Lebensdaten
1658 bis 1723
Geburtsort
Wabnitz bei Oels (Oberschlesien)
Sterbeort
Stargard (Pommern)
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 129376361 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Männling, Johann Christoph
  • J. Ch. M.
  • Männling, J. C.
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Männling, Johann Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129376361.html [20.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, Pfarrer in W., dann in Hochkirch;
    M Rosine Albinus aus Breslau;
    1) 1690 Susanne Katharina ( 1705), T d. Amtmanns Kaspar Scholtz in Breslau, 2) 1706 Anna Elisabeth, T d. Lachsinsp. Paul Schwerdtner in Breslau.

  • Leben

    M. besuchte zunächst die Schule in Hochkirch b. Juliusburg, seit 1667 das Elisabethgymnasium in Breslau sowie das Gymnasium in Thorn. Nachdem er zeitweilig als Pfarrhelfer seinen Vater in Hochkirch unterstützt hatte, begann er 1679 ein durch Gelegenheitsgedichte finanziertes Theologiestudium in Wittenberg, das er für etwa ein Jahr unterbrach, um als Erzieher in einem Kaufmannshaus in Schwerdt b. Graudenz und dann in Branitz (Oberschlesien) zu wirken. Nach Studienabschluß in Wittenberg mit der Magisterwürde 1684 trat er im Frühjahr 1688 für zwölf Jahre das Predigeramt in Kreuzburg (Oberschlesien) an, bis er sich unter wachsendem Druck der Gegenreformation zur Abwanderung gezwungen sah. Ein Jahr lang erteilte er in Breslau Privatunterricht in Poetik und geistlicher Beredsamkeit. Von 1701 bis zu seinem Tode lebte er in Stargard als Pastor von St. Augustin, als Diakon von St. Johann und als Garnisionsprediger.

    Schon in seiner Wittenberger Zeit wurde M. zum kaiserl. poeta laureatus ernannt und in späteren Jahren in die „Deutschgesinnte Genossenschaft“ aufgenommen. Ein Großteil seiner Werke ergibt sich aus dem kirchlichen Dienst: Die meisten seiner Erbauungs- und Gebetbücher richten sich an spezielle Adressaten: an Seeleute, Betagte, Priester, Kommunikanten, Bauern. Als Kirchenlieddichter genoß er unter den Zeitgenossen hohes Ansehen; manche seiner Lieder erhielten einen festen Platz in den Gesangbüchern späterer Jahrhunderte. Sein „Poetischer Blumen-Garten“ (1717) vereinigt geistliche Gedichte zum Kirchenjahr, Hochzeits- und Begräbnisdichtungen sowie Glückwunschgedichte zu verschiedensten Begebenheiten, stets mit erbaulicher und belehrender Absicht. Die vier für das Gymnasium Groeningianum in Stargard verfaßten Schuldramen „Des Jephthae Tochtermord“, „Der ungetreue Absalon“, „Die Sizilianische Argenis“ und „Caroli XII. Siegreiche Ehren Cron“ sind unveröffentlicht geblieben.

    Literaturgeschichtlich von Bedeutung sind die poetologischen Schriften, mit denen M. zum „Literaturtheoretiker der zweiten schles. Dichterschule“ (Hocke) wurde. Seine Anweisung zur deutschen Dichtkunst „Der Europ. Helicon, Oder Musen-Berg“ (1704) schließt sich den manieristischen Poetiken der Nürnberger und Philipp v. Zesens „Deutschem Helikon“ an und bezeichnet Hofmannswaldau und Lohenstein als seine „Ariadne-Fäden“. M. begreift Poetik als eine mit höchster Rationalität verfeinerte Mechanik zur Herstellung oder Kombination von geistreichen und verblüffenden Wortprägungen, Metaphern und anderen rhetorischen Elementen. Er vermittelt zur Fertigung von Gelegenheitsgedichten arithmetische, geometrische und logische Kunstgriffe, empfiehlt Ableitungstabellen und stellt eine Reihe von Handbüchern zusammen, darunter ein Reimwörterbuch sowie zur Abfassung von öffentlichen Reden nach Sachgebieten untergliederte Anthologien von Traumgesichten, Zaubereien, heidnischen Mythologien, Realien aus europ. Geschichte und außereurop. Kulturen. Bekannt wurde M. als Herausgeber von „Arminius enucleatus“ (1708) und „Lohensteinius sententiosus“ (1710). Beide Arbeiten exzerpieren aus Lohensteins Schriften Sentenzen, Apophtegmata, Anekdoten und Beschreibungen fremder Länder und Sitten, damit sie als Enzyklopädie und poetologische Exempel „Verstand und Schreiben prächtiger sollen ausschmücken“. In Kontrast zum großen zeitgenössischen Erfolg dieser beiden Bände steht M.s historische Bewertung. Mit der seit Gottsched einsetzenden Barockopposition verfiel auch M. der bis heute nachwirkenden Schwulstkritik; ja seine Vorreden und Widmungen ahmten Lohensteins Stil derart übertrieben nach, daß sie bevorzugt herangezogen wurden, um das Vorbild selbst zu diskreditieren.

  • Werke

    Weitere W. u. a. Europ. Parnassus, 1685 (1. Fassung v. „Der europ. Helicon“);
    Schaubühne d. Todes od. Leichenreden, 1692;
    Besungenes Hl.|Christ-Fest/d. i. Geistl. Oden u. Lieder, 1700;
    Grabmahl d. Ehren/Das ist Leich-Reden, 1709;
    Denckwürdige Curiositäten, 1713;
    Außerlesener Curiositaeten Merckwürdiger Traum-Tempel, 1714;
    Dt.-Poet. Lex., 1715;
    Heylige Lieder, 1716;
    Dapperus exoticus curiosus, Das ist … Africa-, America- u. Asiat. Curiositäten, 1717;
    Expediter Redner/Oder Deutl. Anweisung z. galanten Dt. Wohlredenheit, 1718 (Neudr. 1974);
    Curiositäten-Alphabeth, 1720, 2u. d. T. Angenehme Schau-Bühne Hist. Ergetzlichkeiten, 1738. - W-Verz.:
    Dünnhaupt, Bibl. Hdb. d. Barocklit. II, 1981, S. 1116–23.

  • Literatur

    ADB 20: P. Tworek, Leben u. Werke d. J. C. M., Diss. Breslau 1938;
    G. R. Hocke, Manierismus in d. Lit., 1959, S. 23, 35 f.;
    R. Newald, Die dt. Lit. v. Späthumanismus z. Empfindsamkeit, 1960, S. 344-47;
    A. Martino, D. C. v. Lohenstein, 1978, S. 246-51;
    Kosch, Lit.-Lex.3

  • Portraits

    Kupf., Abb. in: K. Großmann, Kat. der Mindener Lpr.-Slg., 1972.

  • Autor/in

    Adalbert Wichert
  • Empfohlene Zitierweise

    Wichert, Adalbert, "Männling, Johann Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 637 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129376361.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Männling: Johann Christoph M., Dichter aus der Lohenstein'schen Schule und Hymnograph. Geboren den 14. October 1658 zu Wabnitz im Fürstenthum Oels, studirte er zu Breslau und Wittenberg, erhielt auch von letzterer Hochschule den poetischen Lorbeerkranz sowie die Magisterwürde. Im J. 1688 wurde er Prediger zu Creutzberg in Schlesien. Hier sah er sich jedoch genöthigt die Kirche, an welcher er 12 Jahre Pastor gewesen war, den Katholiken abzutreten, doch erhielt er nach Verlauf eines Jahres das Diaconat zu St. Johann zu Stargard in Pommern, wie er auch daselbst Pastor zu St. Augustin und Garnisonsprediger ward. Hier starb er, nachdem er noch Mitglied der deutsch-gesinnten Genossenschaft geworden war, den 4. Juli 1723. Ein Anhänger des Dichters Lohenstein (Bd. XIX S. 123) und glühender Bewunderer seines Bombastes, unterzog er sich nicht nur der Mühe, die Gleichnisse, Anspielungen und Bilder aus dessen Trauerspielen zusammenzustellen, sondern er unternahm es auch, eigene Arbeiten im Geiste seines Vorbildes zu dichten, sowie durch Anleitungen zur Herstellung eben solcher schwülstiger Verse dem Bedürfnisse jener entarteten und sittenlosen Zeit nach Möglichkeit entgegen zu kommen. Zu dem Ende veröffentlichte er folgende Schriften: „Arminius enucleatus. das ist: Des unvergleichlichen Dan. Casp. Lohenstein herrliche Realia, köstliche Similia .. Sententien etc. aus dessen deutschen Taciti oder Arminii 1. und 2. Theil zusammengetragen“, Stargard 1708. 8°; „Lohensteinius Sententiosus, das ist: Des (wie vorhin).. Sinn-reiche Haupt-kluge Staats- und Lebens-Regeln .. aus dessen sowohl Poetischen Schriften und Tragoedien, als auch Lobreden .. zusammen colligiert .. von M. Johann Christoph Männling B. S. P. L. C. P. p. t. S. T. A.“ (?) Breßlau 1710. 8°. Das Buch ist dedicirt den Söhnen des Freiherrn v. Lichnowsky und unterzeichnet M. P. L. C. Illustr. Colleg. Teuton. Cons., worauf eine Vorrede folgt. In der Widmung hofft der Verfasser, daß das Buch „nur Leitstern und Wegweiser zur Tugend und angenehmen Weißheit abgeben werde“, in der Vorrede aber versichert er in Lohenstein'schem Pathos, „die edlen Gemüther, sie werden hier antreffen einen reichen Kram der angenehmsten Reden, klügsten Lehr-Sätze, galantesten Realien, womit sie ihren Verstand und Schreiben prächtiger sollen ausschmücken, als Persien seine Zimmer mit kostbahren Tapezereyen, und eine Königliche Braut in Franckreich mit Jubelen (sic)..“ und er lebt der festen Zuversicht, es werde „wo nicht besser, doch eben so angenehm sein, als einem Alexandro Magno ein Homerus". Zu seinen eigenen Dichtwerken zählen: „Die beliebte Tabea" (Roman?); „Des Jephtä Tochtermord"; „Der leidende Jesus"; „Der gerechte Abel“ u. A. m. Außerdem ließ er ausgehen: „Poetischer Blumen-Garten, Oder Teutsche Gedichte ..“ (geistliche Gebete, Glückwünschungs-Carmina, Hochzeits- und Leichengedichte, Arien und geistliche Oden), Breßl. 1717. 8° (charakteristisch für M. ist|die Vorrede); „Der Europäische Helicon, Oder Musenberg. Das ist Kurtze und deutliche Anweisung .. Innerhalb weniger Wochen ein zierliches deutsches Gedichte zu machen“, Alten Stettin 1704, 1719, 8° (unter anderem Titel schon: Wittenberg 1689, 8°). Von seinen zahlreichen anderen, jetzt größtentheils zu den Seltenheiten gehörigen Schriften führe ich noch an: „Denkwürdige Curiositäten derer sowohl Inn- als auch Ausländischer Abergläubischer Albertäten ..", Frankf. u. Leipz. 1713, 8°; „Traum-Tempel, oder Curiositäten von allerhand sonderbaren Träumen", Liegnitz 1714, 8°; „Expediter Redner, oder deutliche Anweisung zur galanten teutschen Wohl-Redenheit“, Frankf. a. O. 1718, 8°; „Curiositäten-Alphabeth, d. i. angenehme Schau-Bühne histor. Ergötzlichkeiten“, 3 Theile, Breslau 1720, 1738, 8°. Ob ein C. Mennling, der einen „Bußfertiger Zöllner und rechtschaffener Christ“, Bresl. 1691, 12° verfaßte, identisch mit unserem M., ist fraglich, doch soll der letztere auch einen „Dapperus exoticus“ und einen „Judas der Verräther" geschrieben haben. Von größerem Werthe sind seine geistlichen Lieder, die sich zum Theil bis auf unsere Zeit in Gesangbüchern erhalten haben, obgleich auch diese von Lohenstein'schem Schwulste nicht ganz freizusprechen sind. Als die besten darunter gelten: „Mein Jesus der ist todt“, und „Gottlob, es ist nunmehr zu Ende“.

    • Literatur

      Jöcher. Wetzel, Liederdichter II, 143 und dessen Analecta hymnica II, 699—700. Passow, Lohenstein und seine Trauerspiele. Goedeke, Grdr. II, 517. Grässe, Trésor IV, 248 a, 332 b.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob, "Männling, Johann Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 209-210 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129376361.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA