Lebensdaten
erwähnt 1518, gestorben vermutlich 1555
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Chronist
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 130053120 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Crinitus, Peter
  • Haverer, Peter
  • Haarer, Peter
  • mehr

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Zitierweise

Harer, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130053120.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Wahrsch. aus d. Pfalz stammend;
    1) um 1525 N. N. ( um 1528), 2) vor 15.3.1530 Margarete Schwartzerdt (1508–54), Wwe d. kurpfälz. Sekr. u. Kanzleiverwalters Andreas Stichs, Schw d. Phil. Melanchthon ( 1560), 3) Barbara verw. Heß;
    1 S aus 1), 4 K aus 2), u. a. Barbara ( Wendelin Regensberger, 1530–98, kurpfälz. Rat u. Protonotar in Heidelberg).

  • Leben

    H. ist in der kurpfälzischen Kanzlei in Heidelberg vom Kanzleischreiber (1518) und Botenmeister (1522) zum Sekretär aufgestiegen (zuerst belegt 1529, aber wohl schon 1525). Beruflich ist seine Hauptleistung die Neufassung des kurpfälzischen Sal- und Lehnbuches, das in seiner Reinschrift noch in Karlsruhe erhalten ist. Hierfür erhielt er 1542 einen Wappenbrief. Bekannt geworden ist er durch seine Darstellung des Bauernkrieges. Er hat selbst an dem Kriegszug des Kurfürsten Ludwig V. nach Franken und der Niederwerfung der Bauern in der Pfalz teilgenommen und gibt unter Verwertung der Akten der pfälzischen Kanzlei gleichsam den amtlichen Kriegsbericht, eine lebendig erzählte und zuverlässige Schilderung. Er hat selbst diese Chronik vor 1531 ins Lateinische übersetzt und diese Übersetzung dem Erzherzog Ferdinand wie dem Kardinal Albrecht von Mainz gewidmet, deren Reinschriften erhalten sind. Die deutsche Urfassung ist verloren. Sie wurde erstmals 1625 gedruckt und danach von Gnodalius und Leodius ausgewertet. Weiterhin hat H. zwei noch nicht gedruckte Reimchroniken über die Packschen Händel (1529) und die Hochzeit des Kurfürsten Friedrich II. von der Pfalz geschrieben. Erklärungen der Epistolae familiares von Cicero wie ein Leben des Horaz werden dem klassisch gebildeten Mann, der aber auch Wolfram von Eschenbach kannte, zugeschrieben. Einige Briefe Melanchthons an ihn sind erhalten.

  • Werke

    W u. a. Wahrhafte u. gründliche Beschreibung d. Bauernkriegs, hrsg. v. G. Franz, = Schrr. d. Pfälz. Ges. z. Förderung d. Wiss. 25, 1936.

  • Literatur

    ADB X (unter Haarer);
    K. Hartfelder, Über H., in: Forschungen z. dt. Gesch. 22, 1882, S. 439-43;
    J. Schwalm, Zur Kritik d. P. H., in: MIÖG 9, 1888, S. 638-44;
    P. Sander, Ein Btr. z. Kritik d. P. H., in: Dt. Zs. f. Gesch. wiss. NF 1, 1897, S. 159-63;
    N. Müller, Gg. Schwarzerdt, 1908, S. 254 ff.;
    G. Eis, Zwei med. Rezepte v. P. H., in: Cesra 7, 1960, S. 212-17;
    Schottenloher 7772-80.

  • Autor/in

    Günther Franz
  • Empfohlene Zitierweise

    Franz, Günther, "Harer, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 672 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130053120.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Haarer: Peter H. (Crinitus), geboren zwischen 1480 und 1490, wahrscheinlich in Heidelberg. Von seinen übrigen Lebensverhältnissen ist wenig bekannt. Wir wissen nur, daß er, wie man vermuthet durch den Einfluß seines Vaters, früh an den pfälzischen Hof und in die einflußreiche Stellung eines Secretärs und Rathes bei dem Kurfürsten Ludwig V. (1508—44) gelangt ist. Das Jahr seines Todes ist wie das seiner Geburt nicht überliefert. H. ist von Bedeutung als Verfasser einer ihm, wie es scheint mit Recht zugeschriebenen Reimchronik über die sogen. Packischen Händel, und noch mehr durch eine unzweifelhaft von ihm herrührende und geschätzte Geschichte des Bauernkrieges in deutscher Sprache, dessen Vorgänge in der Pfalz und den benachbarten Provinzen er als Begleiter des Kurfürsten kennen zu lernen gute Gelegenheit hatte. Der Standpunkt seiner im übrigen schlichten Darstellung ist der conservative, ohne daß er darum verkennt, daß die Lage der Bauern eine unmenschliche gewesen. Die frühere Ansicht, daß der lateinische Text seines Werkes der ursprüngliche und die deutsche Bearbeitung erst nachträglich daraus hervorgegangen sei, ist in neuester Zeit gründlich widerlegt worden. Hinwiederum ist die Schrift Haarer's von Gnodalius und Leodius (Thomas Hubert aus Lüttich) in ihren bez. Berichten über den Bauernkrieg fast vollständig ausgeschrieben worden.

    • Literatur

      Zu vgl. Ranke, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation, 4. Aufl., VI. Bd. S. 63, Bd. III. S. 39 und Bd. IV. S. 240. Osc. Leop. Schäfer, Das Verhältniß der drei Geschichtsschreiber des Bauernkrieges, Haarer, Gnodalius und Leodius, kritisch betrachtet, Chemnitz 1876, wo sich über die betreffenden Handschriften und Drucke die genügenden Angaben befinden.

  • Autor/in

    Wegele.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wegele, Franz Xaver von, "Harer, Peter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 260 unter Haarer [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130053120.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA