Lebensdaten
1900 bis 1962
Geburtsort
Emden
Sterbeort
Berlin-Nikolassee
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 122945085 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hinrichs, Carl

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Zitierweise

Hinrichs, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122945085.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus alter ostfries. Fam.;
    V Carl (1864–1920), Kaufm. in E., S d. Kaufm. Hedde;
    M Alide Tammina (1871–1921), T d. Kaufm. Peter de Jonge (1838–1917) in E.;
    Emden 1928 Elfriede (* 1903), T d. Kaufm. Heinrich Klattenhoff in E. u. d. Gerhardine Gesine Marie Sachtje; 3 Pflege-K.

  • Leben

    H. studierte in Jena, Heidelberg, Marburg und Bonn Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Theologie und Philosophie, promovierte 1925 (Dissertation: Die ostfriesischen Landstände und der preußische Staat 1744–48) bei Georg Mentz in Jena. Nach kurzer Lehrtätigkeit als Studienreferendar trat er in den Dienst der Acta Borussica und bearbeitete hier den Band über die Wollindustrie unter Friedrich Wilhelm I., eine Darstellung mit Aktenbeilagen (1933). Sie trug ihm von der Kritik die Gleichstellung mit Schmoller und Hintze ein. 1937 erwarb er in Berlin den Dr. habilitiert, 1942 wurde er Dozent in Königsberg, 1944 folgte er dem Ruf auf einen Lehrstuhl für mittelalterliche und neuere Geschichte in Halle. 1951 ging er als Ordinarius für neue Geschichte an die Freie Universität Berlin.

    H. hat auf auseinanderliegenden Gebieten grundlegende Werke veröffentlicht. Er gehörte als Archivar zu den besten Kennern der Aktenüberlieferung des preußischen Absolutismus. Sein Ruf als einer der großen Geschichtsschreiber beruht auf seinem Hauptwerk, der Biographie Friedrich Wilhelms I. (Band 1, 1941, 31969). Sie ist unmittelbar aus den Archiven geschrieben – die künstlerische Gestaltung läßt dies ganz vergessen. Sie führt in der Darstellung von Staat und Gesellschaft unter Friedrich I. über den eigentlichen Gegenstand weit hinaus. Schon H.s Studienfächer spiegeln seine Neigungen; der höfische Barock, der kulturelle Prunk und das geistige Leben Berlins sprachen sein Interesse und seine schriftstellerische Begabung auf das glücklichste an. Zur Klärung und Erhellung der persönlichen Triebkräfte und Motive des preußischen Staatsgründers stieß H. dann in den religiösen Bereich vor. Er gewann ein neues Bild von August Hermann Francke und dem hallischen Pietismus. Ihn stellte er als politisch-soziale Reformbewegung des 18. Jahrhunderts heraus, an deren tieferer Erforschung er während der letzten Jahre seines Lebens arbeitete. Die kritische Edition der politischen Predigten Thomas Müntzers bot die Grundlage zu einem Buch über Luther und Müntzer, das die revolutionäre Theologie Müntzers den historisch-politischen Vorstellungen des Wittenberger Reformators gegenüberstellte. Der Historiographie waren Arbeiten über Ranke gewidmet. H. legte Rankes universalgeschichtliche Verwurzelung und neuplatonische Ursprünge in der Geschichtstheologie der Goethezeit klar. Die auf umfangreichen Quellenstudien aufbauenden Bücher und Aufsätze erhalten ihren Wert durch die Verbindung von höchster Bildung, dichterischer Gestaltungskraft und gelehrter Forschung.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Mainz 1960).

  • Werke

    u. a. Der Kronprinzenprozeß, Friedrich u. Katte, 1936;
    Der allgegenwärtige König, Friedrich d. Gr. im Kab. u. auf Inspektionsreisen, 1940, 31943;
    Luther u. Müntzer, Ihre Auseinandersetzung üb. Obrigkeit u. Widerstandsrecht, 1952,| 21963;
    Ranke u. d. Gesch.theol. d. Goethezeit, 1954;
    Preußen als hist. Problem, Ges. Abhh., hrsg. mit Einl. v. G. Oestreich, 1964 (Bibliogr. v. W. Schochow); Aus d. Nachlaß:
    Der Pietismus in Brandenburg-Preußen als rel.-soz. Reformbewegung, 1971.

  • Literatur

    St. Skalweit, Friedrich Wilhelm I. u. d. preuß. Hist., in: Jb. f. d. Gesch. Mittel- u. Ostdtld.s 6, 1957;
    G. Oestreich, ebd. 11, 1962 (P);
    ders., in: HZ 196, 1963.

  • Autor/in

    Gerhard Oestreich
  • Empfohlene Zitierweise

    Oestreich, Gerhard, "Hinrichs, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 188 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122945085.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA