Lebensdaten
1914 bis 2005
Geburtsort
Budapest
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Filmproduzent
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 131655175 | OGND | VIAF: 33137469
Namensvarianten
  • Trebitsch, Julius
  • Trebitsch, Gyula
  • Trebitsch, Julius

Biografische Lexika/Biogramme

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Trebitsch, Gyula, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd131655175.html [05.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Markus (Markush Trebich) (1888–1956), aus B., Gde.-Beamter u. Mitgl. d. jüd. Kultusgde. in B.;
    M Melania Rosenbaum (* 1892), aus Parks (Ungarn), beide zuletzt in Haifa; jüngere B Zoltan (* 1918, b. Arbeitsdiensttransport), Ind.photogr., Otto (Oto Avraham) (1916–44 KZ Mauthausen, ⚭ Klara Barna), Leiter d. Corvin-Filmtheaters in B.;
    1) Budapest 1941 1948 Klári Décsi (1917–52), 2) Hamburg 1949 Erna (1914–91, 1] 1938–44 Walter Koppel, 1906–82, Filmproduzent in H., s. Wi. 1981; CineGraph, 2] 1947–60 Helga Kohn, * 1924 3] 1975 Tatjana Iwanow, 1925–79, Schausp.), aus H., Kostümbildnerin (s. K. Weniger, Zw. Bühne u. Baracke, 2008), T d. Hans Wilhelm Sander (1884–1954) u. d. Louise Otto (* 1896), Schwimmerin, nahm 1912 an d. Olymp. Spielen teil;
    1 T aus 1) Julianna (* 1944), Cutterin, 1 S aus 2) Markus (* 1950), Filmproduzent, 1 T aus 2) Katharina M. (* 1949), Jur., Filmproduzentin, 2005–07 Prof. f. Filmregie/Filmproduktion an d. Hamburg Media School, BVK 1999 (s. Munzinger), 1 Adoptiv-T aus 2) Ulrike Sofia (* 1944), Kosmetikerin.

  • Leben

    Nach Schulbesuch in Budapest und der Reifeprüfung an der Handelsakademie 1932 wurde T. Volontär in der Ufa-Niederlassung Budapest. Nach einer Ausbildung zum Vorführer arbeitete er in dem (zum dt. Konzern gehörenden) Urania Kino und machte sich mit allen Aspekten des Filmgeschäfts vertraut. 1937 gründete er die „Objectiv-film kft.“, die im Auftrag der Ufa ungar. Spielfilme für den Inlandsmarkt produzierte und amerik. Filme in Ungarn vertrieb; nach Erlaß der Rassegesetze mußte T. 1939 die Geschäftsführung abgeben. Als Jude „wehrunwürdig“, wurde er 1942 als Zwangsarbeiter in Rußland und Serbien eingesetzt und im Aug. 1944 nach Deutschland deportiert. Hier war er in den Konzentrationslagern Oranienburg, Sachsenhausen, Barth und schließlich in Wöbbelin inhaftiert, wo er am 2. 5. 1945 von amerik. Truppen befreit wurde.

    Nach der Entlassung aus dem Lazarett in Itzehoe blieb T. in der holstein. Kreisstadt und erhielt 1946 von der Besatzungsbehörde eine|Lizenz für den Betrieb eines Kinos. T. engagierte sich in der Jüd. Gemeinschaft und in der „Vereinigung der Verfolgten des NaziRegimes“ (VVN), wo er mit dem Kaufmann und Filmproduzenten Walter Koppel (1906–82) zusammentraf. Gemeinsam gründeten sie 1947 in Hamburg die „Real-Film GmbH“. Koppel übernahm die Firmenleitung und die Finanzierung, während T. als Produktionschef fungierte. Zwei Jahre später heiratete er Erna Sander, geschiedene Koppel, die als Kostümbildnerin alle Filme der Real-Film ausstattete. 1957 erhielt T. die dt. Staatsbürgerschaft.

    Koppel und T. bauten ein ehemaliges Offiziersheim und das angrenzende Areal im Stadtteil Wandsbek zu einem ständig erweiterten Atelierkomplex aus, wodurch Hamburg in den 1950er Jahren zur Filmstadt und die „Real-Film“ zur größten Produktionsgesellschaft in der Bundesrepublik wurden. Unter den Regisseuren und Stars der „RealFilm“ befanden sich Emigranten und Antifaschisten wie Fritz Kortner (1892–1970) und Wolfgang Staudte (1906–84), aber auch Stützen des NS-Kinos wie Wolfgang Liebeneiner (1905–87), Gustav Ucicky (1899–1961) sowie Zarah Leander (1907–81). Die erfolgreichste Produktion war „Der Hauptmann von Köpenick“ 1956 nach dem gleichnamigen Theaterstück von Carl Zuckmayer (Regie Helmut Käutner, mit Heinz Rühmann); der Film erreichte im Kino 11 Mio. Zuschauer und wurde für den Oscar nominiert.

    Die zweite Karriere T.s gründete auf dem Umbruch der Medienlandschaft Anfang der 1960er Jahre. T. erkannte als erster das mit dem Siegeszug des Fernsehens einsetzende Kino-Sterben. Während Koppel als Verbandsfunktionär die Filmindustrie auf den Kampf gegen das neue Medium einschwor, suchte T. frühzeitig die Verbindung zu den Fernsehanstalten, um angesichts der wegbrechenden Spielfilmproduktion neue Auftraggeber für den Atelierbetrieb zu finden. 1960 wurde er als erster Filmproduzent vom Norddt. Rundfunk (NDR) mit der Herstellung eines Fernsehspiels beauftragt (Fritz Kortners „Die Sendung der Lysistrata“, 1961, mit Romy Schneider).

    1960 trennten sich die Kompagnons, Filmproduktion und Ateliergesellschaft wurden entflochten. Koppel führte die „Real-Film“ fort, die 1962 in Konkurs ging, während T. die Ateliergesellschaft in „Studio Hamburg“ umbenannte und die „Norddt. Werbefernsehen GmbH“ (NDR und Radio Bremen) als Mehrheitsgesellschafter gewann. Mit der Gründung von Tochtergesellschaften für Produktion, Synchronisation und Auslandsvertrieb schuf T. ein verschachteltes Imperium, das den wachsenden Programmbedarf des Fernsehens zu decken half und zugleich die Auslastung des Studios sicherte. Dabei verfolgte er die Idee eines Medienverbunds, z. B. durch die 1965 erfolgte Gründung der „Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft m. b. H.“, an der die Deutsche Grammophon und Studio Hamburg zu gleichen Teilen beteiligt waren. 1980 beendete T. seine Tätigkeit bei „Studio Hamburg“ und wurde selbständiger Produzent. Gemeinsam mit seiner Tochter Katharina gründete er im selben Jahr die „Objectiv Film GmbH“; 1990 gab T. seine Anteile an die Ufa ab, die 2004 vollständig die Firma übernahm.

    T. wurde zum Doyen des dt. Fernsehens. Über mehrere Jahrzehnte prägten von ihm verantwortete Produktionen das Fernsehprogramm, u. a. Repertoirestücke wie „Tadellöser & Wolff“ (1975) von Eberhard Fechner (nach d. Roman v. Walter Kempowski) oder „Die Geschwister Oppermann“ (1982) von Egon Monk (nach d. Roman v. Lion Feuchtwanger). 1979 brachte er, der sich auch als Rechtehändler betätigte, die US-amerik. TVSerie „Holocaust“ nach Deutschland. Über seine Arbeit als Filmproduzent hinaus engagierte er sich medien- und gesellschaftspolitisch; 1978–96 nahm er einen Lehrauftrag an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater wahr. Helmut Schmidt, mit dem T. seit den 1950er Jahren befreundet war, bescheinigte ihm, einen „unschätzbaren Beitrag zum geistigen und seelischen Neubau und darüber hinaus zum materiellen und ökonomischen Wiederaufbau geleistet“ (27. 1. 2006) zu haben.

  • Auszeichnungen

    A Dt. Filmpreis in Gold (1957); Academy Award, Nominierung Bester fremdsprachiger Film (1957); Ehrenplakette d. Senats d. Hansestadt Lübeck (1979); Goldene Kamera d. Zs. HörZu (1983); Bgm.-StoltenMedaille d. Senats d. Freien u. Hansestadt Hamburg (1994); Telestar (1997); Dt. Filmpreis, Ehrenpreis f. d. Lebenswerk (2000); Ehren-Medaille Verband Dt. Tonmeister (2002); Ehrenmedaille d. Spitzenorganisation d. Filmwirtsch. e. V. (SPIO) (2003); Prof. (1978); – G. T. Schule Tonndorf, Hamburg (seit 2011).

  • Werke

    Weitere W u. a. Arche Nora, 1948;
    Gabriela, 1950;
    Keine Angst vor großen Tieren, 1953;
    Des Teufels General, 1955;
    Die Zürcher Verlobung, 1957;
    Das Herz v. St. Pauli, 1957;
    Die Bertinis, 1988;
    Der Autor ist für mich der größte Star, Interview mit G. T., abgedr. in: Ich bin ein öffentlicher Mensch geworden, hg. v. W. Bittner u. M. v. Hofe, 2009, S. 89–96 (P);
    Teilnachlaß: StA Hamburg.

  • Literatur

    L R. Bögner, Die Real-Film GmbH, 1987;
    H. Lohmeyer, Die Macher u. d. Mächtigen, 1989, S. 209–|21;
    M. Töteberg, Filmstadt Hamburg, 1990, 21997 (P);
    M. Legband, Das Mahnmal – erbaut, verdrängt, wiederentdeckt, 1994;
    H. Radau, Nichts ist vergessen u. niemand, Aus d. Gesch. d. KZ in Barth, 1995, S. 82–86;
    Ch. Winkler u. J. v. Rauch, Tanzende Sterne u. nasser Asphalt, 2001, S. 216–21;
    H. Schmidt, Weggefährten, Erinnerungen u. Reflexionen, 1996 (P);
    ders., in: Hamburger Abendbl. v. 28. 1. 2006; M. Töteberg u. V. Reißmann, G. T., 2014 (W, L
    , P);
    CineGraph (W-Verz., L);
    Hamburg. Biogr. III (P).

  • Autor/in

    Michael Töteberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Töteberg, Michael, "Trebitsch, Gyula" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 387-389 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd131655175.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA