Lebensdaten
1887 bis 1957
Geburtsort
Traunstein (Oberbayern)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Agrarpolitiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 124729592 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Niklas, Wilhelm

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Zitierweise

Niklas, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124729592.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes Nepomuk (1847–1912) aus Lauingen, Reallehrer in T.;
    M Josefa Maria Mayr (1846–1901), aus Lauinger Gastwirts- und Brauerfam.;
    B Hans (1884–1944), Prof. f. Landwirtsch. an d. TH München, Karl (1878–1965), Postpräs. v. Niederbayern;
    1) Traunstein 1920 Maria Aloisia Wochinger (1892–1942), aus Brauerfam., 2) München 1943 Annie Pointner (1908–93), aus Uffinger Sägewerks- u. Elektrizitätsbes.fam.;
    1 S Karl (* 1923), Dr. med., Ges.arzt b. d. Allianz, 5 T, u. a. Maria (* 1921, Dr. Wilhelm Henle, 1914–94. Min.dirigent im Bayer. Staatsmin. f. Arbeit u. soz. Fürsorge), Paula (* 1925, Dipl.-Landwirt Josef Ertl, * 1925, FDP-Politiker, 1969-83 Bundeslandwirtschaftsmin.).

  • Leben

    N. besuchte die Volksschule und das Progymnasium in Traunstein und – zusammen mit Fritz Schäffer – das Gymnasium in Neuburg/Donau. Seit 1906 studierte er zwei Semester Rechts- und Staatswissenschaften in München, anschließend Veterinärmedizin an der TH München. Nach der tierärztlichen Approbation 1910 war N. als Assistent an der Tierärztlichen Hochschule in München tätig. 1912 legte er die Prüfung für den tierärztlichen Staatsdienst in Bayern ab, 1913 promovierte er mit einer Arbeit über „Die Entwicklung der Bayerischen Landesviehversicherungsanstalt in den ersten 15 Jahren ihres Bestehens“ (1914) zum Dr.-Ing. Seit 1915 im Bayer. Innenministerium, wurde er 1916 an die Reichsfleischstelle in Berlin abgeordnet, wo er gleichzeitig als Referent im Kriegsernährungsamt tätig war. Nach Ende des 1. Weltkrieges wirkte N. nebenamtlich zunächst als stellvertretender Vorsitzender der deutschen Oberkommission zur Erfüllung des Friedensvertrages hinsichtlich der Viehablieferung (Mitglied der Versailler Delegation), anschließend als 1. Vorsitzender der Kommission sowie der Reichsfleischstelle bis zu deren Auflösung. Im April 1919 trat er als Regierungsrat in das Reichswirtschaftsministerium ein, 1920 wurde er Ministerialrat im neugeschaffenen Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. 1925 nach München zurückberufen, leitete N. bis zur erbetenen Versetzung in den Ruhestand 1935 die Abteilung Gestütswesen, Tierzucht- und Milchwirtschaft im Bayer. Landwirtschaftsministerium. Bis 1945 bewirtschaftete er den Hof Achatswies bei Fischbachau und war als Güterverwalter in Württemberg, Bayern und Osterreich tätig.

    Am 12.6.1945 berief ihn Ministerpräsident Fritz Schäffer zum stellv. Leiter des Landesamtes für Ernährung und Landwirtschaft unter Ernst Rattenhuber und damit auf einen Schlüsselposten beim Wiederaufbau des Bayer. Landwirtschaftsministeriums. N., der vor 1933 der BVP nahegestanden hatte, war Gründungsmitglied der CSU und des Bayer. Bauernverbandes. Er wurde Staatskommissar, später Aufsichtsratsvorsitzender der Bayer. Landwirtschaftsbank. Im Sept. 1945 zum Ministerialdirektor befördert, folgte am 22.10.1945 die Ernennung zum Staatsrat im neuen Staatsministerium für Ernährung und Landwirtschaft (seit 1946: für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) unter Joseph Baumgartner und die Bestellung zum ständigen Vertreter des Ministers. Am 1.1.1947 berief die Univ. München N. zum o. Professor für Tierzucht an der Tierärztl. Fakultät, wo er infolge seiner anderwärtigen Verpflichtungen in der Verwaltung nur in geringem Umfang wirken konnte. Unter Beibehaltung seines Postens als Staatsrat amtierte er seit dem 1.4.1948 auch als Stellvertreter des Direktors der Verwaltung für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Vereinigten Wirtschaftsgebietes in Frankfurt, Hans Schlange-Schöningen. In dieser Funktion vertrat er die föderalistischen und landwirtschaftspolitischen Interessen des Agrarlandes Bayern. Adenauer holte N., den er wenig schätzte, allein aus koalitionspolitischen Gründen als Bundeslandwirtschaftsminister in sein 1. Kabinett (1949–53); aus der Ministerialbürokratie kommend, hätte N. das Amt des Staatssekretärs vorgezogen. Er verfolgte den Zeitumständen entsprechend eine planwirtschaftliche Marktordnungspolitik. 1953 machte er Heinrich Lübke Platz und nahm seine Lehraufgaben an der Münchner Universität wieder auf (1955 Emeritierung). N. war einer der zahlreichen bayer. Spitzenbeamten, die nach dem 2. Weltkrieg in hohe politische Ämter gelangten. – Dr. med. vet. h. c. (München 1951); Ehrenbürger v. Traunstein (1955).

  • Werke

    Weitere W u. a. Sorgen um d. tägl. Brot, Von d. Reg.erklärung 1949 bis zu d. Marktordnungsgesetzen 1951, 1951. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv f. Christl. Dem. Pol. d. Konrad-Adenauer-Stiftung, St. Augustin (Kopien auch im BA Koblenz); Personalakten im Bayer. HStA München u. im Archiv d. LMU München.

  • Literatur

    W. Henkels, in: FAZ v. 27.6.1950;
    H. Haushofer, in: Gr. Landwirte, hg. v. G. Franz u. H. Haushofer, 1970, S. 418-35 (W, L, P);
    Die Kab.protokolle d. Bundesreg. 1949-1953, 1982 ff.;
    U. Wengst, Auftakt z. Ära Adenauer, Koalitionsverhh. u. Reg.bildung, 1985;
    U. Kluge, Vierzig Jahre Agrarpol. in d. Bundesrep. Dtld. I, 1989, S. 83-164 (P);
    Im Zentrum d. Macht, Das Tagebuch v. Staatssekr. Lenz 1951-1953, bearb. v. K. Gotto, H.-O. Kleinmann u.|R. Schreiner, 1989;
    A. Bauerkämper, Landwirtsch. u. ländl. Ges. in d. Bundesrep. in den 50er J., in: A. Schildt u. A. Sywottek (Hg.), Modernisierung im Wiederaufbau, 1993, S. 188-200;
    Die Protokolle d. Bayer. Ministerrats 1945-1954: Das Kab. Schäffer, bearb. v. K.-U. Gelberg, 1995, Das Kab. Hoegner I, bearb. v. dems., 1997;
    R. Morsey, Heinrich Lübke, Eine pol. Biogr., 1996;
    A. Eichmüller, Landwirtschaft u. bäuerl. Bevölkerung in Bayern, Ökonom. u. sozialer Wandel 1945-1970, 1997.

  • Autor/in

    Karl-Ulrich Gelberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Gelberg, Karl-Ulrich, "Niklas, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 260 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124729592.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA