Lebensdaten
1870 bis 1914
Geburtsort
Temešvar
Sterbeort
bei Rawa-Ruska (Ostgalizien)
Beruf/Funktion
österreichischer Politiker und General ; Berater des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 130123633 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brosch von Aarenau, Alexander

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Zitierweise

Brosch von Aarenau, Alexander, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130123633.html [24.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V August (1838–1923), kaiserlich und königlicher Oberst, S des Jos., kaiserlich-königlicher Rechnungsführeradjunkt, und der Auguste Zampi;
    M Hyazinthe (1841–1935), T des Karl Freiherr Schweiger von Lerchenfeld und der Sophie Gräfin von Auersperg;
    1911 Natalie, T des Generals Theodor Wukellić (1854–1924) und der Anna Vikt. Schubernig; kinderlos.

  • Leben

    B. besuchte die kaiserlich und königliche Technische Militärakademie - ausgemustert als Genieleutnant (1890) - und die Kriegsschule des Generalstabs (1893–95); 1897 wurde er Pionierhauptmann und trat 1899 ins Kriegsministerium ein. Während einer Verwendung als Truppenoffizier bei den Tiroler Kaiserjägern, wo ihn Erzherzog Eugen schätzen lernte, erreichte B. seine folgenreiche Berufung als Flügeladjutant des anspruchsvollen Thronfolgers (Januar 1906). In dieser zuerst nur als vorübergehend gedachten Stellung organisierte er die sog. Kleine Militärkanzlei des Erzherzogs (zum Unterschied von der kaiserlichen), die im November 1908 vom Kaiser genehmigt wurde, vermittelte in Franz Ferdinands Namen einen umfangreichen Gedankenaustausch mit Politikern und Publizisten fast aller Nationalitäten und suchte die künftige Thronbesteigung durch entsprechende politische Denkschriften vorzubereiten. Ohne dem Gang der Ereignisse die gewünschte Richtung auf eine trialistische Neugestaltung der Donaumonarchie geben zu können, war seit 1906 der Einfluß des „Belvedere“ in Besetzungsfragen oberster militärischer und politischer Posten sehr bedeutend. Das letzte Jahrzehnt der Regierung Franz Josephs ist nicht ohne die Würdigung von Major (später Oberstleutnant) B.s stiller, umfassender und folgerichtiger Tätigkeit als charaktervoller, hochintelligenter und auch geschmeidiger Mentor des impulsiven und schwer zugänglichen voraussichtlichen Thronerben zu verstehen. B. errang das Vertrauen seines Herrn wie niemand sonst, ohne es je zu mißbrauchen, und dieser hat ihn wohl für das neu zu schaffende Amt des „Reichskanzlers“ in Aussicht genommen. Trotz aller Schwierigkeiten mit seinem Neffen war auch der alte Kaiser der Loyalität B.s sicher. Auf dessen Rat ging auch die Ernennung seines einzigen Nachfolgers in der Leitung der Militärkanzlei, des ebenfalls hochbegabten Obersten Bardolff, zurück, als B. nach fast sechsjähriger Tätigkeit beim Erzherzog dringend die Rückversetzung nach Tirol erbat (1911), ohne daß darüber die Korrespondenz zwischen beiden bis zum tragischen Tag von Sarajevo 1914 abgerissen wäre.

  • Literatur

    E. v. Glaise-Horstenau, in: Reichspost, (Wien) 7.9.1924;
    L. v. Chlumecky, Franz Ferdinands Wirken u. Wollen, 1929 (P, Auszüge aus d. Nachlaß B.s);
    Th. v. Sosnosky, Franz Ferd., 1929;
    E. Wisshaupt, Die Tiroler Kaiserjäger 1914–18, Wien 1935;
    G. Franz, Erzhzg. Franz Ferd. u. d. Pläne z. Reform d. Habsburgermonarchie, 1943;
    F. Funder, Von Gestern und Heute, 1952 (P);
    R. Kiszling, Franz Ferd., Graz-Wien 1953 (P);
    österr. Biogr. Lex. I, 1954 ff.

  • Autor/in

    Reinhold Lorenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Lorenz, Reinhold, "Brosch von Aarenau, Alexander" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 638 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130123633.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA