Dates of Life
1548 – 1603
Place of birth
Meißen
Place of death
Meißen
Occupation
lutherischer Theologe
Religious Denomination
evangelisch
Authority Data
GND: 122773799 | OGND | VIAF: 35346704
Alternate Names
  • Strigenicius, Gregor
  • Strigenitius, Gregor
  • Strigenicius, Gregorius
  • more

Objekt/Werk(nachweise)

Relations

The links to other persons were taken from the printed Index of NDB and ADB and additionally extracted by computational analysis and identification. The articles are linked in full-text version where possible. Otherwise the digital image is linked instead.

Places

Map Icons
Marker Geburtsort Place of birth
Marker Wirkungsort Place of activity
Marker Sterbeort Place of death
Marker Begräbnisort Place of interment

Localized places could be overlay each other depending on the zoo m level. In this case the shadow of the symbol is darker and the individual place symbols will fold up by clicking upon. A click on an individual place symbol opens a popup providing a link to search for other references to this place in the database.

Citation

Strigenitz, Gregor, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122773799.html [28.03.2024].

CC0

  • Genealogy

    V Paul († 1564), Tuchmacher, Ratsmitgl. u. Stadtrichter in M.;
    M Hedwig († 1569), T d. Hans Brauer (auch Wanßdorff genannt); ältester B Matthäus (um 1542–79), Pfarrer in Lastau b. Colditz, jüngster B Johannes (1554–1623, Pfarrer in Teutleben b. Buttstädt;
    Wolkenstein 1573 Anna, T d. Bartel Zimmermann, Bgm. v. Döbeln;
    5 S u. a. Gregor (1575–1635), Pfarrer in Hohenstein, Paul, Stadtrichter in M., Friedrich Wilhelm (1581–1637, Pfarrer in Raußlitz, 5 T u. a. Anna (1574–1604, Johann Kaufmann, 1566–1616), Sophia ( Johann Willsche, * 1576).

  • Biographical Presentation

    S. besuchte die Stadtschule und 1562–67 als Stipendiat seiner Heimatstadt die Fürstenschule in Meißen. Ein kfl. Stipendium ermöglichte ihm anschließend ein Studium der Theologie in Leipzig. Im Jahr seines Magisterexamens (1572) wurde S. Schulrektor in Döbeln und 1573 Pfarrer in Wolkenstein (Erzgebirge). 1581–87 wirkte er als Hofprediger und Assessor des Konsistoriums in Weimar, 1587–89 als Superintendent in Jena und 1590–93 in gleicher Funktion in Orlamünde. Nach der Absetzung des kryptocalvinist. Meißener Superintendenten Balthasar Sartorius (1534–1609) erwirkte Hzg. Friedrich Wilhelm I. von Sachsen-Weimar (1562–1602) die Berufung des als Gnesiolutheraner geltenden S. Dieser wurde 1594 von Polykarp Leyser (1552–1610) in die Ämter des Meißener Superintendenten und Assessors des Konsistoriums eingeführt.

    S. darf als einer der bedeutendsten luth., außerhalb des akad. Kontextes wirkenden Theologen der zweiten Hälfte des 16. Jh. angesehen werden. Sein umfängliches Œuvre besteht aus zahlreichen größeren, z. T. mehrfach wiederaufgelegten Predigtsammlungen zu alt- wie neutestamentlichen Textkomplexen sowie Gelegenheitspredigten, v. a. Hochzeits- und Leichenpredigten (Exequiae Christianae, 1621). Nicht nur hinsichtlich der Geschichte der praktizierten Homiletik, sondern auch bezüglich der sich im Medium ,Kanzelrede‘ manifestierenden Kunst der Bibelauslegung des frühen Luthertums nimmt S. eine prominente Stellung ein. In enger Anlehnung an Luther entwickelte S. einen Predigtstil geprägt von hoher geistlich-rhetorischer Befähigung, frommer Gelehrsamkeit (pia eruditio), seelsorglich-praktischer Ausrichtung, narrativem Geschick sowie einer Vorliebe für Exempel und geistliches Liedgut. Sein am weitesten verbreitetes Werk „Conscientia, Das ist, Einnfeltiger unnd gründtlicher Bericht, vom Gewissen deß Menschen“ (1593, ⁷1654) zeigt S.s vorrangige Absichten: die Applikation der reformatorischen Botschaft der Rechtfertigung des Sünders allein aus Gnade, die tröstliche Verkündigung des Todes Christi, durch den der Tod zum Schlaf geworden ist, sowie die Promulgation der konkreten ethischen Weisung und des Rufes zu konsequenter Umkehr.

  • Works

    J. Gelumbeckaitë, Bibliogr. d. selbständig gedr. Werke G. S.`, in: J. A. Steiger (Hg.), G. S. (s. L), S. 287–381.

  • Literature

    ADB 36;
    P. Kirchbach d. J., Justa Funebria, 1620, S. 1–58 (Lpr.);
    A. Bitzel, „Gedenket an eure Lehrer“, G. S. (1548–1603 z. 400. Todestag, in: Dt. Pfarrerbl. 103, 2003, S. 524–26;
    J. A. Steiger (Hg.), G. S. (1548–1603), Ein luth. Kirchenmann in d.|zweiten Hälfte d. Ref.-Jh., 2003 (hierin u. a. Faks. d. Lpr., P);
    Zedler;
    Jöcher.

  • Portraits

    Holzschnitt, anonym, 1607, in: G. S., Sancti Redivivi, Das ist, Die schöne (. . .) Oster-Historia, 1607, Titelbl.

  • Author

    Johann Anselm Steiger
  • Citation

    Steiger, Johann Anselm, "Strigenitz, Gregor" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 556-557 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122773799.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographical Presentation

    Strigenitz: Georg St. (Strignitz, Strigenitius), lutherischer Prediger, 1603. Unter den orthodox-lutherischen Predigern nach der Reformation zeichnete sich St. durch eine erstaunliche Fruchtbarkeit in homiletischen Productionen aus. Er erblickte das Licht der Welt am 9. Februar 1548 in Meißen, wo sein Vater ein angesehener Bürger war. Auf der Stadtschule, danach auf der Fürstenschule seiner Heimath vorgebildet, studirte er seit 1567 in Leipzig fünf und ein halbes Jahr und erwarb sich am 4. März 1572 zu Wittenberg die Magisterwürde. Noch in demselben Jahre berief ihn der Rath zu Döbeln als Schulmeister dahin; Ostern 1573 aber folgte er einem Rufe als Pfarrer nach Wolkenstein und vermählte sich noch in demselben Jahre am 7. Juni mit der Tochter Anna des Bürgermeisters zu Döbeln Barthel Zimmermann, die ihm zehn Kinder gebar und ihn überlebte. 1581 wurde er Hofprediger und Consistorialassessor in Weimar, und 1587 auf Befehl seiner fürstlichen Herrschaft, nicht auf seinen eigenen Wunsch, Pfarrer und Superintendent in Jena; aber wegen der Anfeindungen, welchen er daselbst ausgesetzt war, vertauschte er im Anfang des Jahres 1590 diese Stelle gern mit der Superintendentur zu Orlamünde, wohin ihn der Rath der Stadt sich erbeten hatte. 1593 erhielt er eine neue Berufung und zwar in seine Vaterstadt und siedelte 1594 dahin als Superintendent und Consistorialassessor über. Hier starb er am 16. Mai 1603. Ueber sein Grab hinaus behält er eine gewisse Bedeutung in der Geschichte der Predigt innerhalb der lutherischen Kirche, zu deren bedeutenderen Kanzelrednern er gehört. Seine Predigten sind, so charaktensirt sie W. Beste (s. unten), gedankenreich, aber dabei in hohem Grade populär; ihre zuweilen rücksichtslose Schärfe fand nicht immer Beifall. Die Methode besteht in der Behandlung des Textes nach einzelnen Lehrpunkten. Diese Art seiner Predigt ist formell steif, wie der Zeitgeschmack; aber da sie trotz aller Orthodoxie doch praktisch und tief erbaulich wirkte, indem sie auf die religiösen und sittlichen Bedürfnisse der Gemeinden Rücksicht nahm, so gehört St. in die Reihe von Predigern, welche eine innere Erneuerung der deutsch-lutherischen Predigt anbahnten. Wie streng er dabei an orthodoxen Theorien festhielt, und wie das wieder seine homiletische Productivität steigerte, davon nur ein Beispiel. Wie man unter dem Einfluß der Theorie von der Verbalinspiration der Bibel in jenen Kreisen über einzelne Worte, über Grüße, Eingänge, Ueberschriften und Unterschriften von neutestamentlichen Briefen ganze Predigten zu halten pflegte, so hielt auch St. 122 Predigten bloß über das Buch Jona (4. Aufl. 1619), darunter über die fünf Worte „zu Jona dem Sohne Amithai“ allein vier Predigten. (Christlieb in Herzog, Realencyklopädie 2 XVIII (1888), 536.)

    Aus der reichen Anzahl seiner Publicationen seien genannt: "Sechs Predigten von der Vocation, Confirmation und Bestallung des Propheten Jeremia". 1694. — "Gründliche Eintheilung der heiligen zehn Gebote Gottes“. 1685. — „Iter Emahunticum“ ("Der Gang nach Emmaus") in 22 Predigten über Luc. 24, 23 ff. — „Der süße Jesus Christ oder acht schöne Weihnachtspredigten". 1590. 6. Aufl. 1613. — „Jonas, die Auslegung der wunderbaren und doch ganz lehrhaftigen und trostreichen Historie von dem Propheten Jona in 122 Predigten“. 1593. 1595. 1602. 1619 in fol. — „Ossa rediviva“ (über Ez. 37, 1 ff.) in 21 Predigten. — „Conscientia“ d. i. Bericht vom Gewissen des Menschen (31 Predigten). 1596, zuletzt noch 1654 unter dem Titel „Gewissensspiegel“. —|„Infanticidium Bethlehemiticum“ (Bethlehemischer Kindermord). (9 Predigten über Matth. 2, 16. 17.) Leipzig 1611 und andere mehr. Sämmtliche Publicationen s. bei Zedler s. u.

    • Literature

      Zu vgl. Kirchbach (Paul), Leichpredigt bei dem Begräbniß ... Strignitii. Leipzig 1620. 4°. — Zedler, Universallexikon XL (1744), 977 ff. Aus beiden schöpft W. Beste, Die bedeutendsten Kanzelredner der älteren lutherischen Kirche II (1858), 300 ff., wo sich auch eine Predigt Strigenitz' aus dem Infanticidium Bethl. abgedruckt findet.

  • Author

    P. Tschackert.
  • Citation

    Tschackert, Paul, "Strigenitz, Gregor" in: Allgemeine Deutsche Biographie 36 (1893), S. 594-594 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122773799.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA