Lebensdaten
erwähnt 1459, gestorben 1481
Sterbeort
Meißen
Beruf/Funktion
Baumeister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135803640 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Arnold Westfäling von Meißen
  • Arnold Bestveling
  • Arnold Westphalen
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Orte

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Zitierweise

Arnold von Westfalen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135803640.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    um 1479 Margarethe von Rülcke, aus altadligem sächsischen Geschlecht.

  • Leben

    Der Lebensgang des spätgotischen Baumeisters ist bis zu seiner „Aufnehmung zu einem Baumeister“ am 4. Juni 1470 überwiegend in Dunkel gehüllt. Vor 1459 in Calbe/Saale, als Steinmetz Arnd, vermutlich am Bau der Stephanskirche und dem erzbischöflichen Schloßbau nachweisbar; 1459-61 war er in Dresden (Wilische Gasse) wohnhaft und als Meister Arnat oder Arnult tätig. 1460-66 wirkte Arnult wohl mit Hans Kumoller, dem Meister der Zerbster Nikolaikirche, in Meißen an den Brückenaufbauten und an der Frauenkirche mit (Chor und Schiff zeigen A.s Steinmetzzeichen). Seit 1470 wirkte A. als herzoglicher Baumeister, oberster Werkmeister und Leiter des Bauwesens der meißnischen Lande unter Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht. Der Chronist monachus Pirnensis (Scriptores rerum Germanicarum praecipue Saxonicarum, herausgegeben von J. B. Mencken, 3 Bände, Leipzig 1728–30) überliefert den Baubeginn des „neuen Schlosses zu Meissen“ mit Werkmeister Arnolt aus Westvalia am 24.6.1471. Als Bauleiter und Gutachter war A. für Adel und Städte tätig: u. a. Schloß Kriebstein (seit 1465 Kirchenhaus), Rochsburg 1470–75, Mittweida (vermutlich Choreinwölbung durch Meister Ornald 1471), Planung des Schlosses Torgau, Umbauplanung des Leipziger Gewandhauses ab 1477, Oberbauleitung bei den sächsischen Schlössern Tharandt, Leipzig (?) 1478-80, Schweidnitz und Grimma, sowie der Schloßkapelle in Rochlitz.

    A.s Hauptwerke sind der Bau der Albrechtsburg in Meißen, das charakteristische Bauwerk sächsischer Spätgotik, und die Weiterführung des Meißner Domes (Westschauseite, II. Turmobergeschoß). Die Albrechtsburg bedeutet den kühnen Versuch, mit den baulichen Gestaltungsmitteln der deutschen Spätgotik an Stelle der bisherigen Burgarchitektur eine neuartige Palastanlage zu schaffen. A. vermeidet dabei das kirchliche Gepräge mit äußeren Strebepfeilern und Spitzbögen, indem er eine neue Fensterform, das sog. Vorhangbogenfenster (gleichsam durch Raffen eines Vorhanges entstanden) anwendet. Der Querschnitt durch die Albrechtsburg zeigt seine geniale technische und statische Leistung: er läßt – in Umkehrung des gotischen Systems – die Pfeilermassen zwischen den Vorhangbögen nach innen und oben stärker werden, d. h. auskragen, so daß von Geschoß zu Geschoß (im Dachgeschoß bis zu 4 Meter Pfeilerstärke!) die lichte Raumweite abnimmt. A. führte im Meißner Land eine neue Gewölbeform, die Zellengewölbe ein – Bienenzellen vergleichbar – aus über Eck gestellten Backsteinen, die einen phantastisch wirkenden Deckenabschluß ergeben. Besonders bemerkenswert ist die steinerne Fürstentreppe an der Albrechtsburg, der sog. Große Wendelstein, bestehend aus Spitzbogenarkaden in 4 Galerien (ehemaliger Zugang zur Fürstenempore des Domes). Die Lösung einer sich, ohne Unterbrechung in Treppenwangen und Handlauf, in rundem Gehäuse mit hohler Spille hochschraubenden Wendeltreppe stellt die letzte Ausprägung eleganter gotischer Meißelkunst dar; sie findet in Schloß Hartenfels, in Torgau und in Wittenberg in den aufkommenden Formen der Renaissance ihre unerreichte Nachahmung. Typisch für A. ist die Ausbildung der Profile, d. h. der Baugebilde, die im (gedachten) Schnitt zur Erscheinung kommen: Kehlen, die bald tiefer, bald flacher in verschiedenen Halbmessern ausgebildet sind, Kehlenreihungen usw. Sie sind ebenso wie die Vorhangbogen und das Zellengewölbe in Sachsen vor 1470 nicht nachweisbar und bilden einen Markstein in der Beurteilung der Entstehungszeit eines Bauwerks der sächsischen Spätgotik.

  • Literatur

    ADB XLII (unter Westphalen, L); O. Wanckel-C. Gurlitt, Die Albrechtsburg z. Meißen, 1895;
    M. Levy, Schloß Hartenfels b. Torgau, Diss. Dresden 1908;

    F. Rauda, Der Burgberg z. Meißen, = Sächs. Kunstwanderheft Nr. 1, 1925;
    ders., Die Abrechtsburg z. Meißen, und ihr Meister, = Sächs. Kunstwanderh. Nr. 2, 1925;
    ders., Der Baumeister d. Albrechtsburg z. Meißen, seine Gestaltungselemente u. Werke, = Bau- u. Handwerkskunst Sachsens, H. 3, 1928;
    ungedr. F-Ergebnisse üb. mittelalterl. Steinmetzzeichen (Ms. TH Dresden).

  • Autor/in

    Wolfgang Rauda
  • Empfohlene Zitierweise

    Rauda, Wolfgang, "Arnold von Westfalen" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 381-382 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135803640.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Westphalen: Arnold von W., auch Bestveling d. i. Westphäling genannt, ist der urkundlich bezeugte Erbauer der berühmten Albrechtsburg zu Meißen, eines der ausgezeichnetsten Denkmäler altdeutscher Baukunst; dennoch fehlt es fast ganz an Nachrichten über sein Leben und namentlich über Ort und Zeit seiner Geburt und die Anfänge seiner Thätigkeit im Dienste der sächsischen Landesfürsten. Wenn er, wie als möglich anzuerkennen ist, identisch ist mit einem Steinmetzen „Arnd“, wegen dessen der Erzbischof Friedrich von Magdeburg, weil er einen Bau am erzbischöflichen Schlosse zu Calbe unvollendet verlassen hatte, am 25. Februar 1459 ein Schreiben an den Rath zu Dresden richtete, so ist dies die früheste bis jetzt bekannt gewordene Erwähnung seines Namens. Die zweite vorhandene urkundliche Nachricht aus seinem Leben ist seine vom 4. Juni 1471 datirte „Aufnehmung zu einem Baumeister“, ein im k. Hauptstaatsarchiv zu Dresden sowol als Entwurf wie in Reinschrift sich vorfindendes Schriftstück, das zwar eine Art Anstellungsdecret ist, aber dennoch wol schwerlich eine Bestimmung des genauen Anfangs seines Wirkens im Dienste der fürstlichen Brüder Ernst und Albrecht zuläßt, weil als der eigentliche Zweck der Urkunde anzusehen ist, die Lohnverhältnisse auf sämmtlichen landesherrlichen Bauten zu regeln und Arnold in allen Bauangelegenheiten gegenüber den Amtleuten mit Vollmacht zu versehen. Aus ferner vorhandenen urkundlichen Quellen erfährt man, daß ihm im September 1473 ein Haus auf der Burgstraße zu Leipzig zu einem Pfande eingesetzt wurde; daß er vermählt war mit Margarethe Rülckin, einer aus altadlicher, reichbegüterter Familie abstammenden Frau, der er im Februar 1479 — vermuthlich bald nach erfolgter Heirath — das Gut Langenau bei Freiberg als Leibgedinge bestellte; daß er am 4. Mai 1480 das eben genannte Gut durch einen Kauf vergrößerte; endlich daß er am 6. Mai desselben Jahres eine Zahlung aus der Stadtcasse zu Leipzig für eine „Visirung“ zu dem Gewandhause erhielt. Schon 1480 oder zu Anfang des nachfolgenden Jahres starb er nach längerer Krankheit zu Meißen. Erst nach seinem Tode, im J. 1483 oder wenig später, wurde der Bau des dortigen Schlosses, der sogenannten Albrechtsburg, der nach der Angabe des Monachus Pirnensis (Mencke, Scriptores II, 1581) 1471 nach Johannis Baptistae unter seiner Leitung begonnen worden war, zu Ende geführt. Welche Bautheile es waren, die zur Zeit seines Todes noch nicht vollendet waren, ist nicht völlig klar. Aber die vielbewunderte, als Schmuckbau von erlesenster Schönheit wie als Meisterstück technischer Geschicklichkeit gleich merkwürdige große Wendeltreppe ist sicherlich sein|Werk, und von dem Gesammtcharakter seiner genialen künstlerischen Begabung gibt das Ganze der Albrechtsburg, in deren Architektur die kirchlichen Formen der Gothik, der Spitzbogen, der Strebepfeiler, die Fiale, der Wimperg, bemerkenswerther Weise fast ganz vermieden sind, ein hinreichend deutliches Bild. Ob und inwieweit Arnold bei anderen, und zwar zum Theil noch erhaltenen kirchlichen und Profanbauten in Sachsen mitgewirkt hat, ist unsicher und unter den Fachmännern theilweise streitig. Aber ungerechtfertigt ist es wol, wenn auch seine Mitwirkung bei dem Bau der Schlösser Kriebstein und Rochsburg in Zweifel gezogen wird, und als sicher kann angesehen werden, daß er bei dem Bau eines (nicht mehr vorhandenen) Thorhauses, der sogenannten Laterne, des Dresdner Schlosses thätig war. Sein Steinmetzzeichen findet man in dem Siegel, mit dem er eine im Weimarischen Staatsarchiv liegende, 1479 zu Dresden ausgestellte Gehaltsquittung versehen hat. Ob es dasselbe Siegel ist, dessen sich später seine Wittwe bei Ausfertigung des Briefes bedient hat, den das Dresdner Hauptstaatsarchiv von ihr besitzt, muß gelegentlich noch untersucht werden.

    • Literatur

      Distel im Archiv f. d. Sächs. Geschichte, Neue Folge. Bd. 4, 1878, S. 315—337 und Bd. 5, 1879, S. 282—287; Derselbe, im Anzeiger f. Kunde d. deutschen Vorzeit, Bd. 29, 1882, Sp. 45—47. — Cornelius Gurlitt, Das Schloß zu Meißen. Dresden 1881 (erweit. Abdruck aus Lfg. 6 des Werkes „Sächsische Herrensitze und Schlösser"), darin ein Verzeichniß der vorhandenen, die Albrechtsburg betr. kunst- und ortsgeschichtlichen Quellen. — Otto Richter im Neuen Archiv f. Sächs. Geschichte u. Alterthumsk., Bd. 7, 1886, S. 148—150. —
      O. Wanckel u. C. Gurlitt, Die Albrechtsburg zu Meißen. Dresden 1895. —
      Pfau im Neuen Archiv f. Sächs. Geschichte u. Alterthumsk., Bd. 16, 1895, S. 219—228; Derselbe, Meister Arnold in Kriebstein. Rochlitz, 21. Aug. 1895 (ein mir als Sonderabdruck, vermuthl. aus dem Rochlitzer Wochenblatte, vorliegender Aufsatz). — W. C. Pfau, Der Erbauer d. Meißner Albrechtsburg, i. d. Wissensch. Beil. d. Lpz. Ztg. 1896, Nr. 1, S. 1—3.

  • Autor/in

    F. Schnorr von Carolsfeld.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schnorr von Carolsfeld, Franz, "Arnold von Westfalen" in: Allgemeine Deutsche Biographie 42 (1897), S. 216-217 unter Westphalen, Arnold [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135803640.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA