Lebensdaten
1885 bis 1951
Geburtsort
Gelsenkirchen
Sterbeort
Witten/Ruhr
Beruf/Funktion
Chemieindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 121575411 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Imhausen, Arthur

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Zitierweise

Imhausen, Arthur, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121575411.html [13.12.2018].

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  • Genealogie

    V Karl (1855–1917), Drogist in G.;
    M Friederike Stern (1855–1934);
    Gelsenkirchen 1910 Auguste (1885–1961), T d. Ziegeleibes. Diederich-Heinr. Hülsmann u. d. Karoline Mecklenbeck gen. Wegmann;
    1 S Karl-Heinz (* 1911), Chemieindustrieller, Honorarprof.

  • Leben

    Der Beruf seines Vaters erweckte bei I. das Interesse für die Chemie, der er sich u. a. in Berlin am Institut für das Gärungsgewerbe widmete. 1912 übernahm er die kleine Seifenfabrik „Märk. Seifenindustrie“ in Witten, die er durch Einrichtung weiterer chemischer Laboratorien und Anlagen vergrößerte. Neben Seifen wurden u. a. Wasserglas zur Stabilisierung natriumperborathaltiger Waschmittel, medizinische Präparate auf kolloidaler Basis und während des 1. Weltkrieges – I. war Mitglied des Waffen und Munitionsbeschaffungsausschusses – auch Dinitrobenzol und Hexanitrophenylphosphat für Sprengstoffe hergestellt. Das nach Kriegsende demontierte Werk baute I. zu einer bedeutenden Waschmittel- und zur größten Feinseifenproduktionsstätte (u. a. „Warta“-Seife) Deutschlands aus. Bei der Suche nach brauchbaren Rohstoffen erkannte er, daß sich bei der Benzinsynthese nach Fischer-Tropsch anfallende Paraffinfraktionen als Ausgangsstoffe für die Fettsäuresynthese eignen, und 1935 entdeckte er zusammen mit Werner Prosch die guten Katalysatoreigenschaften von Mangansalzen bei der Paraffin-Oxidation durch Luftsauerstoff. Mit der Firma Henkel, Düsseldorf, gründete er 1936 die „Deutschen Fettsäure-Werke“ in Witten, mit denen 1937 auch die IG-Farbenindustrie AG, Werk Ludwigshafen-Oppau, in Erfahrungsaustausch trat. Die Paraffinoxidation konnte bereits im Frühjahr 1937 großtechnisch aufgenommen werden; die so gewonnenen synthetischen Fettsäuren wurden zunächst zur Seifen-Herstellung eingesetzt. Bald darauf gelang es I. und seinem schon früh zur Mitarbeit herangezogenen Sohn Karl-Heinz, durch Veresterung besonders gereinigter synthetischer Fettsäuren das erste synthetische Speisefett der Welt zu entwickeln, zu dessen großtechnischer Herstellung I. 1941/42 eine Anlage für monatlich 250 t errichtete. Er erweiterte darüber hinaus sein Fabrikationsprogramm auf Basis synthetischer Fettsäuren um tieftemperaturbeständige Schmieröle, wasserlösliche Torpedoöle, Marine- und Luftwaffenschmierfette sowie Weichmacher für Buna und andere Kunststoffe. Zahlreiche in- und ausländische Patente tragen seinen Namen bzw. den der Märk. Seifenindustrie. Der eng mit seinem Wirken verbundenen Forschung auf dem Gebiet der Kolloidchemie vermochte I.,|durch seine Freunde R. Zsigmondy, W. Ostwald, A. Lottermoser und M. H. Fischer unterstützt, wesentliche Impulse zu erteilen. Die Kolloid-Gesellschaft verlieh I. 1936 den Leonard-Preis. Als Musik- und Kunstfreund förderte er Künstler und gründete u. a. ein Werkorchester und einen Werkchor.

  • Werke

    u. a. Kolloidchemie u. Seifenindustrie, in: Kolloid-Zs. 36, Zsigmondy-Festschr., 1925;
    Unterss. an Seifen aus synthet. Fettsäuren, ebd. 85, 1938;
    Kolloidchemie u. Metallurgie, in: Stahl u. Eisen 41, 1927;
    Kohle als Rohstoffbasis f. d. Seifenindustrie, in: Fette u. Seifen 44, 1937;
    Vorgesch. u. Chemismus d. grostechn. Fettsäure-Synthese, in: Chemiker Ztg. 62, 1938. -
    Zahlr. Patente (DRP), 1912–43, z. T. mit Th. W. Pfirrmann, W. Prosch, G. Bewig, H. Frank, K.-H. Imhausen, u. a.: Verfahren z. Herstellung e. Waschmittels, 1915, v. Hexanitrodiphenylphosphat, 1917, v. Seifenpulver (Waschpulver) aus flüss. Seifenmasse, 1916, v. Glas u. Salzsäure, 1923, v. Fettsäuren aus Kohlenwasserstoffen, 1935, v. z. Ernährung geeigneten synthet. Fetten, 1936;
    Verwendung v. Estern … als Brems- u. Druckflüssigkeit, 1940.

  • Literatur

    Fette u. Seifen 53, 1951, S. 444 (P);
    Erdöl u. Kohle 4, 1951, S. 532 (P);
    Chemiker-Ztg. 1951, S. 395 (P);
    F. Pudor, Nekr. a. d. Rhein.-Westfäl. Industriegebiet, 1939–51, 1955, S. 216 f.;
    G. Haren, Gesch. d. Stadt Witten, 1924, S. 460.

  • Portraits

    Ölgem. u. Radierungen v. E. Schmitz;
    Totenmaske v. K. H. Urban (in Bes. d. Fam.).

  • Autor/in

    Berend Strahlmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Strahlmann, Berend, "Imhausen, Arthur" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 145 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121575411.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA