Lebensdaten
erwähnt um 1430 oder 1440 , gestorben 15. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136428673 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meister des Tucher-Altars

Quellen(nachweise)

Zitierweise

Meister des Tucher-Altars, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136428673.html [12.12.2018].

CC0

  • Leben

    Der Meister ist benannt nach einem heute in der Frauenkirche aufgestellten und ursprünglich für die Klosterkirche der Augustiner-Eremiten geschaffenen Altar. An ihm durfte nach einer 1615 durchgeführten Restaurierung die Familie Tucher ihr Wappen anbringen. M. gehörte zu der um 1400 geborenen Generation der frühen Realisten. Wenn auch die wesentlichen Elemente seiner Kunst von anderen Orten stammen, so gibt es doch Anzeichen dafür, daß er in Nürnberg, in der Werkstatt des Meisters des Bamberger Altars, seine erste Ausbildung erfuhr. Im frühesten erhaltenen Werk, einem kleinen Passionsaltar in der Kirche des ehemaligen Vororts St. Johannis, sind noch altertümliche, dem Weichen Stil verbundene Details zu erkennen. Die Verwandtschaft mit einer Kalvarienbergdarstellung des Meisters der St. Lambrechter Votivtafel (Wien, Österreich Galerie) deutet auf einen vorangegangenen Aufenthalt in Wien um 1430. Die weitere Stilentwicklung wird durch eine erneute Gesellenfahrt, diesmal in die Niederlande in den Einflußbereich des Robert Campin, vielleicht auch des älteren Bildhauers Claus Sluter, bestimmt. Im Epitaph der 1438 verstorbenen Clara Imhoff (Nürnberg, German. Nat.-mus., Leihgabe St. Sebald) werden die Spuren einer neuen Erkenntnis der realen Welt spürbar; die Darstellung der Geburt Christi zeichnet sich durch den Willen aus, das Innere des Stalles von Bethlehem räumlich erfahrbar wiederzugeben. Der wenig später entstandene Tucher-Altar ist ein Triptychon mit Verkündigung, Kreuzigung und Auferstehung auf dem gemalten Mittelteil und Heiligengestalten, die sich auf den ursprünglichen Standort beziehen, auf den Flügeln. M. konzentriert sich in diesem Werk auf die körperhafte Wiedergabe der menschlichen Gestalt wie auch des toten Gegenstandes. Die Figuren heben sich als Relief vom vergoldeten Grund ab, der durch ein in die Kreideunterlage geschnittenes Rankenwerk seine räumliche Unbestimmtheit verloren hat. Um 1450 erlischt M.s Werkstatt.

  • Werke

    Weitere W Passionsaltärchen (Nürnberg, St. Sebald);
    Fragment mit zwei sitzenden Aposteln (Köln. Wallraf-Richartz-Mus.);
    Altarflügel mit d. Beschneidung Christi (Aachen, Suermondt-Ludwig-Mus.);
    Geißelung Christi/Christus am Ölberg, Fragmente e. Altars (Privatbes.);
    Passionsaltar (Langenzenn Kr. Fürth, Friedhofskapelle).

  • Literatur

    H. Thode, Die Malerschule v. Nürnberg im 14. u. 15. Jh., 1891, S. 56-77;
    O. Benesch, Der Meister d. Krainburger Altars, in: Wiener Jb. f. Kunstgesch. 7, 1930, S. 149;
    H. Zimmermann, Nürnberger Tafelmalerei 1350-1450, in: Anz. d. German. Nat.mus. 1930/31, S. 44-46;
    P. Strieder, Der Tucheraltar in d. Nürnberger Frauenkirche, in: Die Kunst u. d. schöne Heim 48, 1950, S. 173-77;
    ders., Miscellen z.|Nürnberger Malerei d. 15. Jh., in: Anz. d. German. Nat.mus. 1975, S. 44-47;
    A. Stange, Dt. Malerei d. Gotik, Bd. 9, 1958, S. 23-31;
    ders., Die dt. Tafelbilder vor Dürer, Bd. 3, 1978, bearb. v. P. Strieder u. J. Härtle, S. 40-46 (W-Verz., L);
    Ch. Sterling, lost Haller, Maler zu Straßburg u. zu Saarbrücken in d Mitte d. 15. Jh., in: Wiener Jb. f. Kunstgesch. 33, 1980, S. 121, Anm. 74;
    ThB.

  • Autor/in

    Peter Strieder
  • Empfohlene Zitierweise

    Strieder, Peter, "Meister des Tucher-Altars" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 720-721 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136428673.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA