Kruse, Gottschalk

lutherischer Reformator, -* um 1499 Braunschweig, April 1540 Harburg.

  • Genealogie

    Aus Bürgerfam. in B.; V N. N. (früh †); M N. N. ( n. 1523); (Celle ?) 1526 Anna, T d. Bürgers Radeke Wolder in Celle u. d. Agnete N. N.; 2 S.

  • Leben

    K. wird 1508 als puer oblatus dem braunschweig. Benediktinerkloster St. Ägidien übergeben. Ein erstes ihm vom Orden ermöglichtes Studium führt ihn 1516 nach Erfurt. 1518 lernt er in einer Lebenskrise Schriften Luthers kennen und ergreift die Gelegenheit zu nochmaligem Studium. 1520 und 1521 ist er in Wittenberg, wird Baccalaureus Biblicus – mit einer Disputation über Karlstadts Thesen „super celebratione missarum“ – und bald darauf, am 28.11. 1521, Doktor der Hl. Schrift. Erste Versuche, in Braunschweig durch Lektionen über das Matthäusevangelium und den Römerbrief der luth. Sache zu dienen, sind nur von kurzer Dauer. Er wird bald gezwungen, sie abzubrechen. Doch bleibt K., der vorerst nach Wittenberg entweicht, nicht müßig und verfaßt einen Sermon, der 1522 als früheste Reformationsschrift Niedersachsens erscheint. Bei einem Anschlag auf sein Leben verläßt er aber Kloster und Vaterstadt und gibt in einer weiteren Schrift darüber Rechenschaft.|

  • Auszeichnungen

    Von Luther empfohlen, sorgt K. in Celle 1524-27 dafür, daß die durch Wolfgang Cyklop (s. L) angeregte ev. Bewegung an geistlicher Klärung und reformatorischer Entschiedenheit gewinnt. Dem seit 1525 fest zur Reformation entschlossenen Herzog steht er in theologischen Fragen beratend zur Seite. Im sog. Celler Barfüßerstreit verteidigt er an der Spitze der luth. Prädikanten (u. a. Mag. Heinr. Bock) die unverkürzte ev. Predigt und die scharfe Abkehr von allem Mißbrauch in den Zeremonien. In der „Handelyng“ von 1527 wird darüber Rechenschaft gegeben, und in den „Artikeln“ der von K. konzipierte Entwurf einer neuen Ordnung für die Pfarreien des Fürstentums Lüneburg vorgelegt, aus dem sich die spätere Kirchenordnung von 1564 entwickelt. Als Hzg. Otto sich 1527 in das ihm überlassene Fürstentum Harburg zurückzieht, nimmt er K. als seinen geistlichen Beistand und Berater mit. So wird dieser im letzten Abschnitt seines Lebens zum Reformator auch dieses Gebietes. In K. haben luth. Mönchs- und Gewissenserfahrung, christl. Bürgerprotest und theologische Erkenntnis zur reformatorischen Initiative geführt. Sein Interesse ist soteriologisch-ethisch ausgerichtet (Nachwirkungen Karlstadts), in Typus, niederdeutscher Ausdrucksweise und Gesinnung an Bugenhagen erinnernd. Er hat der reformatorischen Bewegung in Niedersachsen „entscheidende Impulse“ gegeben (Lange).

  • Werke

    Van adams vnd vnsem valle vnd wedder vper-standinghe, 1522; To allen Christ-gelöubigen fromen mynschen bes. d. statt Brunswygk, D. Godschalci Crußen/Wörumme hee gheweken wth synem kloester eyn vnderrichtunghe, 1523 (?); Handelyng twyschen d. Baruoten tho Zeelle ynn Sassen, vnde d. vorordenten Predigern dar suluest, de Mysse belangen …, 1527; Artikel, darinne etlike mysbruke by d. Parren d. Förstendoms Lüneborg entdecket, vnde dar yegen gude ordenynge angegeuen werden, mit bewysynge vnd vorklarynge d. schrifft, 1527.

  • Literatur

    A. Wrede, die Einführung d. Ref. im Lüneburgischen durch Hzg. Ernst d. Bekenner, 1887; Johs. Meyer, KG Niedersachsens, 1939, S. 68 f., 72; B.|Lange, D. G. K. in s. Bedeutung f. d. Ref. in d. Stadt Braunschweig u. im Fürstentum Lüneburg, in: Jb. d. Ges. f. Nd.sächs. KG, 1958, S. 97-149 (W, L). - Zu W. Cyklop: Vf.-Lex. d. MA; Kosch, Lit.-Lex.

  • Autor

    Walter Schäfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schäfer, Walter, "Kruse, Gottschalk" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 149 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd122523687.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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