurde die Religion pharaonischer Zeit, die er in den phänomenologischen und historischen Darstellungen „Ägyptische Religion“ (1960, 21977, franz. 1962, ital. 1968, engl. 1973), „Gott und Mensch im alten Ägypten“ (1964, 21984, poln. 1972) und „Die Heraufkunft des transzendenten Gottes in Ägypten“ (1964) behandelte. Damit überwand er den Positivismus in der deutschsprachigen Geschichtsschreibung zur ägypt. Religion und bahnte den Weg zum Verständnis ihrer strukturellen Eigenart und ihres „Glaubensgehalts“. Vorarbeiten zu einer geplanten Geschichte Ägyptens begann er mit einem Strukturvergleich in seinem Beitrag zur Propyläen-Weltgeschichte „Der Alte Orient, Von Bedeutung und Struktur seiner Geschichte“ (1965) und der Erprobung neuartiger historisch-kritischer Methoden in der Abhandlung „Prestige-Wirtschaft im alten Ägypten“ (1969).

    Seiner geistigen Weite und Großzügigkeit entsprechend war M. prägend für einen großen Schülerkreis in vielen Disziplinen, bildete aber keine eigentliche Schule. In seiner Existenz als Forscher und Lehrer von hohem politischen und humanen Ethos suchte er den Ost-West-Gegensatz, der nach Nationalsozialismus und Krieg seine Lebenszeit bestimmte, auszuhalten und zu überbrücken. Erst die Sprengung der Leipziger Universitätskirche am 30.5.1968 und die Zerstörung des Prager Reformsozialismus durch den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen im August desselben Jahres vermochten seinen produktiven Idealismus zu erschüttern.|

  • Auszeichnungen

    Nat.preis d. DDR (1953); korr. Mitgl. d. Dt. Archäolog. Inst. (1954, seit 1957 o. Mitgl.); o. Mitgl. d. Sächs. Ak. d. Wiss. (1955, seit 1966 Vizepräs.); Dr. theol. h. c. (Tübingen 1959); Ehrenmitgl. d. Ägyptolog. Inst. d. Univ. Prag (1968); korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1968).

  • Werke

    Weitere W Rel. u. Gesch. d. alten Ägypten, Ges. Aufsätze, hrsg. v. E. Blumenthal u. S. Herrmann, 1975 (W-Verz., P).

  • Literatur

    H. Brunner, in: Archiv f. Orientforschung 23, 1970, S. 221-23 (P);
    Ph. Derchain, in: Chronique d'Egypte 45 (89), 1970, S. 132 f.;
    H. W. Müller, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1971, S. 191-98 (P);
    E. Blumenthal u. F. Hintze, in: Zs. f. ägypt. Sprache u. Altertumskde. 99, 1972, S. I-X (W-Verz., P);
    R. Meyer, in: Jb. d. Sächs. Ak. d. Wiss. zu Leipzig 1969–70, 1972, S. 235-38 (W-Verz., L, P);
    J. Irmscher, S. M. als Koptologe, in: P. Nagel (Hrsg.), Studia Coptica, 1974, S. 19-28;
    S. Herrmann, in: S. Morenz, Rel. … (s. W), S. 15-29;
    E. Blumenthal, Altes Ägypten in Leipzig, Zur Gesch. d. Ägypt. Mus. u. d. Ägyptolog. Inst. an d. Univ. Leipzig, 1981, S. 33-38 (P);
    W. R. Dawson, E. P. Uphill, M. L. Bierbrier, Who Was Who in Egyptology, 31995 (P).

  • Autor/in

    Elke Blumenthal
  • Empfohlene Zitierweise

    Blumenthal, Elke, "Morenz, Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 100 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138070563.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA