Lebensdaten
1840 bis 1909
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Photograph
Konfession
-
Normdaten
GND: 121651363 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmidt, Ferdinand
  • Schmidt, Georg Andreas Ferdinand

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Zitierweise

Schmidt, Ferdinand, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121651363.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1811–67), seit 1839 Maler u. Photograph in N., richtete 1846 eines d. ersten photograph. Ateliers in N. ein, S d. Georg (1773–1851), Brillenmacher in N., u. d. Anna Susanna Müller;
    M Friederike Sophie Kauscher ( 1863), Porträtistin;
    B Johann Georg Theodor (* 1847), Zeichner in München u. in d. Schweiz;
    1) Nürnberg 1867 Anna Margarethe Kurz (1833-vor 1899), T e. Bäckergesellen, 2) Nürnberg 1899 Kunigunda Käthe (1872-vermutl. 1933, 2] 1911 Karl Michael Stich, 1858-1918, S.s Gehilfe. Photograph in N., führte seit 1909 S.s Photoatelier weiter), T d. Johann Reichel (1834–1914), Schuhmacher, u. d. Barbara Scheub (1837–1921); kinderlos.

  • Leben

    S. wurde von seinem Vater als Photograph ausgebildet und arbeitete seit etwa 1860 im väterlichen Atelier mit. Nach dem Tod des Vaters 1867 übernahm er das Geschäft und erwarb im Nov. 1867 die Lizenz als Photograph. In Zeitungsanzeigen offerierte er neben der üblichen Porträtphotographie in allen Formaten auch „Aufnahmen auf Bestellung von Privatgebäuden“. Dabei wies S., der sich primär als Architekturphotograph verstand, auch auf seine Ansichten von Nürnberger Baudenkmälern hin, die er nach Veränderungen häufig neu aufnahm und seit 1885 für den freien Verkauf in Katalogen anbot.

    S.s Altstadtansichten halten den Wandel Nürnbergs zur Großstadt, damit auch das Verschwinden eines Teils von Alt-Nürnberg fest. Einige Aufnahmen von inzwischen abgebrochenen Gebäuden wurden noch Jahrzehnte später zu beliebten Ansichtskartenmotiven und dienten Künstlern wie Lorenz, Wilhelm und Paul Ritter als Vorlagen für historisierende oder romantische Gemälde und Graphiken Nürnbergs. Daneben photographierte S. meist in privatem Auftrag Ansichten von Privathäusern, Geschäften und Fabriken innerhalb und außerhalb des Mauerrings. Zu seinen bekanntesten Serien zählen die um 1865, 1885 und 1905 aufgenommenen und aus Einzelaufnahmen gleicher Perspektive zusammengesetzten Rundpanoramen vom Spittlertorturm, die mit jeweils 20 Jahren Abstand das ausgreifende Wachstum der Vorstädte Gostenhof, Steinbühl und Johannis rund um den Plärrer zeigen. Historisch von besonderer Bedeutung sind die teilweise sehr detaillierten Dokumentationen neuer, im Zuge der Urbanisierung entstehender öffentlicher Einrichtungen, die S. in städtischem oder staatlichem Auftrag anfertigte. Dazu zählen die Bildserien vom Nürnberger Zellengefängnis (um 1870), vom modernen Schlachthof oder vom neuen Gaswerk ebenso wie die Aufnahmen von der Pferde- und Straßenbahn, vom neuen Krankenhaus an der Flurstraße 1897 oder von der Vielzahl moderner Schulhäuser. 1892-96 dokumentierte S. den Bau des Bayer. Landesgewerbemuseums, 1902 – zum 50jährigen Jubiläum des German. Nationalmuseums – die Museumsräume und ausgewählte Exponate. Die 262 Aufnahmen umfassende Serie (seit 1904) zum Bau der Nürnberger Landesgewerbeausstellung von 1906 im neu entstehenden|Luitpoldhain stellt eine der wichtigsten Dokumentationen zur Industriegeschichte Bayerns dar. Eindrucksvolle Bilder etwa vom Teilabriß der Stadtmauern, von der Grundsteinlegung des Rathauses, Einweihungen neuer Gebäude oder vom Brand der Nägeleinsmühle 1875 sind Beispiele früher Reportagephotographie in Nürnberg.

    S. ist der bedeutendste Nürnberger Photograph des 19. Jh. Obwohl seit den 80er Jahren die in der Handhabung bequemeren Trockenplatten verbreitet waren, arbeitete er zeitlebens mit dem älteren nassen Kollodiumverfahren, das die sofortige Verarbeitung der belichteten Platten erforderte. S. verwendete deshalb eine Kutsche als mobiles Atelier und Photolabor; nicht selten sind interessierte Zuschauer und Kinder in die Bilder integriert. Seine rund 2000 Aufnahmen, die heute den mit Abstand wichtigsten Photobestand Nürnbergs für die Jahrzehnte zwischen 1860 und 1909 bilden, sind von bemerkenswerter Qualität. In ihnen fand S. auch zu einer neuen, die moderne Technik und Architektur adäquat wiedergebenden Bildsprache.

  • Werke

    Photogrr., Glasplattennegative u. Abzüge v. eigener Hand im StadtA Nürnberg (Bestand A 47);
    Ortsansichten aus Nordbayern, Thüringen u. d. Fränk. Schweiz;
    Stadtansichten u. a. v. Fürth, Erlangen u. Regensburg.

  • Literatur

    J. Bier, Das alte Nürnberg in Anlage u. Aufbau, Mit 80 Aufnahmen n. F. S., 1926;
    W. Kriegbaum, Nürnberg in alten Photogrr. d. Photographien F. S. 1860-1909, 1967;
    ders., Nürnberg, Hist. Entwicklung e. dt. Stadt in Bildern, 41971;
    Nürnberg 1865-1909, Photogrr. v. F. S., hg. v. Centrum Industriekultur, 1987 (P);
    Fotoschätze aus d. StadtA. Kat. d. StadtA Nürnberg 12, 1998;
    Im Wandel, Nürnberg vor 100 J., Fotogrr. v. F. S., Kat. d. StadtA Nürnberg 13, 1999;
    H. Beer, Die Menschen in d. Bildern, 2002;
    Stadtlex. Nürnberg (P).

  • Autor/in

    Helmut Beer
  • Empfohlene Zitierweise

    Beer, Helmut, "Schmidt, Ferdinand" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 185-186 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121651363.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA