Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Musikverleger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129302082 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Simrock

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Zitierweise

Simrock, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129302082.html [18.08.2019].

CC0

  • Leben

    Über fünf Generationen prägten Mitglieder der Familie S. die Geschicke des 1793 in Bonn gegründeten gleichnamigen Musikverlages. Nikolaus (* 23.8.1751 Mainz, 12.6.1832 Bonn), Sohn des Johann (auch Simmerock, 1721–88), eines Korporals in Kurmainzer Diensten, war neun Jahre Mitglied einer franz. Militärkapelle, bevor er 1775 eine Anstellung als Waldhornist in der Bonner Hofkapelle des Kf. Maximilian Friedrich von Köln erhielt. Um den Unterhalt seiner rasch wachsenden Familie zu sichern – Nikolaus und seine Frau Ottilie Franzisca Blascheck (Blaschek) (1756–1829) aus Mainz hatten 13 Kinder –, handelte er seit 1780 auch mit Musikalien, Musikinstrumenten, Schreibwaren sowie Wein und unterhielt eine Kopistenwerkstatt. Die ersten eigenen Notendrucke S.s datieren von 1793, darunter Ludwig van Beethovens Klaviervariationen über „Es war einmal ein alter Mann“ (WoO 66) aus „Das rote Käppchen“ von Dittersdorf und ein von Nikolaus selbst gestochener Klavierauszug von Mozarts „Zauberflöte“. Nach der Auflösung des Kurfürstentums 1794 wurde das Verlagsgeschäft Haupterwerb und stetig ausgebaut. Neben zahlreichen populären Arrangements erschienen bei S. wichtige Werke der Wiener Klassiker, wie z. B. die Erstausgaben der „Londoner“ Sinfonien Hob I: 99, 102 und 104 (1801) von Joseph Haydn, der bei seinen Besuchen in Bonn 1790 und 1792 mit Nikolaus zusammengetroffen war. Einen Schwerpunkt nahmen die Werke Beethovens ein, mit dem Nikolaus seit der gemeinsamen Zeit in der Bonner Hofkapelle in freundschaftlichem Briefkontakt stand; bedeutend sind besonders die Erstausgaben der „Kreutzer-Sonate“ op. 47 (1805), die Sonaten für Violoncello und Klavier op. 102 (1817) und die dt. Partitur-Erstausgaben der Symphonien Nr. 1 bis Nr. 4 (1822). Spätestens seit 1802 vertrieb Nikolaus' Bruder Heinrich (1754–1839) die Verlagsprodukte in Paris, wo er Lehrer für Horn und Gesang am Konservatorium war, und wirkte wegbereitend für die Werke Beethovens in Frankreich.

    Der den Gedanken der Aufklärung schon früh zugeneigte Nikolaus, der 1787 die Bonner Lesegesellschaft mitbegründet hatte, bekleidete während der napoleon. Zeit mehrfach städtische Ämter und gelangte zu Wohlstand. 1803 erwarb er ein Anwesen an der Ecke Bonngasse/Maargasse, das Raum für Verkaufs- und Lagerstätten, die Druckerei und die Wohnung bot und bis 1870 Stammhaus der Firma blieb. Wirtschaftlicher Erfolg und internationales Renommée zeigten sich auch in der vorübergehenden Einrichtung von Kommissionslagern in Petersburg und Riga durch Nikolaus' Sohn Franz Carl Anton (Fritz) (* 7.10.1790 Bonn, 14.12.1872 ebenda)). Der dritte Sohn Peter Joseph (Seppel) (* 18.8.1792 Bonn, 13.12.1868 Köln) gründete 1812 eine Niederlassung in Köln und übernahm 1832 die Leitung des Verlags (im ersten Jahr gemeinsam mit seinem Bruder Fritz). In den nächsten Jahren publizierte er wichtige Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy („Lieder ohne Worte“, „Paulus“, „Elias“) und Robert Schumann (3. Symphonie). Bedeutsam für die Verlagsgeschichte wurde der Kontakt zu Johannes Brahms, der 1860 mit dem Druck der Serenade op. 16 seinen Anfang nahm. Aus der geschäftlichen Zusammenarbeit entwickelte sich bald eine enge persönliche Freundschaft zwischen Brahms und Peter Josephs Sohn Friedrich August (Fritz) (* 2.1.1837 Bonn, 20.8.1901 Lausanne), von der ein umfangreicher Briefwechsel Zeugnis ablegt.

    Der vielseitig begabte Fritz absolvierte nach einem Jura-, Geschichts- und Sprachenstudium in Bonn den Militärdienst und eine kaufmännische Ausbildung. Anschließend trat er in die Berliner Musikalienhandlung Timm & Co ein, die er bald selbständig führte und nach dem Tod des Vaters mit dem Bonner Stammhaus vereinigte. 1870 verlegte er den Firmensitz nach Berlin, gab die eigene Notenherstellung auf und konzentrierte sich ganz auf das Verlagsgeschäft, das unter dem Namen „N. Simrock Musikverlag“ eine weitere Glanzzeit erlebte. Bis 1897 erschien fast das ganze Werk von Brahms bei S., darunter viele bedeutende Erstausgaben. Auf Empfehlung von Brahms nahm Fritz Werke von Max Bruch, Johann Strauss und besonders Antonín Dvořák in sein Programm auf. Letzterem verhalf er 1878 mit den „Klängen aus Mähren“ op. 32 und den „Slawischen Tänzen“ op. 46 zum Durchbruch. Der Berliner Salon von Fritz und seiner Frau Clara Franziska Angelika Hubertine, geb. Heimann (* 22.6.1839 Bonn, 30.4.1928 Berlin) war Treffpunkt vieler Musiker und bildender Künstler.

    Gemäß der Verfügung von Fritz wurde der Verlag nach seinem Tod 1901 in eine GmbH umgewandelt, geleitet von seinem Neffen Johann Baptist (Hans) (* 17.4.1861 Köln, 26.7.1910 Berlin), Sohn des Arztes Nikolaus (1832–73) und der Marie Elise Friederike Hubertine Heimann (1834–1906). Dieser richtete 1904 eine Niederlassung in Leipzig ein und Agenturen in London, Paris und New York. In der sog. „Simrock-Volksausgabe“ veröffentlichte er u. a. noch urheberrechtlich geschützte Werke von Brahms und Dvořák zu einem günstigen Preis. 1906 gründete er die „Deutsche Brahmsgesellschaft“, 1908 die „Vereinigung der Brahmsfreunde“.

    Auf den Geschäftsführer Richard Chrzescinski folgte 1923 Fritz Auckenthaler (1893–1973), ein Enkel von Fritz, der 1929 die Firma an den Verlag A. J. Benjamin verkaufte. Die unter der NS-Herrschaft im Zuge der „Arisierung“ dt. Geschäfte in die Verlagsgruppe H. Sikorski eingegliederte Firma Benjamin wurde 1951 an die Erben, die Familie Schauer, zurückgegeben und 2002 an „Boosey & Hawkes“ verkauft. Der Name S. lebt in der Reihe der „Simrock Original Edition“ weiter. Seit 1911 gibt es ferner den Bühnenund Musikverlag „Ahn und Simrock“, der aus dem Zusammenschluß des Albert-Ahn-Verlags mit Nikolaus S. entstand und seinen Schwerpunkt heute im Sprechtheater hat. Ein Ururenkel Nikolaus' und Urenkel Karl Josephs (1802–76, s. u.), Walther Ottendorf-S. (1902–85), war Bürgermeister in Bad Neuenahr und Verfasser einer Chronik der Familie.

  • Literatur

    ADB 34;
    Verz. d. Musikalien-Verlages N. S., 1898 mit Suppl. 1902–27;
    S.-Jb., hg. v. E. H. Müller, 3 Bde., 1928–34;
    W. Ottendorf-Simrock, Das Haus S., 1942, 21954, Neuausg. hg. v. I. Bodsch, 2003 (Geneal., P);
    J. Brahms u. Fritz S., Weg e. Freundschaft, hg. v. K. Stephenson, 1961 (P);
    H. Unverricht, Die S.-Drucke v. Haydns Londoner Sinfonien, in: Studien z. Musikgesch. d. Rheinlandes II, hg. v. H. Drux u. a., 1962, S. 235–59;
    K. Hofmann, Die Erstdrucke d. Werke v. J. Brahms, 1975;
    S. Brandenburg, Die Gründungsjahre d. Verlags N. S. in Bonn, in: Studien z. Bonner Musikgesch. d. 18. u. 19. Jh., hg. v. M. Bröcker u. G. Massenkeil, 1978, S. 28–36;
    O. Biba, Der Bonner Musikverleger N. S. u. J. Haydn, in: Joseph Haydn u. Bonn, Ausst.kat., hg. v. I. Bodsch u. a., 2001, S. 121–30;
    P. Clive, Beethoven and his world, 2001, S. 337 f.;
    Riemann;
    MGG (P);
    MGGB2;
    New Grove;
    New Grove2;
    ÖBL;
    Bonner Personenlex. (P);
    ÖML (in Vorbereitung);
    P zu Nikolaus: Gem. v. J. K. Stieler (zugeschr.), um 1820 (Bonn, Beethoven Haus), Abb. in: Das Haus S., 2003, S. 10 (spätere Fassung im Stadtmus. Bonn);
    Lith. v. P. J. Stich, in: S.-Jb. III, 1930/34;
    zu Fritz:
    Photo, in: S.-Jb. II, 1929, u. in: Das Haus S., 2003, S. 65.

  • Autor/in

    Marion Brück
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Brück, Marion, "Simrock" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 446-447 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129302082.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA