Lebensdaten
1568 bis 1621
Geburtsort
Antwerpen
Sterbeort
Helmstedt
Beruf/Funktion
Philosoph ; Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 12490582X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Martinus, Cornelius
  • Martin, Corneille
  • Martin, Cornelis
  • mehr

Verknüpfungen

Visualisieren

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Martini, Cornelius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd12490582X.html [23.03.2017].

CC0

Martini (Martinus), Cornelius

Philosoph, * Herbst 1568 Antwerpen, 17.12.1621 Helmstedt. (lutherisch)

  • Genealogie

    V Cornelius (* vor 1524, vor 1606), Ratsherr u. Deichgf. in A.; M Margarete Paulli (1534–1606): ledig.

  • Leben

    Seines ev. Bekenntnisses wegen aus Flandern vertrieben, studierte M. seit Mai 1584 in Rostock bei den Melanchthon-Schülern David Chytraeus und Johannes Caselius und wurde durch letzteren auch mit dem ital. Humanismus bekannt. Nachdem er eine Zeitlang livländ. Adelige unterrichtet hatte, wechselte er im Gefolge von Caselius und Duncan Liddel 1591 an die (schon durch Chytraeus' Statuten) melanchthonisch ausgerichtete Univ. Helmstedt; aufgrund des Einflusses der Theologen Tilemann Heßhus und Daniel Hof(f)mann sowie aus politischen Gründen war man hier vom Luthertum der Konkordienformel abgerückt, verstärkt seit dem Regierungsantritt von Hzg. Heinrich Julius von Braunschweig 1589. Nach einem Kolloquium vor dem Konsistorium, dessen Leiter der Oberhofprediger Basilius Sattler war, wurde M. Ende März 1592 zum Professor für Logik ernannt und im April zum Magister Artium promoviert. Seine philosophische Arbeit galt der Wiederherstellung der aristotelischen Logik im Sinne der Methodologie Giacomo Zabarellas und Owen Günthers (Helmstedter Aristotelicus seit 1574, Schüler Melanchthons und Chytraeus'), d. h. ihres instrumentellen Verständnisses; ausgeschieden wurde damit die rhetorische Logik der Ramisten, die in herzoglichen Edikten 1592, 1597 und 1601 auf didaktische Zwecke beschränkt wurde. Folgerichtig dehnte M. seinen Unterricht auch auf die Metaphysik aus, die er als allgemeinste Realdisziplin oder Prima Philosophia verstand und, die Form des Aristoteles-Kommentars verlassend, erstmals in Deutschland und noch vor dem Einfluß der Disputationen von Francisco Suarez in systematischer Form darstellte (1597/99). Diese auch andernorts ins Auge gefaßte. aber von M. und seinen Schülern (Jakob Martini, Henning Arnisaeus, Konrad Hornejus) mutig ins Werk gesetzte und dann sogleich an allen prot. Universitäten rezipierte Neuerung kennzeichnet am besten die philosophiehistorische Bedeutung M.s beim Übergang des philologisch-rhetorischen Humanismus zur argumentativen Logik und realistischen Ontologie, d. h. zur Schulphilosophie des 17. Jh. Obwohl er sich nie um ein theologisches Amt bemühte, ist M. auch theologiehistorisch von Bedeutung. Überzeugter Lutheraner melanchthonscher Prägung, theologisch bestens gebildet und versierter Disputant, wurde er 1601 vom Herzog zum Regensburger Religionsgespräch entsandt. Vor allem aber entschied er theologische Entwicklungen mit: im Streit mit D. Hof(f)mann über dessen philosophiekritische These von der doppelten Wahrheit bzw. über die Forderung einer „christlichen Philosophie“ durch dessen ramistische Schüler Kaspar Pfaffrad und Joh. Angelus von Werdenhagen (1598/1601 bzw. 1616/18, dabei von vielen luth. Theologen unterstützt) sowie im Streit mit dem Wittenberger Theologen Balthasar Meisner über die von diesem bestrittene Notwendigkeit, auch in theologischen Materien stets in forma syllogistica zu argumentieren (1617/21). Beide Male vertrat M. mit Selbstbewußtsein seine philosophischen Überzeugungen (was ihm neben dem Verdacht der Goldmacherei Schimpfwörter wie „rationista“, ja „epikurische Sau“ eintrug) sowie eine neue Auffassung von Theologie, die auf die methodische Trennung von theologischer Wissenschaft und persönlicher Frömmigkeit des Theologen hinauslief. Sie hat sich in Helmstedt mit M.s bedeutendstem theologischen Schüler Georg Calixt seit 1619 durchgesetzt und wurde im 18. Jh. gemeinprotestantisch. Nach Caselius' Tod und dem Regierungsantritt Friedrich Ulrichs (1613) wurde M. zum unbestrittenen Wortführer des Wissenschaftsideals der „Caselani“, die nach dem politischen Umschwung von 1603 etwas zurückgedrängt worden waren, und verhalf der Univ. Helmstedt, der er auch als Prorektor und Dekan mehrmals diente, zur größten Blüte ihrer Geschichte.

  • Werke

    Commentarius in Aristolelis librum Perihermeneias, 1594; Metaphysica commentatio, 1605 (Vorlesung v. 1597/99); Disputationes metaphysicae, 1606; De analysi logica tractatus, 1619; Responsio ad primam et miserabilem vexatam quaestionem Balthasaris Meisneri, 1621; Metaphysica, 1622; Commentariorum logicorum adversus Ramistas libri V, 1623; Disputationes physicae, 1647; Theologiae compendium (hrsg. v. H. J. Scheuerl), 1650; Disputationes logicae, 1652; Disputationes ethicae, 1658; Anecdota sive epistolae ad familiares scriptae (hrsg. v. H. F. Braunssen), 1741.

  • Literatur

    ADB 20; P. Zimmermann, Album Academiae Helmstadiensis I, 1926; M. Wundt, Die dt. Schulmetaphysik d. 17. Jh., 1939; W. Risse, Die Logik d. Neuzeit, 1964/70; H. Dreitzel, Protestant. Aristotelismus u. absoluter Staat, 1970 (L); S. Wollgast, Philos. in Dtld. zw. Ref. u. Aufklärung, 1988; RGG.

  • Autor

    Walter Sparn
  • Empfohlene Zitierweise

    Sparn, Walter, "Martini, Cornelius" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 296 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd12490582X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Martini, Cornelius

  • Leben

    Martini: Cornelius M., evangelischer Theologe und aristotelischer Philosoph, wurde 1568 zu Antwerpen geboren, von wo indeß seine Eltern vor Alba fliehen mußten, studirte zu Rostock und wurde wegen seiner Virtuosität im Disputiren im 24. Lebensjahre Professor der Logik in Helmstädt, wo er der erste war, welcher die Metaphysik vortrug. Als Vertreter des Melanchthon'schen Humanismus und der Aristotelischen Philosophie im Zeitalter der orthodoxen Polemik hat er einen mächtigen Einfluß ausgeübt; und hauptsächlich durch ihn hat die lutherische Universität Helmstädt den humanistischen und irenischen Charakter bekommen, welchen später sein Schüler Georg Calixt, der berühmte Theologe, hervorragend bewährte. M. starb hochgeachtet 1621.

    • Literatur

      Vgl. Jöcher, Gelehrtenlexikon III, 227; Fortsetzung desselben von Adelung und Rotermund, Bd. 4, S. 845; an beiden Stellen sind seine Werke angeführt; Henke. Calixt I, 258; Herzog, Realencyklopädie, 1. Aufl. II, 501 und III, 114.

  • Autor

    Tschackert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Tschackert, Paul, "Martini, Cornelius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 501 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd12490582X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA