Lebensdaten
1871 bis 1940
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 129858986 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sobernheim, Curt Joseph
  • Sobernheim, Curt
  • Sobernheim, Curt Joseph

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Zitierweise

Sobernheim, Curt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129858986.html [19.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit Ende d. 1820er Jahre in B. ansässiger Bankiers- u. Kaufmannsfam.;
    V Adolph (1840–80), Bankier, S d. Moritz (1800–71), Getreide- u. Produktenhändler, seit Ende d. 1820er Jahre in B., u. d. Therese Reiche;
    M Anna (1846–1908), T d. Meyer Magnus (1805–83), Bankier, Seidenwarenfabr., Teilh. d. Seidenfabrik d. Jacob Abraham Meyer, 1858 Mitgl. d. Ältestenkollegiums d. Korporation d. Kaufmannschaft v. Berlin, 1880 deren Präs., Stadtrat, 1855 Mitgl. d. Vorstands d. jüd. Gde. in B., 1866 dessen Vors., GKR, u. d. Jeanette Pollack; seit 1883 Stief-V Eugen Landau (1852–1935), Bankier in B., Vors. d. Aufsichtsrats d. „Vereinigte Schultheiß-Patzenhofer Brauerei AG Berlin“ (s. NDB 13);
    Tante-v Helene (1843–1919, Paul Güßfeldt, 1840–1920, Forsch.reisender, Alpinist, s. NDB VII);
    Om Paul Magnus (1844–1914), ao. Prof. d. Botanik in B. (s. NDB 15);
    B Walter (1869–1945), Bankier, seit 1907 Gen.dir. d. Patzenhofer-Brauerei AG in B., seit 1920 d. „Vereinigte Schultheiß-Patzenhofer Brauerei AG Berlin“ (s. Rhdb.; BHdE I), Moritz-Sebastian (1872–1933, Klara, T d. Ludwig Schiff, 1854–1930, Bankier in Frankfurt/M., Mitgl. d. Vorstands d. jüd. Gde. in Frankfurt/M., errichtete 1911 d. Manfred-Bernhard-Schiff'sche Stipendienstiftung f. Med. ebd., Ehrenmitgl. d. Univ. Frankfurt/M.), Dr. phil., Privatgel., Orientalist, nahm 1900 an d. dt. Ausgrabungsexpedition in Baalbek teil, 1905–14 Mitarb. am Franz. Archäol.|Inst. in Kairo, Vf. v. Schrr. über antike u. arab. Inschrr., 1922 Legationsrat im Ausw. Amt, Zionist, Präs. d. Ges. z. Förderung d. Wiss. d. Judentums, korr. Mitgl. d. Ac. de la Historia, Madrid, Prof. (s. L); Schw Frida (1874–1955, Georg Hahn, 1864–1953, Inh. d. Albert Hahn Röhrenwerke, s. NDB VII*);
    Berlin 1894 Louise (1872–1940), T d. Eduard Rosenfeld (1839–1905), Bankier, u. d. Marie Goldschmidt (1841–1914);
    1 S Adolph (1898–ca. 1960er Jahre), Dipl.-Ing., Prokurist d. Commerz- u. Privat-Bank A. G. in B., 1 T Grete (1894–1942 Lodz).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Franz. Gymnasiums in Berlin und einer 1890 abgeschlossenen Lehre bei der „Deutschen Genossenschafts-Bank von Soergel, Parrisius & Co. KgaA“ sammelte S. berufliche Erfahrungen bei Banken in Paris und London sowie bei verschiedenen dt. Bankinstituten. Gefördert von seinem Stiefvater, dem Bankier Eugen Landau, wurde S. 1896 zum Direktor der „Breslauer Disconto-Bank“ ernannt, 1902 trat er als stellv. Direktor in die „Nationalbank für Deutschland“, 1911 unter vermittelnder Mitwirkung Landaus in den Berliner Vorstand der „Commerz- und Disconto-Bank“ ein. Hier war S. v. a. für das Konsortialgeschäft der Berliner Zentrale zuständig; er zeichnete außerdem für die bedeutenden Fusionen der Bank in der expansiven Phase nach dem 1. Weltkrieg – insbesondere mit der „Mitteldeutschen Privat-Bank“ 1920 – verantwortlich. Mit 57 Aufsichtsratsmandaten v. a. bei mittelgroßen Industrieunternehmen verfügte er zu Beginn der 1930er Jahre über die meisten Aufsichtsratssitze unter den Vorstandsmitgliedern der Commerzbank. Zu seinen geschäftlichen Interessen gehörten Unternehmen des Bergbaus, der Bau- und Kaliindustrie, des Brauwesens sowie des Eisenbahnbedarfs und des Maschinenbaus. Insbesondere förderte er Neugründungen auf den Gebieten der Telegraphie und des Telephons.

    S. hatte darüber hinaus erheblichen Anteil an der Einführung des Tonfilms in Deutschland. Unter seiner maßgeblichen Mitwirkung fanden sich niederl., dt. und schweizer. Tonfilm-Patentinhaber und Finanziers zur Gründung der „Tonbild-Syndikat AG“ (Tobis) zusammen. Die Tobis besaß die Nutzungsrechte wichtiger europ. Tonfilm-Patente, brachte aber auch eigene Tonfilme heraus. Als Leiter der dt. Verhandlungskommission legte S. außerdem die Grundlagen des 1930 geschlossenen „Pariser Tonfilmfriedens“, der eine Koexistenz zwischen der amerik. und europ. Tonfilm-Industrie vorsah und als wesentliche Bedingung für den Durchbruch des Tonfilms in Deutschland gilt. S.s Karriere endete in der Bankenkrise von 1931. In den intensiven Verhandlungen zwischen Regierung, Reichsbank und Banken vertrat er die Commerzbank anfangs noch gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Friedrich Reinhart (1871–1943). Im Febr. 1932 legte S. jedoch sein Amt als Vorstand nieder; Anfang April wurde er in den Aufsichtsrat der Bank gewählt. S. mußte offenbar aufgrund politischen Drucks die Verantwortung für Kursregulierungskonsortien übernehmen, die die Commerzbank wie andere Banken zur Stützung ihres Aktienkurses eingerichtet hatte. Er galt zudem als nicht mehr tragbar, da er infolge seiner Beteiligung an den verlustreichen Konsortien sowie aufgrund persönlicher Verluste durch eigene kreditfinanzierte Wertpapiergeschäfte bei seinem Arbeitgeber erheblich verschuldet war. Reichskanzler Brüning warf ihm außerdem vor, Spekulationsgeschäfte für Personen aus dem Umfeld des Reichspräsidenten Hindenburg durchgeführt zu haben. Wirtschaftsminister Alfred Hugenberg ordnete im Rahmen einer Untersuchung über „Korruptionserscheinungen“ bei Banken und Betrieben mit staatlicher Beteiligung Anfang Mai 1933 an, daß S. alle Ämter niederzulegen habe. Im Juli 1933 emigrierten S. und seine Ehefrau nach Frankreich. In Paris beteiligte sich S. an der Gründung einer Bank, zog sich aber 1934 wieder aus dem Institut zurück. Über seine folgenden Exiljahre ist nichts bekannt. 1940 wurde er von der dt. Besatzung verhaftet und starb im Militärgefängnis Cherche-Midi.

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (TH Braunschweig 1929).

  • Literatur

    F. Pinner, Dt. Wirtsch.führer, 1924, S. 189;
    Berliner Börsen Courier, 10. 1. 1931;
    H. Brüning, Memoiren 1918–1934, 1970, S. 522 f.;
    W. Mühl-Benninghaus, Ringen um d. Tonfilm, 1999, S. 93 f., 158, 165 f.;
    M. Fiedler u. B. Lorenz, Kontinuitäten in d. Netzwerkbeziehungen d. dt. Wirtsch.elite zw. Weltwirtsch.krise u. 1950, in: V. Berghahn u. a. (Hg.), Wirtsch.elite, 2003, S. 65;
    D. Krause, Jüd. Traditionslinien, in: L. Herbst u. Th. Weihe, Die Commerzbank u. d. Juden, 2004, S. 27–29;
    ders., in: H. Pohl (Hg.), Dt. Bankiers d. 20. Jh., 2008, S. 387–402 (P);
    C. Kreutzmüller, Händler u. Handlungsgehilfen, 2005, S. 340 f.;
    Wininger;
    Wenzel;
    Rhdb. (P);
    BHdE I;
    Juden in Berlin;
    zu Moritz-Sebastian:
    Rhdb.;
    F. R. Nicosia, Jewish affairs and German foreign policy during the Weimar Republic, M. S. and the Referat f. jüd. Angelegenheiten, in: Leo Baeck Inst. Yearbook 33, 1988, S. 261–83;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1931;
    Eigene Archivstudien:
    Brandenburg. Landeshauptarchiv, Repert. 36 A Oberfinanzpräs. Berlin-Brandenburg (II);
    BA Berlin-Lichterfelde, R 3101 (RWM);
    TU Braunschweig, Univ.archiv;
    Hist. Archiv d. Commerzbank, Biogr. Slg.;
    Konzernarchiv d. Salzgitter AG, Mannesmann-Archiv.

  • Autor/in

    Detlef Krause
  • Empfohlene Zitierweise

    Krause, Detlef, "Sobernheim, Curt" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 519-520 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129858986.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA