Lebensdaten
um 1310 bis 1386
Geburtsort
Dortmund
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Kaufmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122034333 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lemberg, Tidemann

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Zitierweise

Lemberg, Tidemann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122034333.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Fam. stammt aus d. Dorf Lücklemberg b. Dortmund;
    V wahrsch. Dietrich, um 1277 im Wollhandel mit England tätig, Dortmunder Bürger (Schuster- u. Lohgerbergilde) 1296; Schwager Dietrich Overberg, Bgm. in D.;
    - um 1360 Ermgard Bommelberg; kinderlos.

  • Leben

    L. schloß sich der in Dortmund politisch führenden Schuster- und Lohgerbergilde an, ging in den Großhandel über und erreichte den Aufstieg in den Rat der Stadt. Er gehörte bald zu den Dortmunder Kaufleuten, die ⅕ der gesamten engl. Wollausfuhr tätigten, großen Einfluß im Kontor der Deutschen Hanse in London besaßen und in den engl. Geldhandel eingriffen. Mit etwa 30 Jahren schloß er sich 1340 dem Gläubigerkonsortium an, das Kg. Eduard III. v. England große Darlehen gegen die Verpfändung der engl. Hafenzölle gab. L. und Johann von dem Walde erhielten die Aufsicht über die engl. Wollausfuhr durch die Übergabe einer Hälfte des doppelseitigen königl. Zollsiegels, wodurch das deutsche Konsortium bedeutende Gewinne erzielte. Mit weiteren Darlehen gelangte 1343 die große Königskrone Eduards III. als Pfand in die Hände der Gesellschaft. Ein Jahr später mußte die Krone zurückgegeben werden, und die Zollmonopolstellung ging verloren, doch L. blieb als Beauftragter eines engl.-ital. Finanzkonsortiums an der Zollerhebung beteiligt. Wahrscheinlich wegen seines rücksichtslosen Gewinnstrebens und der Zusammenarbeit mit Konkurrenten der Dortmunder Kaufleute kam es zu Streit und Prozessen mit Patriziern seiner Heimatstadt. Mit Kaufleuten aus jüngeren Dortmunder Familien gründete L. eine neue Gläubigergenossenschaft, die wiederum engl. Kronjuwelen und 1346 nochmals eine Krone als Pfand annahm. L. wurde zum Verwalter des königl. Hauses ernannt und erreichte als engl. Staatsbankier die Befreiung deutscher Hansekaufleute von engl. Kriegssteuern. 1347 wieder am Zollsiegel beteiligt, ermöglichte er deutschen Hansekaufleuten zollfreie Ein- und Ausfuhr. Durch Pachtung von Zinnbergwerken des engl. Thronfolgers brachte er den Zinnhandel völlig in seine Hand. Er belieferte die engl. Kriegsfeste Bordeaux mit Lebensmitteln und gab auch Anleihen an den päpstl. Hof in Avignon. Auf der Höhe seiner Macht besaß er ein Haus an der Themse und bemühte sich seit 1348 um den Erwerb großer Güter und Ländereien, um einen Adelsbrief zu erhalten. 1351 führten Neid und Feindschaft engl. Kaufleute zu einer Anklage L.s wegen Betrugs, unerlaubten Handels mit königl. Schuldscheinen und des Gebrauchs falscher Zinnwaagen, die eine Verurteilung zur Folge hatte. Aufgrund königl. Wohlwollens kam er jedoch bald wieder auf freien Fuß. Die Handelskonferenz von 1353 beendete die ital. und deutschen Privilegien in England. Das Geschäft lohnte nicht mehr, und L. verlor seinen Grundbesitz. Er wandte sich nach Köln, wo er zunächst ein großes Haus in der Geschäftsgegend erwarb und sich weiter in Geldgeschäften betätigte. 1358 erwarb er das Kölner Bürgerrecht. 1359 versuchte er, über die Finanzierung der von Eduard III. geplanten Kriegszüge nochmals engl. Untertan zu werden, und gründete wieder eine westfäl. Gläubigergesellschaft, auch um die ihm feindlich gesonnenen Dortmunder zurückzugewinnen. Aus England wurde er – des Betruges, der Unterschlagung und sogar des Mordes verdächtigt – 1363 vertrieben, in Dortmund stand er ebenfalls unter Anklage, der er sich aber geschickt entzog. Seit 1367 lebte er endgültig in Köln. Durch seine Geschäfte wurde er in Zunftstreitigkeiten verwickelt; er spekulierte mit der anwachsenden Tuchproduktion, betrieb Weinhandel und hatte noch Geschäftsverbindungen bis nach Böhmen.

    Während seiner großen Zeit in England muß L. viel auf Reisen gewesen sein. Aus Angst vor der grassierenden Pest erwarb er vom Papst das Privileg, einen Tragaltar und einen Priester mit sich zu führen. Da seine Ehefrau vor ihm starb und er keine Kinder hatte, war er im Alter auf Hausgenossen|angewiesen. Er stiftete mit Geschäftsfreunden das Kloster St. Barbara in Köln, dem er Geld, Kirchenfenster und wertvolle theologische Handschriften vermachte. L. besaß für einen Kaufmann ungewöhnliche philosophische Neigungen, hinterließ eine Sammlung von Andachtsbildern und schenkte dem Augustinerkloster in Köln Meisterwerke köln. Goldschmiedekunst. Ein erzgetriebener Sarkophag wurde sein eigenes Grabmal. Als Wohltäter blieb er bei Klöstern und Armen bekannt, als Hansekaufmann war er in Dortmund bald vergessen.

  • Literatur

    O. H. Förster, Kölner Kunstsammler v. MA b. z. Ende d. bürgerl. Za., 1930;
    L. v. Winterfeld, in: Westfäl. Lb. IV, 1933 (L);
    G. Luntowski, Dortmunder Kaufleute in England im 13. u. 14. Jh., Ein Qu.nachweis, 1970 I. M. Peters, Hansekaufleute als Gläubiger d. engl. Krone (1294–1350), 1978.

  • Autor/in

    Barbara Gerstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerstein, Barbara, "Lemberg, Tidemann" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 183 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122034333.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA